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10.12.1976 - 

Mikroelektronik-Kongreß auf der "electronica 76"

Futurologie oder Science Fiction?

MÜNCHEN - Einen Versuch wagten die Veranstalter des "Kongresses für Mikroelektronik im Rahmen der electronica 76" am dritten und letzten Tagungstag - und das Experiment gelang: Nach gut zwei Dutzend Fachvorträgen Ó la "Nonvolatible Halbleiterspeicher" "Fibre Optics" "Analog-MOS-Bauteile" gab es im Kongreßsaal der Münchner Messe eine Abschnittssitzung mit Blick in die sehr ferne Zukunft. Indes, die rund 300 Zuhörer - überwiegend hochkarätige Elektronik-Ingenieure - murrten nicht, sondern applaudierten, als ihnen vier Referenten - schon begründet auf saubere Voraussicht - Spekulatives, Phantastisches und Futurologisches vortrugen. Da wurde die Zahl der Schaltfunktionen im menschlichen Gehirn mit der kommender Super-Computer verglichen, über die künstliche Intelligenz neuer Roboter-Generationen philosophiert und Zukunftsmusik erklang, die Computer aus Klang-Matrizen synthetisiert hatten.

Offenbar - und das ist die wichtigste Erkenntnis dieses Experiments sind Fachleute durchaus bereit, kostbare Zeit damit zu verbringen, sich aber soziologische und kulturelle Langfristwirkungen ihrer Techniken, über mögliche Konzepte und mögliche Gefahren, zu informieren. -m-

"Ein musikalisches Zukunftsmodell" hieß das Thema von Professor Werner Kaegi vom Institut für Sonologie der Universität Utrecht. An einem mathematischen Modell - das in Utrecht bereits in Ansätzen auf einer PDP 11 realisiert ist - stellte der holländische Computer-Komponist (wallendes Haar

Mozart in der Matrix

Ó la Karajan blendendes Deutsch mit Leichtem Akzent) dar, daß der zukünftige Komponist mittels Rechnerunterstützung mit einem erheblich erweiterten "musikalischen Universum" arbeiten könne. Variationen "eingelesener" Klänge könnten so vielseitig durchgespielt werden - in Abhängigkeit von in Matrizen gespeicherten Erwatungs-Hypothesen über zum Beispiel ein Repertoire von Instrumentalklängen - daß das Endziel die automatische Klanggenerierung der musikalischen Gedanken des Komponisten sein müsse.

Kaegi spielte seinen Zuhörern denn auch kurze Band-Passagen aus seinem Musik-Labor vor, die deutlich machten, daß die Merkmale seiner Klangbeschreibungs-Matrizen sich über unterschiedlichste Tonhöhen stufenlos variieren lassen. Da sich zum Beispiel typische Mozartsche Stilmittel dieser Klangmatrix zuordnen lassen, deutete Kaegi in der Diskussion an, daß eventuell in Zukunft auch ein Computer-System die Unvollendete Schubert-adäquat werde abschließen können. -m-