Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

17.08.1984

Ganzheitlich: Offenes System der Informationsverarbeitung

Dr. Walter Wintersteiger Vorarlberger Rechenzentrum (VRZ), Leiter Beratung und Schulung, Dornbirn, Österreich

Einäugigkeit ist das mindeste, was der heutigen DV-Szene vorzuwerfen ist. Haben die Spezialisten so viel mit sich selbst zu tun, daß ihnen keine Zeit mehr bleibt, um sich ganzheitlich mit den Fragen des DV-Einsatzes zu beschäftigen? Wo bleiben die Manager, die eigentlich wissen müßten, daß Information als vierter Produktionsfaktor neben Kapital, Arbeit und Boden effektiv und effizient zu nutzen ist?

Selbst DV-Experten, die in der Regel in der datenverarbeitenden Welt aufgewachsen sind, scheinen zu übersehen daß zu einer guten Lösung nicht nur die Komponenten Hardware und Software gehören, sondern auch und vor allem der Mensch, seien es die eigenen Mitarbeiter, die DV-Endbenutzer, wer auch immer daran beteiligt ist, Information zu be- und verarbeiten.

Eine Großzahl Manager wiederum weist aus verschiedenen Gründen, meist aus Angst, sich durch eigene Unwissenheit auf dem Gebiet der EDV zu blamieren, vielfach die ganze Datenverarbeitung von sich. Diese Manager gießen so das Kind mit dem Bade aus.

Die automationsunterstützte Informationsverarbeitung gilt als Abbild des lebendigen Unternehmens. Gerade sie bedürfte also ungeteilter Aufmerksamkeit, um eine ganzheitliche Lösung zu erreichen.

Ganzheitlich als Terminus technicus umfaßt, daß in der Praxis eine Vielzahl verschiedener Perspektiven simultan berücksichtigt werden müssen, um Suboptimierungen, ungleichgewichtige und disharmonische Entwicklungen zu vermeiden

Einige Aspekte besitzen entscheidendes Gewicht für die Charakterisierung. Als wichtigste Voraussetzung gilt, die Informationsverarbeitung wie ein "System" zu betrachten. Die Naturwissenschaft lehrt, daß alle relevanten Elemente eines Systems ein sehr komplexes, in sich fein abgestimmtes Wirkungsgefüge bilden. In diese Struktur darf nicht ohne weiteres eingegriffen werden sollen unbeabsichtigte und in ihrem Verlauf weitgehend unvorhersehbare Störungen und Nebenwirkungen vermieden werden. Die Informationsverarbeitung ist weiterhin "dynamisch" anzusehen. Der Aspekt der Dynamik bedeutet ausdrücklich, einzubeziehen, daß die Informationsverarbeitung einem ständigen Wandel unterliegt, der aus der Umwelt auf sie einwirkt und bisher dazu führte, die Systeme immer weniger zweckmäßig werden zu lassen.

Informationsverarbeitung muß als "offenes" System angesehen werden. Sie darf somit nicht gedanklich von ihrer Umwelt und anderen darin vorkommenden Systemen isoliert werden, vielmehr ist sie Teil eines dichten Netzwerkes von Austauschbeziehungen und Prozessen.

Weiterhin bliebe noch die "Komplexität" der Informationsverarbeitung zu nennen. Ausschlaggebend dabei ist, die Komplexität nicht etwa nur als eine passive, nebensächliche Eigenschaft anzusehen. Im Gegenteil wird ihre Rolle an Bedeutung zukünftig zunehmen.

Flexibilität sowie Anpassungs- und Entwicklungsfähigkeit stehen in ursächlichem Zusammenhang mit der Komplexität. Bedauerlicherweise ist das Verständnis der Praktiker für den Umgang mit komplexen Systemen häufig zuwenig entwickelt. Man versucht daher nur zu oft, ihrer Natur nach komplexe Probleme mit simplen Methoden anzugehen, ein Vorgehen, das aufgrund naturgesetzlicher Gegebenheiten einfach scheitern muß.

Die Bedeutung für die Praxis liegt in einer gewandelten Betrachtungsweise. Wir dürfen Informationsverarbeitung oder EDV nicht länger als eigene "Disziplin" abtrennen, sondern müssen dazu übergehen sie als neue "Dimension" historisch gewachsener Realitäten zu betrachten. Der gedankliche nächste Schritt verlangt, nicht nur die Daten und die DV-Systeme in den Blickpunkt zu stellen, sondern zunächst und vor allen Dingen die Beteiligten, die Organisation, die Betroffenen und die Umwelt sowie den Faktor Zeit.

Diese Überlegungen wollen abschließend besonders unterstreichen: Eine ganzheitliche Informationsverarbeitung ist eine Managementaufgabe und diese läßt sich keineswegs deligieren. Die Vielzahl verschiedener Perspektiven simultan zu berücksichtigen bildet einen integrierten Teil erfolgreicher Unternehmensführung. Der Herausforderung einer ganzheitlichen Informationsverarbeitung müssen sich auch die DV-Verantwortlichen stellen, wenn sie ihren Beitrag zum, Unternehmenserfolg leisten wollen.