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19.02.1988 - 

Nachtrag zum Thema der Woche in COMPUTERWOCHE Nr. 6 vom 5. Februar 1988:Im Überlebenskampf ist jedes Mittel recht:

Fusion oder Konfusion?

Nach Redaktionsschluß gingen von der MAI Deutschland GmbH, ICL Deutschland und der Bull AG noch Stellungnahmen zum Thema "Fusionen in der DV-Branche" ein (siehe CW Nr. 6 vom 5. Februar 1988, Seite 10). Konsequente Kooperation mit branchenerfahrenen Softwarepartnern ist der Trend, auf den MAI setzt, um konkurrenzfähig zu bleiben. Ebenso wichtig wie Fusionen der Hersteller sind der Bull AG "internationale Verflechtungen auf der Anwenderseite".

Fragen an die Hersteller:

1.: Haben DV-Unternehmen ohne Partner langfristig keine Chance mehr?

2.: Zeichnet sich für die Zukunft ein "Shake-out" in der Branche ab?

3.: Führt diese Tendenz nicht zu einem eingeschränkten Angebot für die Kunden?

4.: Welchen Nutzen beziehungsweise Nachteil hat der Kunde von Hersteller-Zusammenschlüssen?

5.: Haben zwei Unternehmen, die ihr Produktspektrum gemeinsam anbieten, größere Chancen gegenüber der Konkurrenz?

6.: Ist in Ihrem Unternehmen eine Zusammenarbeit mit anderen Herstellern geplant?

MAI Computer GmbH,

Frankfurt am Main

Zu 1.: Für DV-Hersteller, die nicht zu den "ganz Großen" im Markt gehören, bietet sich die Kooperation mit leistungsfähigen Partnern geradezu an. Denn die Anforderungen des Anwenders haben sich geändert. Die Zeit, in der die Hardware im Vordergrund stand, ist vorbei. Gefragt sind komplette Lösungen, zugeschnitten auf die individuellen Bedürfnisse des Anwenders.

MAI hat diesen Trend schon frühzeitig erkannt und sich zum Anbieter branchenorientierter Lösungen entwickelt. Dazu gehört von Anfang an eine konsequente Kooperation mit branchenerfahrenen Softwarepartnern. Diese Strategie hat MAI im Herbst des vergangenen Jahres durch die Übernahme von fünf Softwarehäusern verstärkt.

Zu 2./3.: Die Fusionswelle ist sicher noch nicht abgeschlossen. Im Gegenteil: Sie wird sich verstärken, womit sich der Druck auf die kleineren DV-Anbieter erhöht. Dennoch glauben wir nicht, daß nur noch die Großen überleben werden. Wichtig ist für die Kleineren, daß sie sich als Spezialisten in ihren Marktsegmenten etablieren. Das bedeutet: Konzentration aller Kräfte auf exakt definierte Zielmärkte, für die Komplettlösungen aus einer Hand angeboten werden sowie Kundennähe, um die Hard- und Softwarelösungen zu realisieren die den tatsächlichen Bedürfnissen des Anwenders entsprechen. Außerdem erfordert es ein Angebot von Spitzenleistungen in Hard- und Software, aber auch bei den Serviceleistungen. Durch mehr Kreativität und Flexibilität können kleinere DV-Anbieter einiges von dem aufwiegen was, die Großen durch Marktmacht erreichen.

Zu 4./5.: Zusammenschlüsse von Herstellern führen - das hat die Vergangenheit bewiesen - keineswegs zu einer Addition von Marktanteilen beziehungsweise der Effizienz im Markt. Schon gar nicht, wenn größere Überschneidungen im Produktangebot der fusionierenden Unternehmen entstehen. Hinzu kommen einschneidende organisatorische Veränderungen, die zunächst einmal "Sand ins Getriebe" bringen und die Schlagkraft des Unternehmens verringern können.

Der Kunde ist vielfach zunächst einmal verunsichert, weil er nicht weiß, welche konkreten Auswirkungen die Fusion für ihn als Anwender hat. Ob mittelfristig der Kunde Nutzen aus der Fusion zieht, etwa durch Synergie-Effekte in Forschung und Entwicklung, Marketing und Vertrieb, Kundenschulung und sonstige Dienstleistungen, oder durch Erweiterung der Produktpalette, hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab so daß eine eindeutige Antwort nicht gegeben werden kann. Entsprechendes gilt bezüglich der Chancen der fusionierenden Unternehmen gegenüber der Konkurrenz.

Zu 6.: MAI wird immer dann die Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen suchen, wenn entsprechende Synergie-Effekte realisierbar sind. Etwa in der Grundlagenforschung, im Bereich der Peripherie in der Entwicklung branchenorientierter Softwarelösungen oder branchenübergreifender Pakete, beispielsweise für die integrierte Bürokommunikation. Dabei gibt es viele Möglichkeiten und Abstufungen einer Zusammenarbeit, die vom Projektgeschäft über eine vertragliche Bindung bis hin zur Übernahme reichen kann. Eine Fusion mit einem anderen DV-Hersteller steht bei MAI nicht an.

ICL Deutschland GmbH

Nürnberg

Die Meldungen über Firmenaufkäufe, Kooperationen und Firmenverbindungen verstellen die Sicht auf das Thema: Im Kampf der Dinosaurier überlebte nicht der Tyrannosaurus Rex, sondern das Säugetier.

Die DV-Branche wandelt sich und paßt sich den vom Markt gegebenen Entwicklungstrends an, wie das jede technologisch bestimmte Branche in ihrer Entwicklungsphase hinter sich gebracht hat.

Der Shake-out, das Verschwinden von Namen zu Gunsten neuer Kombinationen und neuer Namen ist unbezweifelbar im Gange. Doch nicht so, daß nur einige Große überleben werden: Manche Große werden überleben, manche nicht. Viele kleine Unternehmen werden verschwinden, wenige mittlere und kleine werden ganz groß. Eine große Anzahl wird fusionieren und damit in eine größere Einheit eingehen.

Diese Entwicklung führt zu einer neuen Marktform: Statt Monopolisten in einem eingeschränkten Markt in jedem Bereich steht der Käufer nun einem oligopolistischen Markt in jedem Bereich gegenüber. Das heißt: Statt Abhängigkeit von einem Hersteller freie Wahl unter einer eingeschränkten Zahl von Herstellern.

Dieser Trend auf dem Markt funktioniert, solange Hersteller Kombinationen anstreben, die unterschiedlichste Skills kombinieren: Damit wird durch Fokussierung der Aktivitäten und Eliminierung von Doppelarbeit das Angebot für den Kunden technologisch besser, als dies einem einzelnen Anbieter möglich wäre.

Ein gutes Beispiel für diese Entwicklung ist ICL: Der Zusammenschluß von ICL und STC schuf eine neue Gruppe im Bereich Informationstechnologie aus den Komponenten Datenverarbeitung und Kommunikation Dies hat neue Angebote ermöglicht wie Citynet - die Verkabelung des Londoner Finanzzentrums mit Glasfaserverbindungen (STC) und Computeranlagen als Schaltzentralen (ICL). Aktuelle Entwicklungen werden sich auch weiterhin vollziehen - zum Nutzen der Menschen durch bessere Angebote und schnellere technologische Entwicklung.

Bull AG

Köln

Zu 1.: Die Frage nach den langfristigen Chancen, die DV-Unternehmen ohne Partner haben, kann nicht pauschal beantwortet werden. Sicher ist jedoch, daß die immer komplexeren Lösungen integrierter Informationsverarbeitung ein sehr umfassendes und vielschichtiges Know-how erfordern, was die Bildung von Partnerschaften aus naheliegenden Gründen begünstigt.

Zu 2.: Immer mehr Anwender erwarten von ihren Lieferanten ein umfassendes Angebot in Hardware, Software, Beratung und Service. Dieser Forderung können nur leistungsstarke EDV-Anbieter entsprechen die über ein großes Lösungs-Know-how, technisch hochstehende Produkte und anerkannte Dienstleistungs-Ressourcen verfügen. Umgekehrt werden die "Nischen" dieser Branche vielleicht zahlreicher, aber mit Sicherheit auch immer kleiner.

Zu 3.: Dies darf nicht passieren. Welcher Anwender will sich schon in die Abhängigkeit eines einzelnen Herstellers begeben?

Deshalb sind auch die Fortschritte bei der Standardisierung und Normierung so wichtig. Sie erhalten den Kunden ihre Wahlfreiheit unter verschiedenen Angeboten.

Zu 4.: Nicht jeder Hersteller-Zusammenschluß macht die Vorteile für Kunden klar erkennbar. Dies gilt vor allem dort, wo es zum Beispiel schon bei der Hardware-Kompatibilität deutliche Schwächen gibt. Wenn jedoch - wie dies zum Beispiel bei Bull, Honeywell und NEC der Fall ist - eine Kooperation auf der Basis einer gemeinsamen Produktplattform erfolgt und darüber hinaus die Aktivitäten in Forschung und Entwicklung, Produktion und Vertrieb koordiniert werden, profitieren die Anwender bei Preis und Leistung von den Stärken, die sich aus den Gemeinsamkeiten und Synergien ergeben.

Zu 5: Wie das Beispiel Bull, Honeywell, NEC zeigt, versetzt die intensivierte Kooperation jeden der drei langjährigen Partner in die Lage, ein stärkerer Wettbewerber auf dem Weltmarkt zu sein. Für die Bull-Gruppe bedeutet die Kontrolle über die 1987 gegründete US-Gesellschaft Honeywell Bull Inc. unter anderem einen deutlichen Ausbau der Präsenz in Europa sowie einen verstärkten Zugang zum bedeutenden US-Markt. In diesem Zusammenhang sind auch die internationalen Verflechtungen auf der Anwenderseite ein wichtiger Faktor.

Zu 6.: Die Honeywell Inc. in Minneapolis ist das weltweit erste Beispiel für eine Computergesellschaft, an der sich partnerschaftlich ein amerikanischer (Honeywell), ein europäischer (Bull) und ein japanischer (NEC) Hersteller beteiligen. Auch auf dem Gebiet der Forschung ist BulI zusammen mit anderen DV-Herstellern aktiv. So haben beispielsweise Bull, ICL und Siemens in München mit dem ECRC (European Computer Research Center) ein gemeinsames DV-Forschungszentrum eingerichtet.