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19.01.1990 - 

Selbst Siemens-Ausstieg aus dem DV-Markt im Bereich des Möglichen

Fusion zwischen Siemens und Nixdorf wirft viele Fragen auf

MÜNCHEN (de) -"Ein europäischer DV-Riese entsteht" - so die Botschaft: Mit einem PR-Feldzug wollen die Fusionspartner Siemens und Nixdorf die Folgen der seit Monaten anhaltenden Demontage des Paderborner MDT-Anbieters bekämpfen.

Die Öffentlichkeitsarbeiter der beiden Unternehmen können auch bereits erste Erfolge verbuchen. Daß sich Siemens "mit Nixdorf an die Spitze" ("Der Spiegel") in Europa setzt, zieht sich wie ein roter Faden durch die Berichterstattung in der Tages- und Wirtschaftspresse (siehe auch Seite 4: "Deutsches Gespann muß auf dem DV-Weltmarkt bei Null anfangen"). Und auch bei vielen Beratern scheint die Irritation über die ungewisse Zukunft der Nixdorf Computer AG aufgelöst. "Geld ist jetzt genug da"', freut sich ein Nixdorf nahestehender Software-Entwickler "ängstliche Kunden werden jetzt sagen, die Firma kann nicht mehr pleite gehen."

Es sind aber auch skeptische Stimmen zu hören. Die Fusion zweier so unterschiedlicher Unternehmen werfe die Frage auf, von wem die Impulse für eine Neuorganisation kommen können (siehe auch Thema der Woche, Seite 7). Tenor: Hier übernimmt ja kein Großer einen Kleinen, nachdem die ungewöhnliche Konstruktion gewählt wurde, daß die Siemens AG ihren Geschäftsbereich Daten- und Informationstechnik (DI) in das Gemeinschaftsunternehmen einbringt.

Die Münchner und die Paderborner hoffen - nach vollzogenem Zusammenschluß - auf die positive Wirkung von Synergie-Effekten. Ob die Verschmelzung gelingt, ist freilich noch offen. Von einem günstigeren Klima bei den Anwendern würde nämlich nach Ansicht von Branchenkennern ohnehin nur der Siemens-Teil profitieren, da Nixdorfs 8870-Klientel ohne echte Upgrade-Perspektive sei. Kommentiert ein Geschäftspartner der Paderborner, der ungenannt bleiben möchte: "Nixdorf verschwindet."

Diese Gefahr wird in München durchaus gesehen, wenn auch vor einem gänzlich anderen Hintergrund: "Wir müssen aufpassen, daß die 8870-Basis nicht auseinanderbricht", beschreibt ein Siemens-Sprecher die neue Ausgangslage im Mittelstandsmarkt, von der sich der Telefonriese einen Umsatzzuwachs und eine Ausweitung des Kundenstamms verspricht.

Doch Kritiker der Münchner wittern hinter der Pressekampagne um die Absichtserklärung zur Zusammenlegung der DV-Teile (siehe untenstehender Kasten) ein Ablenkungsmanöver der Siemens-Konzernspitze: Die Einbringung der Daten und Informationstechnik (DI) in die Nixdorf Computer AG sei womöglich die letzte Chance, den wenig erfolgreichen DV-Bereich auf Trab zu bringen, wobei von Kaske und seinen Vorstandskollegen das Risiko in Kauf genommen werde, daß die "Rettet-Nixdorf-Mission" scheitert. Für den Nicht-nur-Computer-Konzern Siemens, so geben Freunde des Hauses zu bedenken, würde das Aus im DV-Geschäft, anders als bei dem Bürocomputer- und Datenerfassungsspezialisten Nixdorf, natürlich keineswegs das Ende aller einschlägigen Aktivitäten bedeuten. Wichtige Teile, so der Prozeßrechner-Bereich (Stichwort: CIM) und der PC-Vertrieb, verblieben bei der Konzernmutter. Und überdies hätten andere Elektro-Multis - etwa RCA, General Electric, Philips oder Honeywell - vorgemacht, wie man mit Anstand, wenn auch unter Tränen, aus der Sache herauskommt (siehe auch "Menetekel für Siemens/Nixdorf"). Auf längere Sicht scheine ein Ausstieg der Münchner aus dem Computergeschäft denn auch nicht mehr ausgeschlossen (siehe auch Kolumne, Seite 9). Für die Anwender ergeben sich eine Reihe von Fragen, denen sich Siemens stellen muß.

Siemens und Nixdorf vereinbaren Zusammenlegung ihrer Daten- und Informationstechnik

Die Siemens AG, Berlin und München, und die Nixdorf Computer AG, Paderborn, haben sich geeinigt, auf dem Gebiet der Daten- und Informationstechnik künftig zusammenzuarbeiten. Die geschäftlichen Schwerpunkte beider Unternehmen liegen auf diesem Gebiet bislang in unterschiedlichen Marktsegmenten und Regionen. Wegen der relativ geringen Überlappungen werden bei einem Zusammengehen gute Chancen gesehen, bedeutende Synergiepotentiale zu erschließen.

Siemens, die Nixdorf-nahen Stiftungen und die Familie Nixdorf haben vereinbart, daß die Siemens AG - vorbehaltlich der Zustimmung der hierfür zuständigen Gremien und Behörden - die Mehrheit der Stammaktien der Nixdorf Computer AG erwirbt; die Siemens AG wird ihren Bereich Daten- und Informationstechnik in die Nixdorf Computer AG einbringen.

Nixdorf wird die bereits eingeleiteten Maßnahmen zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens fortsetzen.

Das gemeinsame Unternehmen, das einen Umsatz von rund zwölf Milliarden Mark haben wird, soll den Namen Siemens/Nixdorf Informationssysteme AG führen.

Original-Pressenmitteilung der Siemens AG