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22.02.1991 - 

Essener Konzern übernahm die Mehrheit bei Bonner Systemhaus

Garmhausen will Europa erobern und schlüpft bei Ruhrkohle unter

MÜNCHEN (bk) - Im bundesdeutschen Markt hat sieh das Softwarehaus Garmhausen & Partner als UNIX-Spezialist einen Namen gemacht. Jetzt wollen die Essener den europäischen Markt bearbeiten. Hilfestellung soll dabei die Essener Ruhrkohle AG leisten, die sieh über ihre Tochter Meuwsen & Brockhausen GmbH (M & B) zu 60 Prozent an Garmhausen & Partner beteiligt hat.

Gut sechs Jahre nach Gründung der Garmhausen & Partner GmbH ist dem Bonner Softwaredistributor und Systemintegrator für offene Systeme der deutsche Markt zu klein geworden. Den einheitlichen Europa-Markt vor Augen, will Firmengründer Thomas Garmhausen bis Ende 1992 in allen wichtigen europäischen Ländern mit Tochtergesellschaften vertreten sein. Realisiert werden soll dieses Ziel mit Übernahmen und Mehrheitsbeteiligungen entsprechender Partner in den jeweiligen Ländern. Nur auf diese Weise, so Garmhausen, sei ein Marktzugang im Ausland schnell möglich. "Es ist utopisch zu glauben, als Deutscher könne man beispielsweise den französischen Markt erobern", begründet der Firmengründer seine Strategie.

Die ersten Schritte der Internationalisierung sind bereits im Gange. Für April ist die Akquisition eines österreichischen Softwarehauses vorgesehen, das in Zukunft als Garmhausen & Partner GmbH in Wien firmieren soll. Nahezu zeitgleich will sich Garmhausen und Partner in Westholland niederlassen. Während Wien nicht zuletzt zur Unterstützung des Ostgeschäftes dienen soll, sieht Garmhausen die Niederlande als "Drehscheibe" für die Benelux-Staaten, die ihrerseits im einheitlichen Europa Dreh- und Angelpunkt für den Binnenmarkt werden könnten. In der zweiten Jahreshälfte stehen Aktivitäten in Großbritannien, Frankreich, Italien und Skandinavien auf dem Programm. Erste Kontakte mit einem Partner in England wurden schon aufgenommen.

Daß die Bonner mit ihren Expansionsplänen Schiffbruch erleiden könnten - immerhin wollen sie schon bald eine führende Rolle bei Systemintegration und -distribution in Europa spielen - , glaubt Thomas Garmhausen nicht. Es gibt kaum Anbieter von Software für offene Systeme in Europa. Deshalb werden wir dort gut vorankommen." Dennoch hat der Firmengründer, der mit seinem Unternehmen im abgelaufenen Geschäftsjahr den Umsatz auf rund 33 Millionen Mark verdoppeln konnte, Vorsorge getroffen. Da Wachstum finanziert sein will, begab sich Garmhausen jetzt in den Firmenverbund der Essener Ruhrkohle AG. Der Kohle/Koks-Großkonzern übernahm über seine 100prozentige Tochter Meuwsen & Brockhausen GmbH (M & B), Kamp-Lintfort, mit 60 Prozent die Mehrheit an Garmhausen & Partner. Die restlichen Anteile von nahezu 40 Prozent verbleiben bei Firmengründer Thomas Garmhausen. Was sich die Ruhrkohle AG das Engagement bei Garmhausen hat kosten lassen, wurde nicht bekannt. Lapidarer Kommentar der Beteiligten: "Der Preis war so, daß sich beide gefreut haben."

Die beiden Unternehmen scheinen sich gesucht und gefunden zu haben. Im September 1990 erfolgte die erste Kontaktaufnahme, im November war man sich laut Thomas Garmhausen bereits einig. "Wir haben seit Ende 1989 mit verschiedenen Unternehmen verhandelt. Doch die Strategie von M & B hat uns auf Anhieb am besten gefallen." Bei Meuwsen & Brockhausen handelt es sich um eine Zwischenholding, bei der in Form eigenständig operierender Tochtergesellschaften alle Tätigkeiten der Ruhrkohle AG angesiedelt sind, die sich mit dem fertigungsorientierten Maschinen- und Anlagenbau, der Steuerungstechnik sowie der Datenverarbeitung mit Software und Service befassen. Zur Zeit beschäftigt die M & B-Gruppe rund 900 Mitarbeiter und hat einen Leistungsumfang von rund 200 Millionen Mark.

Ziel der M & B-Gruppe ist laut Geschäftsführer Rolf Schaut der künftig zusammen mit Thomas Garmhausen auch der Garmhausen & Partner GmbH vorsteht, sich zu einem "Supersystemhaus" für technische Lösungen in der mittelständischen Fertigungsindustrie zu entwickeln. "Der Kunde will alles aus einer Hand, fordert mehr und mehr die Generalunternehmerschaft", so Schaut. Eine Verbundfirma, die Informationstechnik- sowie Kommunikationstechnik und technisches Know-how bieten könne, gebe es heutzutage noch nicht.

Die Lücke will M & B nun schließen Mit der MB Data GmbH, 1983 gegründet und spezialisiert auf die Connectivity-Problematik vom PC bis hin zum Host, ist der kommunikationstechnische Bereich bereits abgedeckt. Während die nun hinzugekommene Garmhausen & Partner für das administrative Lösungsgeschäft verantwortlich zeichnen wird, ist der dritte Partner, ein technisch ausgerichtetes Softwarehaus, noch nicht gefunden. Allerdings, so Schaut, stehe man bereits in Verhandlungen. Diese sollen Mitte des Jahres abgeschlossen sein.