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30.03.1984 - 

Meßlatten für die Produktivitätssteigerung werden präziser:

Function Points lösen LoC-Methode ab

ESCHBORN (mer) - Im Umfeld sinkender Hardwarepreise sind Softwarekrise und Anwendungstau griffige Schlagworte für die Situation in der Informationsverarbeitung: zu niedrige Programmierproduktivität. An Ansätzen hat es bisher nicht gefehlt. Höhere Programmiersprachen, strukturierte Programmierung, modularer Systementwurf sowie Abfrage- und Reportgeneratoren haben subjektiv zur Krisenlösung beigetragen.

Als das Nonplusultra gelten derzeit die Sprachen der vierten Generation. Hier wurde von unabhängigen Wissenschaftlern bereits eine Produktivitätssteigerung bei der Entwicklung von Anwendungen um den Faktor 10 bis 20 gemessen.

Es ist jedoch schwierig, eine Produktivitätssteigerung zu quantifizieren. Als Produktivitätsfaktor wird generell die Division von Ertrag (Softwareprodukt) durch Aufwand (Zeit) definiert. Bisher wurden im Grunde nur zwei Meßmethoden vorgeschlagen: die LoC Zählung (Lines of Code) und die Halstead's Metrics. Die LoC-Methode wurde bereits zur Zeit der ersten Sprachgeneration (Maschinensprache) benutzt und ist einfach anzuwenden. Nachteil: Nur Vergleiche innerhalb einer bestimmten Sprache sind möglich. Die LoC-Methode kann zu einem direkten Vergleich von Vierte-GenerationsSprachen mit konventioneller Cobol-Programmierung nicht herangezogen werden.

Die Halstead-Metrics-Methode geht hier einen Schritt weiter. Sie stellt nur die für eine Anwendungsbewertung wichtigen Operatoren und Operanden fest und entwickelt daraus Meßeinheiten unter Verwendung von Methoden und Grundsätzen der experimentiellen Wissenschaft. Eine Sprachenunabhängigkeit ist mit dieser Methode zwar gewährleistet, sie basiert jedoch immer noch auf der Programm-Syntax und bewertet somit nicht den Inhalt der Anwendung.

Einen deutlichen Meilenstein im Bereich der Produktivitätsmessung setzte Allan J. Albrecht (IBM, White Plains) im Jahre 1979. Auf einem Shared/Guide-Application-Developement-Syposium stellte er erstmals einen Entwurf der "Function-Point-Methode" vor. Sie beruht auf der Erkenntnis, daß eigentlich nur die von einem Programm geleisteten Funktionen für eine Messung relevant sind. Function Points werden aus der Sicht des Programmanwenders ermittelt und sind somit bereits aus einem detaillierten Pflichtenheft ersichtlich.

Die Anwendungsbewertung erfolgt über eine Zwei-Phasen-Analyse. Stufe eins beinhaltet eine Klassifizierung und Zählung der Anwendungselemente in Komplexitätsgraden:

- Input durch den Anwender

- Output für den Anwender

- Abfragen durch den Anwender

- Logische Dateien

- Schnittstellen zu anderen Anwendungssystemen.

In der ersten Phase werden die Brutto-Funktionspunkte ermittelt. In der zweite Phase werden sie dann nach dem Grad des Einflusses unterschiedlicher Faktoren auf Design und Implementierung der Anwendung gewichtet.

Zu diesen Faktoren gehören zum Beispiel Anwendungskomplexität, Datenkommunkation, Durchsatz-Ziele, Transaktions- und allgemeine Verarbeitungskomplexität. Diese Gewichtung kann die Summe der Brutto-Function-Points um bis zu 40 Prozent verändern.

Bemerkenswert erscheint, daß durch diese empirische Schätzmethode eine Abweichungsspanne von weniger als 20 Prozent eingehalten wurde. Die Function-Point-Methode bewertet den Inhalt einer Anwendung, nicht die handwerkliche Form und das Volumen der Programme.

Diese Analyse ermöglicht weitgehend objektive Aufwandsmessungen von Projekten. Andere Methoden bieten nur den Anwendungsvergleich bei gleicher Programmiersprache und Softwaretechnologie.

Dr. Eberhard Rudolph von der Auckland University, Neuseeland hat kürzlich eine wissenschaftliche Studie zu diesem Thema erarbeitet. Er leitete eine Forschungsgruppe, die nach der Function-Point-Methode eine größere Anzahl von Projekten -bei unterschiedlichen Gesellschaften analysierte. Die implementierten Anwendungen wurden zu einem Teil konventionell mit Cobol und zum anderen - als Vertreter einer "Fourth Generation Language" - mit dem Anwendungsgenerator "LINC" der Burroughs Deutschland GmbH realisiert.

Über seine Software-Produktivitätsstudie (Cobol kontra Sprachen der vierten Generation) berichtet Dr. Eberhard Rudolph von der Auckland University, Neuseeland. am B. April 1984 auf der Hannover-Messe. Die Veranstaltung findet auf dem Messegelände IT (Internationaler Treffpunkt) im "Grünen Saal" statt. Weitere Seminare sind im Mai in Hamburg, Düsseldorf, Frankfurt, München und Wien geplant. Anmeldungen an: Burroughs Deutschland GmbH, Frankfurter Allee 14 - 20, 6236 Eschborn/Taunus 1, Telefon: 0 61 96 /47 92 02.