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23.05.1975 - 

Nach französischem Alleingang viele offene Fragen

Fusion CII-HB soll Unidata nicht gefährden

PARIS/MÜNCHEN - Die seit vielen Monaten umhergehenden Gerüchte über eine Fusion der Compagnie Internationale pour l'Informatique (CII) mit der Compagnie Honeywell Bull haben sich bestätigt. Die französische Regierung verabschiedete einen Plan zur Neugruppierung der nationalen Computerindustrie, der bei den Unidata-Partnern auf kühle Ablehnung stieß. Gemäß der in der Computerwoche bereits vorgestellten Strategie (CW vom 2. 5. 75, Unidata ohne CII?) wird die Honeywell Information Systems, DV-Gruppe der Honeywell Inc., 19 Prozent ihrer Anteile an der Compagnie Honeywell Bull - die sie zuvor zu 66 Prozent kontrollierte - gegen bare 60 Millionen Dollar an den französischen Staat und an den CII-Aktionär Compagnie Générale d' Electricité verkaufen, die damit eine Sperrminorität mit Vetorecht bei der nunmehr zu 53 Prozent in französischen Händen befindlichen CHB erhalten. Die CII - ihr gesamtes Vermögen wird offenbar mit dem Wert Null in die Fusionsbilanz eingebracht - wird sodann mit der CHB verschmolzen zu einer Firma namens Internationale Gesellschaft für Datenverarbeitung "CII Honeywell Bull".

Staatliche Förderung

Diese Gesellschaft wird für vier Jahre degressive Subventionen in Gesamthöhe von 1,2 Milliarden Francs zugesichert, zudem werden dem Unternehmen für den gleichen Zeitraum 3,7 Milliarden Mark öffentliche Aufträge garantiert. Der neue Konzern, laut Industrieminister Michel d'Ornano "die erste europäische Gruppe für Informatik" wird 18 000 Mitarbeiter haben, bei einem Jahresumsatz von rund 3,5 Milliarden Franc. (Marktanteil in Frankreich: 32 Prozent, in der BRD etwa sieben Prozent). Allerdings, die CII-Fabrik in Toulouse und das CII-Minicomputer- und -Militär-Geschäft werden nicht in die Fusion eingebracht, sondern verbleiben selbständig beim ausgeschiedenen CII-Aktionär Thomson-Gruppe, der ebenso wie das CII-Management gegen die franco-amerikanischen Pläne opponierte und eine Stärkung der Unidata-Gruppe vorgezogen hätte. CII-Chef Michel Barré trat aus Protest von seinem Posten als President Directeur Général zurück.

Was wird aus der Unidata?

In der französischen Regierungserklärung klingen stark nationalistische Töne an. Dennoch heißt es: "Die neu gegründete Gesellschaft wird die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit mit europäischen Firmen des Datenverarbeitungsbereiches prüfen, insbesondere mit den Partnern der CII in der Unidata, um so einen Beitrag zur Stärkung der europäischen Datenverarbeitungsindustrie zu leisten." Das Bundesministerium für Forschung und Technologie erklärte ausgesprochen reserviert: "Bei den nunmehr beschlossenen Maßnahmen handelt es sich um eine rein französische Entscheidung." Dann allerdings etwas verbindlicher, aber sachlich korrekt: "Die deutsche Regierung begrüßt es, daß die französische Seite angekündigt hat, daß sie ihren Verpflichtungen gegenüber den Unidata-Partnern nachkommen werde."

Kein Pardon für Honeywell Bull

Auch Philips und Siemens betonen in ihren Stellungnahmen die Verpflichtungen der CII gegenüber ihren Unidata-Partnern. "Damit kann die erfolgreiche Produktpolitik der Unidata, die bisher zu Aufträgen über 1500 Anlagen der neu angekündigten Unidata-Modelle geführt hat, unverändert fortgesetzt werden." Beide Firmen versichern, daß sie mit den Unidata-Produkten nach wie vor gegen Honeywell Bull konkurrieren wollen. Man rechnet offenbar fest damit, daß CII die in der Toulouse-Fabrik in Entwicklung befindlichen Großrechner der 7000-Serie (X 5 und X 6) den Partnern termingerecht liefern wird.

Es gibt noch Univac und ICL

In einem Gespräch mit der Computerwoche betonte Sperry Univac General Manager für die Bundesrepublik Franz C. Grohs, daß die Fragen internationaler Zusammenarbeit in der Branche durch Frankreichs Alleingang erneut völlig offen sind und verwies darauf, daß Univac seit langem ein Interesse daran bekundet, mit europäischen Partnern zu kooperieren. Das britische Fachblatt "Computer Weekly" betonte sogleich, daß Siemens größte Unidata-Maschine heimischer Produktion, die 7750, in der Größe nur der IBM 370/145 entspricht. Jetzt - nachdem auch das Telefunken-Projekt TR 540 eingestellt wurde - wären die ICL-Großrechner 2970 und 2980 eine attraktive Ergänzung der vorhandenen Unidata-Produktpalette. Das Fusions-Karussell ist erneut am Rotieren.