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20.03.1992 - 

DV-Hersteller müssen Konzepte anbieten

Gartner-Analyst: Altlasten bremsen den Innovationszug

HANNOVER (CW) - "Der Standard, der am besten voran kommt, ist das Geklage der Industrie", mokierte sich Analyst Helmuth Gümbel von der Gartner Group in einer Presseveranstaltung auf der CeBIT. Der Marktforscher ging der Frage nach, wie der Abwärtstrend der europäischen und deutschen IT-Industrie aufzuhalten sei.

Gümbel nannte in seinem Vortrag zwei Gründe dafür, daß beim Anwender auf Büro- und Sachbearbeiterebene trotz verfügbarer Hard- und Software zur Zeit nicht mehr viel vorangehe - sogar ein Produktivitätsverfall sei zu verzeichnen. "Die Industrie macht etwas, was dem Anwender nicht nutzt", und "die Industrie kann dem Anwender nicht vermitteln, was sie eigentlich anbietet", bilanzierte der Analyst.

Großer Overhead und lange Lernprozesse

Waren in der DV-Geschichte zunächst die Hardware-Auslastung und später die Produktivität der Software-Entwicklung wichtig gewesen, so blieb eines weitgehend unberücksichtigt: die Produktivität des Endbenutzers. Der betriebswirtschaftliche Nutzen der DV für produzierende Unternehmen jeder Art habe sich bis heute nicht in einem ausreichenden Maß eingestellt.

Gümbel bezichtigte die DV-Industrie, keine Lösungen, sondern "halbfertige Investitionsgüter" verkauft zu haben. Der DV-Industrie warf er vor, die Folgen ihres Tuns nicht zu erkennen und den Markt mit Produkten "zuzuschütten". Das fertige Investitionsgut habe vom Anwender erst erstellt werden müssen - die Folge seien ein großer Overhead, lange Lernprozesse und vor allem Fehleinschätzungen der Kosten- und Zeitaufwendungen gewesen.

Auch hatten Anwender immer weniger Zeit, sich dem aktuellen Angebot der IT-Industrie zu widmen, denn heute gehe der überwiegende Teil des gesamten DV-Aufwandes - bis zu 80 Prozent - für die Pflege der Altlasten verloren. Mit einem 20prozentigen Engagement ließen sich jedoch keine unternehmensweiten Innovationendurchsetzen. Werde dies trotzdem versucht, so komme es zu zusätzlichen Staus, und die Innovationen würden nur fragmentarisch umgesetzt.

Solche Innovationen sind aber im Zeitalter der Vernetzung, wo im Gegensatz zu unternehmensweiten hierarchischen Organisationsformen Work-group-Konstellationen eine wichtige Rolle spielen, von außerordentlicher Bedeutung. Alte Systeme, so machte Gümbel deutlich, wirken sich im Umfeld einer vernetzten DV als Klotz am Bein aus.

Für IT-Unternehmen, die in den 90er Jahren überleben wollen, hat diese Anwendersituation nach Ansicht des Gartner-Mitarbeiters schwerwiegende Konsequenzen. Zunächst dürfe man DV-Benutzern nicht länger in erster Linie Produkte verkaufen. Es gelte, plausible Konzepte anzubieten. Ein konkurrenzfähiges Unternehmen müsse heute Ziele und Strategien entwerfen, um daraus ein Unternehmensmodell zu entwickeln. Bei der Umsetzung dieses Konzepts in ein IT-Modell habe der DV-Anbieter dem Kunden zur Seite zu stehen - dabei sei nicht erheblich, ob er sich diese Leistung als Dienstleister bezahlen lasse.

Um diesen Schritt erfolgreich zu vollziehen, müßten die Anbieter ihren Kunden aktiv dabei helfen, ihr Altlastenproblem durch Maßnahmen wie Re-Engineering und die Einführung von Standardsoftware in den Griff zu bekommen. Zuvor, so Gümbel, sind allerdings die organisatorischen Abläufe in den Unternehmen penibel zu analysieren.

Für die IT-Industrie ist entscheidend, wie schnell der Wechsel vom Produktanbieter zum Serviceunternehmen und Systemintegrator bewältigt werden kann. Die meisten Hersteller hätten hierbei jedoch so große Probleme, daß der fortschreitende Margenverfall drohe, die Substanz zu vernichten, noch bevor der Wandel zum Dienstleister erfolgt ist. "Die Transformationsgeschwindigkeit wird zum überlebensentscheidenden Kriterium", so das bedrohliche Fazit des Analysten.