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DCADIA versus X.400 - Freunde oder Feinde?

Funktional beschrankte Untermenge von ODA/ODIF

17.10.1986

Transparenz soll dieser Beitrag in der Diskussion um die beiden immer häufiger erwähnten "Bürostandards" DCA/DIA (IBM) und X.400 (CCITT) bringen. Im ersten Teil (siehe CW 41/86, Seite 88) des Artikels werden die genannten Architekturen zunächst getrennt beschrieben. Da sich die verschiedenen Standards zum Teil überlappen, zum Teil aber auch in ihrer Funktionalität ergänzen, schließt der Autor hier mit einer vergleichenden Analyse ab. Ferner zeigt er die Situation der Hersteller und Anwender in diesem speziellen Umfeld auf.

Der Standard beinhaltet ein abstraktes Bearbeitungsmodell, das das Zusammenspiel von Editor, Formatierer, Darsteller und der bereits beschriebenen Datenstrukturen aufzeigt.

Der Editor besteht aus einem Prozeß zur Bearbeitung der logischen Struktur eines eingegebenen Dokuments. Dies geschieht in enger Zusammenarbeit mit dem Prozeß zur Bearbeitung des Inhalts und mit Bezug auf die relevanten logischen Definitionen. Der Benutzer gibt hierfür die Instruktionen.

Effizienz ist noch abzuwarten

Ausgabe des Editors und Eingabe für den Formatierer sind die editierte logische Struktur und der editierte Inhalt. Der Formatierer, bestehend aus den eng kooperierenden Prozessen zur Generierung der Layout-Struktur und des Layed-out-Inhalts bedient sich dabei der logischen und Layout-Definitionen. Ein manueller Eingriff des Benutzers ist weder erforderlich, noch aus Konsistenzgründen erwünscht.

Der Darsteller gibt das Bild des Dokuments mit Bezug auf die Layout-Definitionen aus.

Architekturformen

Dokumente können in drei verschiedenen Formen auftreten:

- Image Form. Sie beinhaltet nur Layout-Struktur und Inhalt und ermöglicht nur die Darstellung des Dokuments.

- Processible Form. Sie besteht aus logischer Struktur und Inhalt. Dies erlaubt das Editieren, die Darstellung aber nur nach vorausgehender Formatierung.

- Formatted Processible Form. Editieren und Darstellung des Dokuments sind hier ohne Umwege möglich, da sowohl die logische als auch die Layout-Struktur Bestandteile sind.

ODA definiert eine recht komplizierte Struktur von Conformance-Kriterien, nach der es verhältnismäßig einfach ist, zu beurteilen, ob eine bestimmte Art von ODA-konformem Dokument in eine andere Art überführt werden kann.

Basic Teletex und Faksimile Gruppe 4 sind als Image Form, SFD aus X.420/CCI84/ als Processible Form ODA-konform. Dies bedeutet allerdings nicht, daß diese verschiedenen Dokumentarten sich ineinander überführen ließen.

Beurteilung

ODA ist eine gut durchdachte, mächtige Architektur. Die Effizienz der jetzt in der Entwicklung befindlichen Editoren und Formatierer bleibt allerdings noch abzuwarten. Von der Funktionalität für den Benutzer her ist ein Erfolg von ODA zu erhoffen. Eine Reihe von Ergänzungen wäre allerdings noch zu definieren.

Office Document Interchange Format (ODIF)

ODIF ist eigentlich ein Bestandteil von ODA, soll aber wegen der üblicherweise getrennten Nennung hier auch gesondert angesprochen werden.

Die in ODA definierten Strukturen sind nur von der Funktionalität her, nicht aber formal beschrieben. Damit soll den bearbeitenden Prozessen die Freiheit gegeben werden, selbst die effizienteste Abspeicherung zu wählen.

Soll allerdings ein Dokument extern abgespeichert oder übertragen werden, so ist eine einheitliche Syntax zu verwenden. ODIF bedient sich hier der Abstract Syntax Notation 1 (ASN.1 ISO8842/ISO85/), die fast identisch ist mit der CCITT -Empfehlung X.409 /CCI84a/. In dieser Syntax werden der Inhalt, die Strukturen, das Dokumentenprofil und die Definitionen auf zwei alternative Arten (Data Stream A/B) codiert.

Document Content Architecture (DCA)

DCA ist in seiner Funktionalität erheblich beschränkter als ODA. Der erste Eindruck, daß die DCA Revisable-Form der ODA Processible Form und die Final-Form der ODA Image Form entspräche, trügt.

DCA definiert Dokumente nicht objektorientiert, sondern in Form von strukturierten Zeichenketten. In der zur Zeit noch gültigen Version von 1983 /IBM83//IBM83a// IBM85/ sind Zeichen des EBCDIC-Codes der einzige mögliche Inhalt. Diese Zeichen sind kombiniert mit Kontrollzeichen unterschiedlicher Länge, die das Layout des Dokumentes in der Revisable-Form in einer hierarchischen Struktur steuern. Selbst diese Revisable-Form kennt keine logischen Strukturen. Sie entspricht daher eher der ODA-Image Form, bei der die Layout-Struktur in den Inhalt integriert ist.

Die DCA Final-Form weist einen Datenstrom mit Steuerzeichen für das Ausgabegerät auf und entspricht somit eher dem Ausgabeformat des Darstellers im abstrakten ODA-Bearbeitungsmodell.

In der Literatur findet man auch die Meinung /BLU85/, daß die DCA Revisable-Form einer ODA-Inhaltsstruktur entspräche. Der in der Revisable-Form definierte Seitenumbruch zum Beispiel ist aber in einer ODA-Inhaltsarchitektur nicht zulässig.

X.400-Serie von CCITT

Im Jahre 1984 wurde von CCITT die X.400-Serie von Empfehlungen für Message Handling Systems verabschiedet. Diese Empfehlungen lassen sich auch als Electronic-Mail-Standard bezeichnen.

Ein großer Verdienst von X.400 ist es, das komplexe und verwirrende Gebiet der Elektronischen Post durch ein Modell transparenter gemacht zu haben. Dabei lehnt man sich stark an die bekannten Konzepte der Briefpostvermittlung an.

Benutzer werden in diesem Modell durch User Agents (UA) repräsentiert. Miteinander kommunizierende Message Transfer Agents (MTA) leiten Nachrichten von einem User Agent an ein oder mehrere andere User Agents speichervermittelt (store-and-forward) weiter. Das P1 -Protokoll regelt den Nachrichtenaustausch zwischen Message Transfer Agents und definiert Umschlag (Envelope) und Inhalt (Content) einer Nachricht (Message). P2 ist eines der möglichen End-zu-End-Protokolle zwischen User Agents und unterteilt den Inhalt einer Nachricht in Kopf (header) und Körper (Body) eines typischen Bürodokuments.

X.400 ist somit ein geeignetes Werkzeug zur Übertragung von Dokumenten zwischen Personen. Es müssen nur die entsprechenden Körper-Typen zugelassen sein. - Document Interchange Architecture (DIA)

DIA definiert Protokolle, Datenströme und Dienste zum Austausch von Dokumenten und Nachrichten in der obersten Ebene von IBMs Systems Network Architecture (SNA). Jedem Benutzer von DIA-Diensten ist eine netzwerkweit eindeutige logische Adresse zugeordnet.

Drei Arten von Knoten sind im Netzwerk definiert. Über Source-Knoten kann ein Benutzer Dokumente und andere Informationen versenden. Recipient-Knoten empfangen und kontrollieren Dokumente und andere Informationen im Namen des Benutzers. Die Aufgabe der Office-System-Knoten ist es, Informationen zu empfangen, zu speichern, weiterzuleiten und zuzustellen. Dieser Knoten ist somit die zentrale Schaltstelle der Kommunikation. Ein Bürosystem kann sowohl die Rolle eines Source-Knoten, als auch die eines Recipient-Knoten übernehmen.

Außer den Session-Diensten zum logischen Verbindungsaufbau bietet DIA folgende Dienste an:

- Der Dokumentenbibliotheksdienst erlaubt es Benutzern, Dokumente abzuspeichern, zu entnehmen und zu löschen. Authorisierte Benutzer können Dokumente anderer Benutzer suchen und entnehmen, dies auch im Namen Dritter.

- Der Dokumentenverteilungsdienst ermöglicht die Übertragung von Dokumenten von Source-Knoten an Recipient-Knoten wahlweise direkt oder im Store-and-Forward-Verfahren über Office-System-Knoten. Im letzten Fall kann der Office-System-Knoten die Funktion einer Zwischenablage übernehmen. Weitere Funktionen sind unter anderem eine Prioritätenregelung, Empfangsbestätigung und Verteilerlisten.

- Der Anwendungsdienst stellt zusätzliche Funktionen zur Bearbeitung von Dokumenten zur Verfügung.

Die Architekturen im Vergleich

ODA/ODIF auf der einen und DCA auf der anderen Seite sind beides Dokumentenarchitekturen. Es wurde bereits aufgezeigt, daß DCA funktional eine sehr beschränkte und inkompatible Untermenge von ODA/ODIF darstellt. Die Hauptunterschiede sind in folgender Tabelle noch einmal festgehalten.

DIA und X.400 überlappen sich teilweise in ihrer Funktionalität. So bildet der Dokumentenverteilungsdienst von DIA quasi eine Untermenge der X.400-Funktionalität. Andererseits haben die anderen DIA-Dienste keine Entsprechung in X.400 oder in anderen internationalen Standards. X.400 erfordert internationale Standardprotokolle auf unteren Ebenen, während DIA Bestandteil von SNA ist.

Nur wenige Hersteller mit beiden Strategien

Viele der Computerhersteller stehen heute vor der schwierigen Entscheidung, ob sie in ihren Produkten eine Kompatibilität zu den IBM-Standards oder zu den internationalen Standards anbieten sollen. Nur wenige Hersteller können es sich erlauben, beide Strategien zu verfolgen.

Diejenigen, die heute eine Entscheidung fällen müssen, tendieren eher in Richtung IBM. Dies liegt nicht nur an der Marktstellung von IBM, sondern auch daran, daß DCA leichter zu implementieren ist und eine Reihe von Softwareherstellern in ihren Produkten bereits DCA/ DIA-Kompatibilität anbieten. Dies ist allerdings meistens auf DCA und dort auf Final-Form beschränkt.

ODA-Editoren sind zur Zeit noch Gegenstand von Forschungsprojekten /HOR84/. Erst wenn die ersten Produkte verfügbar sind, wird man beurteilen können, ob und in welcher Form sich ODA durchsetzen wird.

Inkompatibler Zoo hoher Funktionalität

Für einen Anwender, der sich heute entscheiden muß, ist zumindest DCA ein attraktiver Kandidat. Es ist immer besser, einen einheitlichen, wenn auch in der Funktionalität beschränkten, Dokumentenstandard in einer Umgebung heterogener Hard- und Software einzusetzen, als sich einen inkompatiblen Zoo von hoher Funktionalität zu leisten.

Da bereits viele Hersteller X.400-Produkte anbieten, ist hier die bezüglich ODA empfohlene Zurückhaltung nicht angebracht. Mittelfristig sollte der Anwender den Markt von ODA-Produkten aufmerksam verfolgen. Es besteht eine berechtigte Chance, daß diese Produkte die erhoffte Funktionalität bieten werden.

Obwohl ODA/ODIF/X.400 und DCA/DIA die gleiche Aufgabe, nämlich die Vereinheitlichung der Dokumentenbehandlung, zum Ziel haben, stehen sie sich zur Zeit noch wie Feinde, gegenüber. Allerdings hat sich IBM intensiv an der Festlegung von ODA/ODIF beteiligt. Es ist daher zu hoffen, daß sich die nächste Version von DCA/DIA einen großen Schritt in Richtung ODA/ODIF/ X.400-Kompatibilität hinbewegt.