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26.07.1985 - 

Pädagogen ohne Job:

Fundus für die DV-Industrie

Von den 114 000 arbeitslosen Hochschulabsolventen wissen die wenigsten von ihren Chancen und Möglichkeiten im DV-Markt. Und diejenigen, die davon erfahren, wollen es nicht glauben. Die meisten der 62 000 Pädagogen unter ihnen halten sich krampfhaft an der 1-Prozent-Chance fest, eventuell doch noch im Staatsdienst unterzukommen. Mit Milliardenaufwand studieren etwa zwei Drittel aller Hochschulabsolventen für die Arbeitslosigkeit.

Die von der Bundesregierung eingesetzte Enquête-Komission sieht bis 1990 folgende Entwicklung: Von allen Berufstätigen der Bundesrepublik werden 65 Prozent direkten Kontakt zur DV haben, 25 Prozent programmieren können und fünf von hundert Softwarespezialisten sein.

Beim heutigen Stand von zirka 300 000 Softwerkern und einem Marktbedarf von über einer Million EDV-Spezialisten klafft ein mögliches Ausbildungsdefizit von 700 000 DV-Fachleuten. Bedenkt man, daß 67 Prozent aller deutscher Firmen überhaupt noch keinen Computer einsetzen, bedenkt man weiter, daß es zur Zeit lediglich 2500 Studienplätze für Informatiker gibt (die zu 200 Prozent überbelegt sind und sich an typischen Informatikfakultäten bis zu 70 Studenten einen Bildschirm teilen müssen, und darüber hinaus 25 Prozent der entsprechenden Informatiklehrstühle nicht besetzt sind), dann ahnt man, daß hier eine riesige Herausforderung auf uns alle zukommt. Bietet es sich in einer solchen Situation nicht geradezu an, dieses brachliegende Riesenpotential fähiger Akademiker für die DV zu mobilisieren?

Das DV-Dorado bleibt für viele jedoch vorerst verschlossen, denn viele Bewerber örtlichen Arbeitsämter wissen nichts von den immensen Einsatzmöglichkeiten in diesem Bereich. Die Akademiker-Berater an 24 Hauptarbeitsämtern, die sogenannten Fachvermittlungsdienste (FVD) sind mit bis zu 2500 zu betreuenden arbeitslosen Hochschulabsolventen ziemlich überfordert.

Die meisten joblosen Akademiker/innen versuchen jahrelang, mit ständig wachsendem Frust und kritischer Gefährdung ihrer Persönlichkeitsentwicklung in ihrem studierte Fachgebiet unterzukommen.

Längerfristig wird die derzeit sehr skeptische Wirtschaft diesem Personenkreis gegenüber noch dankbar sein, daß ein solch fähiges Potential (richtig motiviert und ausgebildet) überhaupt vorhanden ist; bringen doch die meisten Hochschulabsolventen jedem Arbeitgeber folgende Vorteile: Sie haben methodisches Denken gelernt. Sie haben gelernt zu lernen (und DV ist ständige Lernen). Dazu sind sie "hungrig" und bereit zu überdurchschnittlichen Leistungen.

Und auch die "DV-willigen" arbeitslosen Hochschulabsolventen werden im nachhinein ihrem Schicksal dankbar sein, daß sie durch die anfangs teilweise unbeliebte Umschulung in eine abwechslungsreiche, herausfordernde Lebenskarriere "hineingerutscht" sind, die sie später nicht mehr missen möchten.

Wer 25 bis 35 Jahre alt ist, volle Identifikation mit dem künftigen Berufsbild hat, logisch-abstrakt denken kann, sich physisch und geistig total auf das Erreichen der Lernziele konzentriert und uneingeschränkt leistungsbereit ist, hat eine Quasi-Jobgarantie, wenn er/sie von einer renommierten DV-Schule kommt.

Auch seitens der Wirtschaft besteht indes ein gewisses Informationsdefizit über Einsatzmöglichkeiten umgeschulter leistungsbereiter Akademiker/innen. Aus meiner Erfahrung bei der Ausbildung von arbeitslosen Hochschulabsolventen aller Fachrichtungen sowohl im Hause Nixdorf als auch in eigener Regie im Computer-Bildungs-Institut in Wiesbaden habe ich folgendes festgestellt: Bei Eignung und Bereitschaft, sich die wichtigsten DV-Werkzeuge zu erarbeiten, spielt es absolut keine Rolle, aus welcher Fachrichtung der/die entsprechende Absolvent/in kommt. Besonders die zahlreichen Pädagogen sind mit ihrer oft vorhandenen Redegewandtheit und ihrem Einfühlungsvermögen ein wahrer Fundus für die DV-Industrie, wenn sie etwa ein neunmonatiges Datenverarbeitungs-Seminar erfolgreich absolviert haben. Viele DV- und Softwareleiter haben mir oft bestätigt, daß speziell die in diesen Intensivseminaren, vom Arbeitsamt geförderten Jungakademiker/innen in der Praxis überdurchschnittliche Resultate erbringen.

In Amerika und in Japan kennt man keine nennenswerte Akademikerarbeitslosigkeit. Dort hat die Wirtschaft schon umgelernt: Sie bauen die Arbeitslosenpyramide entsprechend dem Bildungsstand von oben nach unten ab.

In fast allen mehrmonatigen DV-Ausbildungsgängen für Hochschulabsolventen sind zudem sieben Wochen Industriepraktikum vorgesehen. Sie kosten den willigen Unternehmer nichts, sind aber für alle Beteiligten ein idealer "Schnupperkurs".

Möglichst viele Unternehmen sollten allen leistungsbereiten Jungakademikern diese notwendige Gelegenheit geben. Dann erhält jeder das seine: die einen ihre Chance - die anderen womöglich ein neue Einsicht.