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20.03.1981 - 

Softlab bringt mit Setec auf den Markt:

Ganzheitsmethode zur Software-Entwicklung

MÜNCHEN - Den Durchbruch zur Überwindung des Software-Engpasses will die Münchener Softlab GmbH geschafft haben. Der Schlüssel zur krisenfreien Software-Welt heißt "Software Engineering Technologie (Setec)" und stellt ein Methodensystem dar, von dem die Münchener sagen, daß es durchgängig und konsistent sei und erstmals in einer Form angeboten werde (Softlab: "Das haben schon viele versucht"), die dem Anwender das Erlernen leichtmache.

"Es gibt ja Kollegen die wahre Meister im Verkauf von noch unfertigen Werkzeugen sind", spottet Softlab-Geschäftsführer Dr. Klaus Neugebauer und unterstreicht, daß es sich bei Setec zwar um "die erste ganzheitliche, durchgängige Verfahrenstechnik unter Einsatz von Computern in allen Phasen des Systementwicklungsprozesses", gleichzeitig aber auch um ein hausintern schon seit längerem und ebenso schon bei Anwendern erprobtes Environment handelt.

Setec - so Neugebauer weiter - setze zwar auf dem Programmentwicklungssystem Pet auf, das von Philips und Softlab gemeinsam vertrieben wird, andererseits "wollen wir mit der Setec-Argumentation nicht Pet an den Mann bringen."

Ulfried Maiborn, Bereichs-Geschäftsführer bei Softlab, stellte in München Setec der Presse als ein System vor, das in seinen einzelnen Komponenten sowohl auf bewährte wie auch auf neue Verfahren und Techniken zurückgreifte und für dessen Einsatz beim Anwender das jeweils gegebene Rechnerumfeld von zweitrangiger Bedeutung sei. "Ein HIPO-Anwender allerdings", nannte Maiborn ein Negativ-Beispiel, "kann die Setec-Vorzüge nur eingeschränkt nutzen. "

Setec, das eine termintreue und wirtschaftliche Softwareproduktion bei gleichzeitig hohen Qualitätsanforderungen sicherstellen soll, entstand nach Darstellung Maiborns dadurch, daß die Softlab-Entwickler zunächst die bei der Software-Erstellung auftretenden Teilprobleme isoliert herausarbeiteten, sodann Lösungen dafür entwickelten und diese aufeinander abstimmten. Das so gefundene Konzept verwendet formale Ausdrucksmittel auf einem hohen Abstraktionsniveau, um damit auf jeder Entwicklungsstufe irrtumsfreie Aussagen zu gewährleisten.

Die von verschiedenen Herstellern gemachten Versuche, bei der Software-Erstellung umgangssprachlich zu arbeiten, bezeichnete Maiborn als grotesk. Setec-Komponenten sind ein Projektmodell, verschiedene Produktions- und Projektführungstechniken, ein Produktmuster, diverse Standards, eine Projektbibliothek und - auf Wunsch - Pet/Maestro. Diese Technologie bietet Softlab seinen Kunden in Informationsveranstaltungen, in projektbegleitender Beratung oder im Wege der Zusammenarbeit bei der Software-Entwicklung an.

So wurden die Münchener beispielsweise von SEL als Subunternehmer engagiert, um für eine ordnungsgemäße Abwicklung des Postauftrags "Einrichtung der Bildschirmtext-Zentrale" zu sorgen. Das nach Neugebauers Angaben in zweieinhalbjähriger Forschungsarbeit mit Milionenaufwand (darunter auch öffentlichen Fördermitteln) entstandene Setec geht das Komplexitäts-, das Heterogenitäts- und das Mengenproblem, die nach Softlab-Beobachtungen ausschlaggebenden Symptome der Softwarekrise, folgendermaßen an:

Komplexität der Projekte

Ein Projektmodell strukturiert das Gesamtprojekt in logischer und zeitlicher Hinsicht durch Definition und Beschreibung von Phasen, Tätigkeiten und Produkten.

Komplexität der Produktion

Produktionstechniken unterstützen den Entwickler bei der Produkterstellung in allen Phasen durch eine Sammlung ausgewählter Verfahren darunter etwa auch Entscheidungstabellen und Struktogramme.

Komplexität der Projektführung

Projektführungstechniken leisten Unterstützung bei der Planung und Verfolgung des Projektfortschritts, bei der Qualitätssicherung und bei der Anleitung des Entwicklerteams (Beispiele: Key-of-success-Analyse und Sequenzmatrix).

Heterogenität der Produkte

Produktmuster sollen einen einheitlichen Aufbau der Produkte sicherstellen, so zum Beispiel über vorgeschriebene Modul-Anforderungen oder Test-Spezifikationen.

Heterogenität der Vorgehensweise

Standards sollen die Arbeitsweise der Entwickler vereinheitlichen, so etwa bestimmte Namenskonventionen der Prozedurkopf-Formate.

Überforderung der Produktverwaltung

Eine rechnergestützte Projektbibliothek verwaltet die Produkte und erlaubt den Zugriff auch auf Teilprodukte. Sie regelt Zustandsübergänge und bietet ein Versionskontrollverfahren.

Überlastung durch Massenproduktion

Hier empfiehlt Softlab den Einsatz von Pet/Maestro, auf dem alle Operationen , Dateien und Dokumente von Setec implementiert sind.

Bedarfsexplosion als Erfolgsgarant

Mehr noch als die Durchsetzungskraft kraft des Rationalen ist es der zukünftig weiter steigende Anwendungsstau, der den wirtschaftlichen Erfolg von Setec bringen wird; davon zeigt man sich bei Softlab überzeugt. Neugebauer verweist dazu auf in- und ausländische Analysen "alter" und neuer DV-Märkte. So habe man in Amerika errechnet, daß 1984 auf den traditionellen DV-Märkten weltweit nur rund 200 Milliarden Mark umgesetzt würden statt der möglichen 275 Milliarden - wegen Softwaremangels.

In Deutschland benötige die Investitionsgüterindustrie in den nächsten fünf Jahren rund 25 000 verschiedene Mikroprozessor-Anwendungen. Bei den ermittelten zwei bis drei Millionen Mark pro Mikro-Anwendung entstehe allein hier in kurzer Zeit ein Markt von über 50 Milliarden Mark, jedenfalls soweit Deutschland am Weltmarkt konkurrenzfähig bleiben wolle.

Auch von der Personalseite her sieht Neugebauer keine Entlastung; eine Infratest-Untersuchung habe allein für 1982 eine Bedarfssteigerung von 150 000 Software-Experten in Deutschland prognostiziert; das entspreche etwa der Hälfte des Bestandes und sei auch ohne die dringend notwendige Verbesserung des Software-Qualitätsstandards nicht realisierbar. Neugebauer: "Die Setec- Techniken fördern wirklich die Arbeitsfreude und damit die Produktivität."