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Technologie- und Vertriebskooperation


11.06.2004 - 

Fujitsu und Sun fusionieren Server-Produktion

MÜNCHEN (CW) - Fujitsu und Sun werden ihre Solaris- und Sparc-basierende Server-Produktlinien Mitte 2006 zusammenführen. Die geplante Rechnerreihe wird unter dem Code-Namen "Advanced Product Line" (APL) geführt. APL-Modelle sollen unter Suns Unix-Variante Solaris laufen.

Für die neue Produktlinie sollen dann auch das Java Enterprise System und ein Großteil der wesentlichen Enterprise-Applikationen zur Verfügung stehen. Sobald die APL-Systeme auf den Markt kommen, werden sie die bestehenden Sun-"Fire"- und "Primepower"-Produktlinien von Sun und Fujitsu ersetzen.

Sun-CEO Scott McNealy sagte, beide Unternehmen würden künftig gemeinsam eine ganze Serie von Einstiegs- und Midrange-Servern bis hin zu Hochleistungsmaschinen auf den Markt bringen. Die Firmen arbeiten schon lange beim Design der Ultrasparc-Prozessorarchitektur zusammen. Die jetzige Ankündigung ist demnach als Fortführung einer seit bereits 20 Jahren währenden Kooperation zu verstehen.

Die APL-Server werden auf der noch vorzustellenden "Sparc-64-VI"-Prozessorgeneration von Fujitsu aufbauen. Die Japaner werden die Federführung bei der Sparc-Chipentwicklung übernehmen. Sun schafft sich so Freiräume, hochkomplexe Multiprozessor-Konzepte zu entwickeln. Beide Unternehmen werden die APL-Systeme fertigen, sie teilen sich die Produktion allerdings nach geografischen Regionen auf. Sun und Fujitsu wollen auch getrennte Vertriebs- und Marketing-Mannschaften aufrecht erhalten. Zudem laufen die künftigen Rechnersysteme unter jeweils eigenen Markennamen.

Das Duo plant, künftig ebenfalls Server zu vertreiben, die auf Suns Prozessordesign der "Niagara-" und "Rock-"Chips basieren. Erste Niagara-Systeme sollen, so die bisherigen Informationen, von Sun 2007 ausgeliefert werden. Maschinen mit dem Rock-Design würden im selben Jahr folgen. Fujitsu wird die APL-Prozessoren produzieren, Texas Instruments die Niagara- und Rock-Chips, sagte Andy Ingram, Vice President Marketing von Suns Network Storage Products Group.

Gordon Haff, Analyst von Illuminata, hält die Kooperation für sinnvoll. Sun habe sich verstärkt auf das x86-Prozessor-Segement ausgerichtet, was nachvollziehbar sei. Mit der zusätzlichen Ausrichtung auf die Intel-Welt aber habe man sich fragen müssen, ob Sun es sich leisten könne, auch noch die Sparc-Entwicklung voranzutreiben.

Haffs Bemerkung könnte sich auch auf die Tatsache bezogen haben, dass Fujitsus Sparc-Design "Sparc-64" bislang nicht kompatibel ist mit Suns Sparc-Prozessor-Designs. Ohne erhebliche Modifikationen der Hardware-Schnittstellen können Fujitsu-Chips nicht in Sun-Systemen eingesetzt werden. Durch eine gemeinsame Prozessor-Plattform in künftigen APL-Systemen von Fujitsu und Sun wäre diese Problematik aufgehoben.

Ein Schlüsselelement innerhalb der Zusammenarbeit wird die Errichtung europäischer Entwicklungszentren sein. Hier sollen Komplettlösungen geschaffen werden, die von der Hardware über Middleware-Angebote bis hin zur Integration der Applikationen reichen. Diese Produkte zielen insbesondere auf Anwender und deren Problemstellungen in geschäftskritischen Umgebungen ab.

"Die APL ist eine direkte Fortführung unserer gegenwärtigen Primepower-Produktlinie und wird ein wesentliches Element unserer Business Critical Computing-Strategie sein", meinte Joseph Reger, Chief Technology Officer bei Fujitsu Siemens Computers.

Frederick Kohout, Vice President Marketing EMEA bei Sun Microsystems, sagte, durch die Zusammenarbeit werde die Erfahrung beider Unternehmen bei Datacenter-Infrastrukturen mit einer breiten Produkt-Palette kombiniert.

Andrew Butler, Analyst bei der Unternehmensberatung Gartner, kommentierte, Sun habe mit dem Fujitsu-Deal einen kühnen Schachzug gewagt. Damit könne sich das Unternehmen aus der jahrelangen Zwangssituation befreien, sehr kostspielig eine eigene Prozessortechnologie weiterentwickeln zu müssen. Nunmehr könne sich das Unternehmen auf die Softwareentwicklung und Serviceangebote fokussieren.

Nicht mehr tragbar

Sun habe bisher eine auf Dauer nicht mehr tragbare finanzielle Last für Forschung und Entwicklung schultern müssen. Nach Butlers Informationen steckte Sun pro Jahr 18 Prozent des gesamten Umsatzes in Forschung und Entwicklung- ein in der Industrie einmalig hoher Wert. Durch die Kooperation würden sich Sun und Fujitsu eine Menge überlappender Forschungsanstrengungen bei der Sparc-Entwicklung sparen.

Butler sieht aber gewisse Konflikte auf die Partner zukommen, weil Fujitsu Pläne hat, auch Hochleistungsserver auf Basis der Intel-Itanium-Prozessoren auf den Markt zu bringen. Hier würden sich Positionierungsprobleme mit den geplanten Sparc-Servern ergeben. (jm)