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28.02.2003 - 

Gleichwertiges Betriebssystem bis zum Jahr 2005?

Gartner bremst die Linux-Euphorie

FRANKFURT/M. (wh) - Auf dem Weg in die Datenzentren großer Unternehmen muss Linux noch einige Hürden überwinden. Nach Ansicht von Gartner-Analyst Klaus Thomas mangelt es dem Open-Source-Betriebssystem noch immer an Applikationen und Datenbanksoftware. Dennoch werde seine Verbreitung zu Lasten klassischer Unix-Derivate zunehmen.

"Bis zum Jahr 2005 kann sich Linux als gleichwertiges Betriebssystem für unternehmenskritische Anwendungen etabliert haben," erklärte Thomas anlässlich einer Fachkonferenz des Düsseldorfer Veranstalters Euroforum. Nach den hochfliegenden Erwartungen im Jahr 1999 und der darauf folgenden Phase der Desillusionierung prognostiziert er für das quelloffene System ein moderates, aber stetiges Vordringen in professionelle IT-Umgebungen.

Dieses werde weniger zu Lasten Windows-basierender Plattformen gehen, sondern vor allem die klassischen Unix-Derivate treffen - eine Ansicht, die auch andere Marktforscher wie Meta Group oder Techconsult vertreten.

Zu den Stärken des Open-Source-Betriebssystems zählt Gartner dessen horizontale Skalierbarkeit, also die Fähigkeit, in großen Rechner-Clustern zu arbeiten. Dem stehen Defizite beim Betrieb von Multiprozessor-Servern (vertikale Skalierbarkeit) gegenüber, die erst mit den kommenden Kernel-Releases ab der Version 2.6 gemildert würden. Etablierte Unix-Varianten wie HP-UX, Sun Solaris oder IBMs AIX liegen hier noch weit vorn.

Ein gravierendes Hemmnis für den Unternehmenseinsatz sieht Thomas in der seiner Meinung nach unzureichenden Verfügbarkeit von Applikationen und Datenbanksoftware für Linux. Nach den Erfahrungen Gartners liegen die wichtigsten Anwendungsfelder noch immer in den Bereichen Web- und Netzwerkdienste einerseits sowie rechenintensive Applikationen im technisch-wissenschaftlichen Umfeld andererseits. Letztere nutzen häufig Cluster aus kostengünstigen Intel-Servern oder -Workstations.

Unter dem Moto: "Linux - das Thema für Ihr IT-Management" präsentierten die Referenten allerdings auch andere Praxisbeispiele. So erläuterte Walter Rotter, IT-Manager beim Wiener Erdöl- und Erdgaskonzern OMV, den Betrieb mehrerer R/3-Module auf einem IBM-Großrechner-Cluster unter Linux. Auch der Siemens-Unternehmensbereich Power Generation setzt Linux bereits in Teilen seiner Kraftwerks-Leittechnik ein. Ein Beispiel aus dem Finanzsektor lieferte Theodor Vehndel, IT-Verantwortlicher bei der Oldenburgischen Landesbank. Das Geldinstitut greift für seine Server-Infrastruktur in 185 Geschäftsstellen auf Linux zurück und entwickelte unter anderem eine eigene Banking-Anwendung für das Open-Source-Betriebssystem.

Weniger optimistisch gaben sich die Konferenzteilnehmer zum Thema Desktop-Linux. Zwar reichten die Funktionen von Open Office oder der kommerziellen Variante Star Office für den Durchschnittsanwender völlig aus, erklärte Gartner-Experte Thomas, aber: "Kaum ein großer Anwender ist bereit, das Risiko einer Migration einzugehen." Psychologie spiele dabei eine große Rolle, gepaart mit der Erfahrung, dass in Unternehmen viele Office-Anwendungen laufen, von denen das IT-Management keine Kenntnis habe. Die im Vergleich zu Microsoft-Produkten niedrigen Preise haben dabei laut Thomas noch kein Umdenken bewirkt: "Vielleicht ist der Kostendruck noch nicht groß genug."

Linux-Clients in der Praxis

Hoffnung machte den Linux-Protagonisten eine Fallstudie der Polizei Niedersachsen. Die Behörde plant den Einsatz von rund 11000 Linux-Clients an mehr als 500 Standorten. Ein Wirtschaftlichkeitsvergleich habe deutliche Vorteile gegenüber einer Microsoft-basierenden Installation ergeben.

In "unternehmenstragenden" Anwendungen sei das Argument niedrigerer Betriebssystem-Kosten allerdings zu relativieren, gab Thomas zu bedenken. Denn in solchen Fällen schlagen vermehrt Aufwendungen für die Verwaltung von Release-Wechseln sowie für das System- und Anwendungs-Management zu Buche.