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Kahn-Company macht herben Verlust im dritten Quartal


05.02.1993 - 

Fusionsgespraeche zwischen Lotus und Borland wieder ohne Ergebnis

Dass sich Kahn und Manzi nunmehr ein zweites Mal innerhalb von sechs Monaten trafen, ist insofern bemerkenswert, da beide regelrecht verfeindet sind. Erst unlaengst hat Lotus in einem Copyright-Streit gerichtlich ueber Borland gesiegt, zudem haben Kahn und Manzi laut "Wall Street Journal" ihre geschaeftlichen Differenzen schon haeufiger auf persoenlicher Ebene weitergefuehrt. Analysten sehen die Gespraeche somit als Indiz dafuer, dass Borland wie Lotus durch Marktfuehrer Microsoft und den Preiskrieg bei der PC-Software zunehmend unter Druck geraten.

Lotus nur an Paradox interessiert

Vorerst aber sind die beiden Topmanager in ihren Verhandlungen ueber eine moegliche Fusion nicht weitergekommen. Zwar unterhielten sich die Rivalen mehr als zwei Stunden lang, mit einem Ergebnis konnten sie aber nicht dienen. Dafuer jedoch liefern sich jetzt Unternehmenssprecher der beiden PC-Softwareschmieden unaufhoerliche Wortgefechte, will keine der beiden Firmen als die moeglicherweise schwaechere dastehen, die in einer Fusion die letzte Rettung sieht.

So sagen Lotus-Mitarbeiter, nach den gescheiterten Gespraechen vor sechs Monaten sei Kahn nun erneut mit Fusionsvorschlaegen an Manzi herangetreten. Borland-Vertreter widersprachen und sagten, Manzi habe sowohl vor einem halben Jahr als auch im Dezember den ersten Schritt getan. Wie das "Wall Street Journal" weiter schreibt, behaupten Sprecher des Tabellenkalkulations-Spezialisten aus Cambridge, Massachusetts, Kahn habe Manzi ein Angebot unterbreitet, Borland dem 1-2-3-Entwickler zum Uebernahmepreis von 37 Dollar pro Aktie zu verkaufen. Der derzeitige Wert der Borland- Aktie liegt bei 20 Dollar. Der Lotus-Chef aber habe abgewunken. Er sei nicht an dem gesamten Unternehmen interessiert, sondern nur an der Datenbanksoftware Paradox, mit der man endlich eine Luecke im Produktspektrum fuellen koennte.

Uebernahme steht nicht zur Debatte

Dagegen lautet die Borland-Version, Manzi habe Kahn gegenueber die Absicht geaeussert, das Spreadsheet-Geschaeft zu verkaufen, damit sich Lotus kuenftig auf das Wachstumsgeschaeft Netzwerk-Software konzentrieren koenne, in dem man bislang nur maessig vertreten sei. Einig sind sich Sprecher beider Unternehmen allerdings, dass keiner der beiden Kontrahenten den anderen uebernehmen wolle. So zitiert das "Wall Street Journal" einen Lotus-Sprecher: "Es ist absurd zu glauben, Manzi wolle die Kontrolle ueber Kahn haben - nach allem, was zwischen beiden vorgefallen ist." Ein Borland-Manager wollte da nicht nachstehen: "Wir haben absolut kein Interesse an einer Fusion mit Lotus."

Finanziell ist es aber um Borland International wesentlich schlechter bestellt als um Lotus. Mit einem Fehlbetrag von 61,3 Millionen Dollar (Vorjahresquartal: 7,5 Millionen Dollar Gewinn) fiel der Verlust bei den Kaliforniern wesentlich hoeher aus, als man zuvor erwartet hatte. Der Umsatz ging gegenueber dem vorjaehrigen Vergleichsabschnitt um neun Prozent auf 104,3 Millionen Dollar zurueck.

Schon im vergangenen Dezember hatte Philippe Kahn eine umfangreiche Restrukturierung des PC-Software-Makers aus Scotts Valley angekuendigt, die auch einen Personalabbau von 15 Prozent beziehungsweise 350 Mitarbeitern weltweit einschliesst.

Fuer die Rationalisierungsmassnahmen wurden im dritten Quartal Ruecklagen von 25 Millionen Dollar gebildet. In den ersten neun Monaten des laufenden Geschaeftsjahres kommen die Kalifornier damit auf einen Verlust von 54,3 Millionen Dollar. Im vergangenen Vergleichszeitraum hatte der Fehlbetrag noch 83,5 Millionen Dollar betragen.

Lotus Development hingegen konnte Anfang Dezember 1992 fuer das dritte Quartal einen Gewinn von rund 30,1 Millionen Dollar ausweisen und kommt damit fuer das erste Dreivierteljahr auf einen Profit von 65,8 Millionen Dollar. Der Umsatz ging im dritten Abschnitt zwar um sechs Prozent auf 206,7 Millionen Dollar zurueck, dafuer stieg er aber in den ersten neun Monaten gegenueber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum um 13 Prozent auf 654,1 Millionen Dollar.