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18.12.1981 - 

IW fordert: Facharbeiter mit Systemkenntnis ausstatten

"Galgenfrist" für angelernte Arbeitnehmer

KÖLN (nw) - In welchem Maß der verstärkte Einsatz von Mikroelektronik auf die Arbeitsmarktbilanz der achtziger Jahre durchschlagen wird, ist, wie das Kölner Institut der deutschen Wirtschaft (IW) feststellt, heute noch nicht abzusehen. Bislang jedenfalls haben weniger qualifizierte Arbeitnehmer durch den Anwendungsstau bei der neuen Technik noch eine Galgenfrist.

Zu den vielfach gefürchteten Massenfreisetzungen ist es also noch nicht gekommen. Zu verdanken ist dies IW zufolge, daß bei der Einführung der neuen Technik beträchtliche Vollzugsdefizite bestehen: Sowohl Hersteller als auch Anwender meldeten trotz "erheblicher" Kosten- und Ertragsvorteile nur den schleppenden Bau und Einsatz mikroelektronisch gesteuerter Maschinen. So lassen sich einer Umfrage des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) vom Jahre 1980 zufolge zwar rund 70 Prozent aller Produktgruppen im Maschinenbau mit mikroelektronischen Bauteilen ausstatten. Bislang indes fertigten und vertrieben aber erst zwölf Prozent der Hersteller-Firmen im Maschinenbau Produkte mit Mikroelektronik-Anteilen. Immerhin befinden sich aber laut VDI-Umfrage bereits 56 Prozent der Betriebe in der Informations- und Planungsphase und 25 Prozent in der Entwicklungs- und Erprobungsphase.

Einen der Gründe für den Anwendungsstau sehen die Kölner Wirtschaftsforscher in dem Mangel an Mikroelektronik-Spezialisten. Denn rund 25 Prozent der Unternehmen suchten geeignetes Fachpersonal.

Wie groß der Bedarf an Spezialisten sei, mache ein Beispiel aus einem Großunternehmen - SEL - deutlich: Der Anteil der Ingenieure an der Belegschaft dieses Unternehmens sei seit der Einführung mikroelektronischer Fertigungselemente von zwei auf 30 Prozent geklettert. Im Gegenzug habe man den Facharbeiterbestand kräftig abgebaut. So habe allein in der Fertigung von Fernsprech-Nebenstellenanlagen der Anteil der Facharbeiterberufe von 82 auf 35 Prozent abgenommen. Allgemein sei der Rückgang genug qualifizierter Beschäftigung bei den Anwendern elektronisch gesteuerter Maschinen und Geräte in der Produktion absehbar.

Dieser innerbetriebliche qualifikatorische Anforderungswandel ist IW zufolge keineswegs eine Einzelerscheinung. Wegen der wachsenden Bedeutung mikroelektronisch gesteuerter Schaltstell- und Meßvorgänge verliere das erlernte "mechanische" Know-how des klassischen Facharbeiters an Gewicht. Parallel dazu gewinnen typisch "elektronische" Kenntnisse und Fertigkeiten wie die Programmierung von Montageautomaten an Bedeutung. Diese im Sinne bisheriger Facharbeiter-Qualifikationen "neuen" Anforderungen müßten heute bezeichnenderweise vielfach von Technikern oder Ingenieuren erbracht werden.

"Elektronische" Kenntnisse statt "mechanische"

Für die Zukunft prognostiziert das Kölner Institut daher einen weiter steigenden Bedarf an Datenverarbeitungsfachleuten, Ingenieuren, Technikern und Elektronikern. So rechne die Dorsch Consult bis 1985 bundesweit mit einem Zusatzbedarf von rund 20 000 bis 30 000 Programmierern.

Wegen des bislang noch herrschenden Fachkräftemangels helfen sich laut IW nun vor allem große Unternehmen zunehmend durch eigene Weiterbildungsmaßnahmen und Umschulungsprogramme. Mittelfristig aber wird, so glaubt das Institut, die Einführung elektronisch gesteuerter Fertigungssysteme eine Neuorientierung der Erstausbildung von Facharbeitern zur Folge haben müssen. Kernpunkt einer Nivellierung der Ausbildungsordnungen, die allerdings erst ab 1984/85 geplant sei, müsse daher sein, die Facharbeiter auch mit Systemkenntnissen in der neuen Technik auszustatten.