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14.12.2001 - 

Familien der Gründer Hewlett und Packard sowie Stiftungen legen Veto ein

Fusion von HP und Compaq rückt in weite Ferne

MÜNCHEN (jm) - Die geplanteFusion von HP und Compaq steht vor einer nahezu unüberwindlichen Hürde: Die Erben der Unternehmensgründer stimmen gegen den Deal - und mit ihnen möglicherweise die Mehrheit der Aktionäre.

Susan Packard Orr, Chairman der David and Lucile Packard Foundation, gab bekannt, dass die Stiftung die Fusion ablehnt. Damit hat der Eigner des mit 10,4 Prozent größten HP-Aktienanteils sein Veto gegen den Firmenzusammenschluss eingelegt. Dieser wird jetzt immer unwahrscheinlicher.

Neben der David and Lucile Packard Foundation hatten sich bereits die Söhne der Firmengründer, Walter Hewlett sowie David Packard, gegen die geplante Fusion ausgesprochen.

Hewlett äußerte seine Bedenken im Namen seiner gesamten Familie sowie zweier Stiftungen (William Hewlett Revocable Trust, William and Flora Hewlett Foundation), die zusammen mehr als 100 Millionen oder rund fünf Prozent der HP-Aktien halten. Der Merger mit Compaq setze HP verstärkt dem "brutalen, niedrigmargigen PC-Geschäft" aus und werte gleichzeitig das lukrative Druckergeschäft ab, begründete Hewlett seine Ablehnung. Die Revocable-Trust-Stiftung hatte die Fusionsoptionen durch die Unternehmensberater von Friedman Fleischer & Lowe and Parthenon Group prüfen lassen.

Anfang September hatte Hewlett dem Geschäft etwas wider-willig zugestimmt. Seinen Sinneswandel begründete er nun mit der schwierigen Wirtschaftslage, Compaqs düsteren Prognosen sowie der Komplexität der anstehenden Integration.

Der 61-jährige David Packard, der sich 1999 aus der Chefetage von HP verabschiedet hatte, schloss sich der Sicht von Walter Hewlett an. Auch das Packard Humanities Institute, das 25 Millionen Aktien besitzt, stimmt gegen die Fusion mit Compaq.

Die Entscheidung der David and Lucile Packard Foundation ist laut offizieller Pressemitteilung nur "vorläufig". Die Sprache von Susan Packard Orr ist indes eindeutig: "Der Stiftungsrat versteht zwar die strategischen Absichten der Konzernspitze. Er ist aber nach eingehender Untersuchung zu dem Schluss gekommen, dass es im besten Interesse der Stiftung wäre, wenn Hewlett-Packard die vorgeschlagene Transaktion nicht weiterverfolgt", schreibt Orr. Die Stiftung hatte den fachmännischen Rat der Beraterfirma Booz-Allen & Hamilton eingeholt.

Obwohl die HP-Nachfahren insgesamt nur 18 Prozent der Aktionärsstimmen auf sich vereinen, halten externe Beobachter die Fusion bereits für gescheitert. "Das dürfte fatal sein", sagte etwa Tony Sacconaghi von Sanford Bernstein. Aber auch Compaq-intern beurteilt man die Sachlage ähnlich. Zwar darf niemand in Deutschland eine offizielle Stellungnahme abgeben. Gegenüber der COMPUTERWOCHE äußerten aber Mitarbeiter, man ziele nicht sehr weit daneben, wenn man die Entscheidung der Packard-Stiftung gegen die Fusion als entscheidenen Schlag gegen den Zusammenschluss bezeichne.

Die offizielle Stellungnahme von Compaqs Vorsitzendem der Geschäftsführung, Peter Mark Droste, geriet eher kryptisch und richtete sich stark an den Vorgaben aus den USA aus: "Beide Unternehmen bekräftigen, dass sie das Vertrauen der Anleger in die angekündigte Fusion gewinnen wollen."

Wackelig ist nun auch die Position von HP-Chefin Carleton "Carly" Fiorina geworden. Sie steht seit längerem in der öffentlichen Kritik, weil ihr der geplante Kauf des Beratungsunternehmens Pricewaterhouse-Coopers misslang, sie mehrere Fehleinschätzungen über die Entwicklung der Industrie abgab und HP ein Quartal nach dem anderen mit roten Zahlen abschloss und massiv Mitarbeiter entlassen muss - früher ein absolutes Tabu. Scheitert die Fusion, kann das nach allem Ermessen nur heißen, dass Fiorina als Unternehmenslenkerin nicht mehr zu halten ist.

Auch Compaq-CEO Michael Capellas steht mit dem Rücken zur Wand und braucht einen spektakulären Erfolg. Er ist nach Angaben vieler Insider in seinem Unternehmen umstritten. Fällt die Fusion aus, dürfte er ebenfalls fallen.

Eine entscheidende Rolle spielt nun die Beratungsfirma Institutional Shareholder Services (ISS). Sie berät rund 700 große Fonds-Manager, hat aber bislang noch nicht Stellung zur Fusion genommen. Eine endgültige Empfehlung wird ISS vermutlich Anfang kommenden Jahres veröffentlichen. Die Papiere von HP sind zu 57 Prozent im Besitz institutioneller Anleger. Weitere 25 Prozent befinden sich in Streubesitz, und weniger als ein Prozent gehört Managern und anderen Insidern.

Unklar ist, wann die entscheidenden Aktionärsversammlungen von HP und Compaq stattfinden. Ursprünglich für Februar geplant, könnten sie Gerüchten zufolge wegen zusätzlicher Anfragen der US-Kartellbehörde auf Ende März verschoben werden.