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02.08.2002 - 

IT im Handel/Standardisierte IT zur individuellen Käuferpflege

Ganz dicht am Kunden handeln

Hohe Umsatzeinbußen belasten den deutschen Einzelhandel. Prognose: stagnierend. Gefragt sind Lösungen, die Prozesse verbessern, Kosten senken und Erträge steigern. Während der Kunde individuell angesprochen werden will, liegt der Schlüssel zum Erfolg im Handel in der Standardisierung der IT. Zentraler Punkt, an dem Ware, Kunde, Geld und IT zusammentreffen, ist die Kasse. Von Wolfgang Keller*

Geringe Margen und starker Wettbewerb kennzeichnen die Situation des Einzelhandels. Ob beim Hersteller, beim Zulieferer oder beim Kunden, ob in der Zentrale, im Lager oder in der Filiale - der Einsatz von IT ist zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor im Einzelhandel geworden. Eine zentrale Anforderung an IT-Systeme im Retail-Bereich ist daher die lücken- und reibungslose Integration aller Systeme entlang der gesamten Supply Chain. Der Weg dorthin führt über die konsequente Einhaltung von anerkannten Normen und den Verzicht auf proprietäre Lösungen. Gefragt ist Betriebssystem-unabhängige Software, die auf Standards wie JPOS, XML oder SQL setzt und auch in heterogenen Systemwelten einsetzbar ist.

Vom Produzenten bis in das Regal des Einzelhändlers verläuft eine lange IT-gestützte Prozesskette. Ein zentrales Element dieser Kette ist das Kassensystem. Denn die Kasse ist der Punkt, an dem Ware, Kunde und Geld zusammentreffen. Am Point of Sale (POS) entstehen wertvolle Daten, die für die Organisation der gesamten Supply Chain von hoher Bedeutung sind. Qualität, Präzision und Verfügbarkeit dieser Daten sind maßgebend für alle weiteren Prozessschritte. Im Gegensatz zu früher managen heute die Kassensysteme geschäftskritische Prozesse. Klemmte bei der alten Registrierkasse die Mechanik, wurde mit dem Bleistift gerechnet und das Geld in der Zigarrenkiste verwahrt. Fallen heute in einem Supermarkt oder Kaufhaus die Kassensysteme aus, sind im schlimmsten Fall die Lieferkette gestört, die Bezahlung nicht mehr möglich und die Kunden verärgert.

Kassensysteme müssen also nicht nur die traditionelle Funktion des Kassierens erfüllen, sondern die gesamten Geschäftsvorgänge in der Filiale abbilden, beherrschen und dabei mit den anderen Systemen in der Prozesskette - wie der Warenwirtschaft - kommunizieren können. Von besonderer Bedeutung sind dabei die Versorgung und der Abgleich aller Stammdaten von den zentralen Systemen sowie die Lieferung aller Bewegungsdaten in die Zentrale. So müssen neue Artikelnummern, Preisänderungen oder Rabattaktionen jedem System unverzüglich zur Verfügung gestellt werden können. Denn aus diesen Daten werden in Echtzeit wichtige Informationen für das Management generiert. Die Qualität dieser Informationen ist dabei sehr stark von der verwendeten Lösung am POS abhängig. Je besser und flexibler die Analyse- und Auswertungs-Tools von den Hintergrundsystemen unterstützt werden, umso größer sind die Wettbewerbsvorteile für die Einzelhändler.

Noch Kassen mit 286er Prozessoren

In kaum einer anderen Branche werden wohl Investitionen so lange und gründlich vorbereitet wie im Einzelhandel. Die Investitionszeiträume liegen in der am härtesten umkämpften Branche in der Regel zwischen fünf und zehn Jahren, manchmal sogar noch darüber. Diese langfristige Planung wirkt sich auch auf den Einsatz von IT im Retail-Bereich aus. Und während in den Hightech-Labors superschnelle Prozessoren und Speicherbausteine entwickelt werden, arbeiten in Supermärkten und Kaufhäusern mancherorts noch Kassen mit DOS-Programmen auf 286er Prozessoren und Speicherressourcen im Kilobyte-Format. Denn die seit Jahren rückläufigen Umsätze haben die Investitionsbereitschaft der Einzelhändler arg gedämpft - ein Trend, mit dem alle Lieferanten zu kämpfen haben.

Die langen Investitionszeiträume erfordern also in erster Linie sehr anpassungsfähige Softwarelösungen, die über offene Schnittstellen verfügen und so konzipiert sind, dass sie gleich mehrere technische Entwicklungssprünge mitgehen können. Denn ebenso schnell, wie sich die Geschäftsprozesse ändern, sind Anpassungen der Software notwendig. Die teamorientierten Programmiersprachen Java und .NET ermöglichen eine kostenorientierte Entwicklung von robusten Applikationen und produktives Arbeiten. Für Java-Applikationen spricht vor allem die Betriebssystem-Unabhängigkeit, die es den Einzelhändlern ermöglicht, unterschiedliche Systeme einzusetzen und auf günstige Linux-Komponenten zurückzugreifen.

Multilingualer Dolmetscher

Den Einsatz von moderner IT im Handel bremsen aber häufig noch zahlreiche Medienbrüche. Denn über lange Zeiträume gewachsene Lösungen setzen sich oft aus einer Vielzahl von Einzellösungen zusammen, die selten problemlos miteinander kommunizieren. Wichtige Komponenten wie Kasse, Warenwirtschaft oder Finanzbuchhaltung benutzen dabei im ungünstigsten Fall jeweils eigene proprietäre Datenformate. Die Integration der diversen Programmwelten erfolgt häufig auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner, Konvertierungs- und Datenübertragungsprozesse bremsen einen schnellen Datenfluss. Um unterschiedliche Applikationen oder Programmmodule reibungslos und zeitnah verbinden zu können, sind jedoch einheitliche Standards und Normen notwendig.

Die Kunst der Standardisierung

Die internationale Association für Retail Technology Standards (Arts) hat schon vor Jahren ein umfangreiches Datenmodell entwickelt, das die Geschäftsprozesse auf Filialebene fast nahtlos abbildet. Lösungen, die darauf basieren, sind also auf fast alle denkbaren Geschäftsprozesse vorbereitet. Der große Vorteil dieses Datenmodells besteht darin, dass unterschiedliche Anwendungen - von der Kasse über die Filialwarenwirtschaft bis hin zur Finanzbuchhaltung und Personaleinsatzplanung - ihre Daten in einer gemeinsamen Datenbank schreiben, austauschen und nutzen. Zusätzlich zu den klassischen Filialanwendungen gestattet das Datenmodell auch die direkte Anbindung von neuen Applikationen für Analyse, Prognose, Revision oder Ad-hoc-Reporting.

Diese Bereiche gewinnen zunehmend an Bedeutung, da hier erhebliches Potenzial zur Ergebnisverbesserung liegt. Mit Arts steht eine gemeinsame Sprache zur Verfügung, zeit- und kostenintensive Dolmetscher zwischen den einzelnen Applikationen sind nicht mehr nötig. Der Einsatz des komplexen Datenmodells auf der Filialebene wird dadurch möglich, dass inzwischen bezahlbare Hardware und Datenbanken zu Verfügung stehen, die früher nur in den Zentralen eingesetzt werden konnten. Das gut dokumentierte Arts-Datenmodell ist hersteller- und plattformunabhängig sowie frei zugänglich und funktioniert auch in heterogenen Systemlandschaften. Es ist E-Commerce-tauglich, da in diesem Bereich letztendlich die gleichen Geschäftsprozesse wie in einer Filiale ablaufen.

Eine intelligente IT ist die Basis für das erfolgreiche Agieren der Einzelhändler. Die Grundfunktionen der Kasse sowie Scanning oder Kartenakzeptanz allein stellen heutzutage jedoch keinen Wettbewerbsvorteil mehr dar. Gewinne im Einzelhandel verstecken sich oftmals in der Optimierung von Prozessen und der Reduzierung interner Kosten. Dazu gehört auch das effektive Zusammenspiel aller Applikationen auf der Filialebene. Vor allem die nahtlose Integration von Kassensystem und Filialwarenwirtschaft ermöglicht verbesserte Prozessabläufe. Anforderungen an die Warenwirtschaft sind dabei ein offenes Datenmodell, Modularität und Unabhängigkeit von Clients und Betriebssystemen. State of the Art ist der Einsatz von Browser- und Web-Technologien.

Noch größere Gewinnpotenziale liegen im kreativen und flexiblen Umgang mit den Kunden. Sie vergleichen vor allem Preise, Service und Qualität und scheren sich nicht um die Kosten für Einkauf, Transport und Lagerung. Nachhaltige Wettbewerbsvorteile sind daher mit flexiblen und kreativen Angeboten zu erzielen. Hier ermöglicht der Wegfall des Rabattgesetzes im Sommer vergangenen Jahres dem Einzelhandel, den Kunden mit neuen Werbeformen anzusprechen.

Moderne Kundenbindungsinstrumente wie Mix-und-Match-Aktionen, Couponing und Loyality-Systeme bergen ein bisher nicht bekanntes Potenzial zur Steigerung des Umsatzes in sich. Die IT-Lösungen haben hier die Aufgabe, Rabattsysteme schnell und unkompliziert umzusetzen. Zur Vorbereitung und Auswertung von Aktionen kann der Handel auch effektive Data-Mining-Tools nutzen, die ohne lange Einführungszeiten und spezielle Statistikkenntnisse sofort und in jeder Filiale einsetzbar sind.

Anpassungsfähige Lösungen erforderlich

Ob Rabatte gewährt, Bonuspunkte vergeben oder Coupons akzeptiert werden - die Kassensysteme müssen damit umgehen und die anfallenden Daten sofort und ohne Medienbrüche verarbeiten können. Die hohe Dynamik bei der Ausbildung neuer Geschäftsprozesse und die fortschreitende Flexibilisierung der Aktionsmöglichkeiten erfordern daher den Einsatz von offenen, anpassungsfähigen Lösungen auf der Basis von international akzeptierten Standards. (bi)

*Wolfgang Keller ist Technical Consultant bei der Logware Informationssysteme GmbH in Berlin.

Investitionsbereitschaft im Handel

Eine Untersuchung des Kölner Eurohandelsinstituts vom Januar 2002 geht davon aus, dass in Deutschland rund ein Prozent des Einzelhandels-Brutto-Umsatzes in neue IT-Lösungen investiert wird. Das bedeutet, dass theoretisch jährlich rund 3,6 Milliarden Euro für IT-Investitionen zur Verfügung stehen. Die Studie "Epos/Eftpos Markets" von Frost & Sullivan aus dem vergangenen Jahr zeigt darüber hinaus, dass der Markt für PC-gestützte Kassensysteme weiter wachsen wird. 2001 wurden in Europa rund 2,74 Milliarden Euro allein in neue Kassenhardware investiert - Tendenz steigend. Bis 2007, schätzen die Analysten, wird sich der Umsatz in diesem Bereich mit 6,42 Milliarden Euro mehr als verdoppeln.

Das Arts-Datenmodell

Arts (Association for Retail Technology Standards): gegründet 1993 von der National Retail Federation in den USA.

Mitglieder: führende Einzelhandelsunternehmen und Hersteller von IT-Lösungen.

Ziel: Entwicklung einer internationalen, barrierefreien Technologie-Umgebung.

Projekte: Arts-Datenmodell,

Unified Point of Service Spezification,

IX Retail (standardisierte XML- Schemata).

Arts-Datenmodell:

- Abbildung aller Geschäftsprozesse auf Filialebene,

- insgesamt 270 Entities (Elemente) mit 1500 dazugehörigen Attributen,

- herstellerunabhängig, offen zugänglich, gut dokumentiert.

Abb.1: Ein wachsender Markt

Prognose für die Entwicklung des europäischen Marktes für elektronische Kassensysteme. Quelle: Frost & Sullivan

Abb.2: Einfach, integriert und mobil

Der Anteil von einfachen, integrierten und mobilen Kassensystemen in Europa 2000 - 2007. Quelle: Frost & Sullivan