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12.11.1999 - 

IT-Expo ?99

Gartner Group prophezeit Rückschläge für E-Business

CANNES - Auf ihrem 11. Europa-Symposium "IT-Expo ''99" in Cannes ließen die Analysten der Gartner Group keinen Zweifel aufkommen: Sämtliche Strategien, Technologien und Trends der IT weisen in Richtung E-Business. Allerdings warnten die Analysten: Viele der hochgejubelten "Dot.Coms" werden vom Markt verschwinden, viele E-Business-Projekte kläglich scheitern.

Michael Fleisher, frischernannter President und CEO von Gartner, nannte in seiner Eröffnungsansprache drei wesentliche Herausforderungen, die sich für das IT-Management aus den jüngsten Entwicklungen ergeben. E-Business erleichtert seinen Ausführungen zufolge den Quereinstieg in unterschiedliche Märkte und stellt dabei ganze Branchen auf den Kopf - etwa den Buchhandel, das Wertpapiergeschäft oder Auktionshäuser, und hier im einzelnen zum Beispiel Amazon, E-Trade und E-Bay. Daher bestehe die erste und vielleicht wichtigste Herausforderung für Unternehmen darin, die Konkurrenz beziehungsweise potentielle neue Mitbewerber fest im Auge zu behalten.

Die zweite Aufgabe, die Fleisher hervorhob, richtet sich an IT-Spezialisten, die die neuen Systeme implementieren und zum Laufen bringen sollen. So trivial dies klingen mag, die Gartner-Experten haben die Erfahrung gemacht, daß die Aufgabe bisher nur von wenigen IT-Shops zufriedenstellend gelöst wurde. Auch angesichts der hohen Kosten, die ein Systemausfall bewirke, liege mehr denn je eine große Verantwortung in den Händen der Techniker.

Drittens, so der Gartner-Chef abschließend, sollten die Unternehmen sorgfältig planen, wie in Zukunft auch geschäftskritische Daten über das Web ausgetauscht und so Geschäftsabläufe mit Kunden, Liefeanten und Partnern beschleunigt werden können. Dabei dürfe E-Business nicht als Allheilmethode für die Abwicklung von Geschäftsprozessen gewertet werden. Vielmehr müßten die Möglichkeiten für jeden einzelnen Unternehmensbereich sorgfältig geprüft werden.

Zumindest in den nächsten fünf bis acht Jahren sollten diese drei Punkte ganz oben auf der Prioritätenliste der IT-Manager sowie der Unternehmensverantwortlichen stehen. Nach dieser Zeitspanne, so die Gartner-Prognose, sei eine Ende der Umstellungsphase in Sicht - E-Business werde spätestens dann Normalität in den Unternehmen.

Allerdings würden diejenigen, die sich der E-Business-Begeisterung konzeptlos angeschlossen hätten, schnell wieder von der Bildfläche verschwinden. Dies gelte auch, wie Gartner-Vice-President Alexander Drobik erklärte, für Anwender wie Anbieter, die der Entwicklung zuwenig Aufmerksamkeit zollten. Für die beiden nächsten Jahre erwartet Gartner, daß drei Viertel aller Unternehmen mit ihren E-Projekten gescheitert sein werden. Die Illusion "E is best" werde wie eine Seifenblase platzen und nicht mehr als ein allgemeingültiges Rezept für Unternehmenserfolg angesehen werden. Übrig bleiben demnach nur die Firmen, denen eine tatsächliche Einbindung sämtlicher Geschäftabläufe und IT-Infrastrukturen in das Internet gelungen ist. In den folgenden Jahren wird sich laut Gartner Group die Spreu vom Weizen trennen. Wer E-Business erfolgreich umgesetzt hat, wird nicht mehr darüber reden. Alle anderen dürften nach und nach aus dem Markt scheiden.

Gegenwärtig, so die Analysten, unterschätzen die meisten Unternehmen die strategische Bedeutung und damit den Aufwand für einen funktionsfähigen Auftritt im Cyberspace dramatisch: "Bis 2003 werden rund 75 Prozent der Unternehmen ihre Kosten für E-Business zu niedrig veranschlagen", heißt es. Diese Zahlen treffen vor allem auf Firmen zu, die stark auf Handelspartner und Kundenkontakte angewiesen sind. Hohe Investitionen sind also gefordert - doch diese werden zunächst nicht belohnt. Bis 2005 rechnet Gartner damit, daß Investitionen in E-Business-Anwendungen und-Infrastruktur in Westeuropa einen Anteil von rund 7,5 Prozent des Umsatzes ausmachen werden. Gleichzeitig behaupten die Auguren, daß bis 2002 weniger als 30 Prozent der ausschließlich im Internet tätigen Firmen auf Betriebsebene einen Gewinn erzielen werden.

Wohin die künftigen Investitionen fließen werden, versuchte Peter Sondergaard, leitender Vice-President bei Gartner, zu erläutern. Seiner Meinung nach muß sich die Wirtschaft vor allem auf die durch offene Märkte verschärfte Wettbewerbssituation einstellen. IT-Investitionen dürften sich nicht mehr an Produkten, sondern an Kunden orientieren. Letztere erhalten aufgrund des Internet eine größere Markttransparenz, die den Preis- und Produktvergleich erleichtert. Der Kunde wird endlich König - ein Umstand, auf den Unternehmen mit einem erweiterten IT-Budget sowie mit höheren Investitionen in neue Marketing- und Marktforschungs-Aktivitäten reagieren müssen. "Der Wert (eines Unternehmens, Anm. d. Red.) verlagert sich. Ebenso wichtig wie das Produkt ist die Bereitstellung von Informationen darüber", faßte Sondergaard die strategischen Erfordernisse der kommenden Jahre zusammen. Sein Fazit: "Das Dasein der IT als Hinterzimmer-Ressource ist endgültig vorbei."

E-Business Thema für Anwender und Anbieter

E-Business wird, wie es in vielen Vorträgen auf der IT-Expo zum Ausdruck kam, Anwender wie Anbieter gleichermaßen fordern. Hersteller müssen die Produkte den veränderten Bedürfnissen ihrer Klientel anpassen und, um ständig auf den neuesten Stand der Dinge reagieren zu können, mit steigenden Kosten für Forschung und Entwicklung rechnen.

Anwender stehen vor der schwierigen Aufgabe, ihre Applikationen besser zu integrieren und mit E-Commerce-Lösungen zu verbinden. Bis 2005 werde der Schwerpunkt ihrer Arbeit in der Integration von Anwendungen liegen, betonte der Gartner-Analyst. Außerdem riet er IT-Verantwortlichen sowie Unternehmensführungen, ein zentrales "Change-Management" einzurichten. Dieser nicht ganz neue Gartner-Ansatz geht von der Notwendigkeit einer abteilungsübergreifenden Task-Force aus, innerhalb derer Unternehmensführung, IT-Management, Marketing und Vertrieb gemeinsam die wichtigen Entscheidungen vorbereiten. Dies sei der wesentliche Schritt, um auch in Zukunft auf den technischen Fortschritt und die damit verbundenen Struktur- und Systemanpassungen reagieren zu können.

Doch was bedeutet dies konkret für einzelne Bereiche der IT? Auf seiten der betriebswirtschaftlichen Anwendungen dürften, so Gartner, Enterprise-Resource-Planning-(ERP-)Lösungen ihre tragende Rolle behalten. Sie werden weiterhin Basis der künftigen IT-Struktur sein, die um Komponenten und Tools etwa für Customer-Relationship-Management (CRM) im Front Office oder Supply-Chain-Management (SCM) im Back-Office ergänzt wird. Trotz entsprechender Marketing-Anstrengungen beziehungsweise -Ankündigungen der einschlägigen Hersteller gebe es noch keine ausgereiften Lösungen, die solch eine erweiterte ERP-Anwendung im Paket mit E-Commerce, CRM oder SCM bieten, meint Gartner. Entsprechend öffnen sich hier die Türen vor allem für Systemintegratoren und Beratungshäuser, deren Aufgabe es sein wird, die immer komplexeren Strukturen aufzubauen und zu warten.

Den Analysten zufolge werden bis 2004 die ERP-Anwendungen den Fokus auf "Kollaboration"(die Zusammenarbeit einzelner Applikationen) sowie die Nutzung des Internet richten. Für die Auguren ergibt sich daraus ein völlig neues Modell für Geschäftsanwendungen, das sie mit dem Ausdruck "C-Commerce" (Collaborative Commerce) beschreiben. Es setzt neben der unternehmensinternen Systemintegration vor allem eine engere Kooperation zwischen Mitarbeitern, aber auch Kunden und Geschäftspartnern voraus.

Insgesamt geht Gartner davon aus, daß der Markt für ERP-Anwendungen zwar nicht explodieren wird, doch ab 2002 könne man von einer kontinuierlich steigenden Wachstumsrate ausgehen.

ERP-Markt: Der Kampf um den Mittelstand nimmt zu

Dabei werde der Kampf der ERP-Anbieter im wesentlichen auf dem Sektor der mittleren Unternehmen mit Umsätzen zwischen 25 und 250 Millionen Dollar ausgefochten. Wenn überhaupt, so hätten diese eher eine "flüchtige" ERP-Installation vorgenommen, um zunächst die dringlichsten Aufgaben, den Jahrtausendwechsel sowie die Währungsumstellung, zu bewältigen. Nun sei es sehr wahrscheinlich, daß der Mittelstand in nächster Zeit kräftiger in den Aufbau umfassenderer Geschäftsanwendungen investieren werde.

In diesem Zusammenhang wiesen die Gartner-Analysten auf noch nicht ausgeschöpfte Funktionen der derzeit heiß diskutierten Portale hin. Erster und wichtigster Punkt sei, daß sich die Anwender von der Ansicht verabschiedeten, ein Portal diene lediglich dem "Blickkontakt" zwischen dem Unternehmen und Kunden oder Geschäftspartnern. Die elektronischen Pforten könnten weit mehr leisten: Durch einen automatisierten Datenaustausch ließen sie eine direkte Verknüpfung zur Beschaffungskette zu, die wiederum weiterzuvernetzen sei, beispielsweise mit elektronischen Katalogen oder Märkten. Auch die Verbindung zwischen Portal und Wissens-Management betrachtet Gartner als zukunftsweisend. Da sich beide Anwendungen in Bereichen wie Personal- und Produktinformation überschnitten, käme es hier auf eine geschickte Kombination an, die eine effektive Verteilung von Informationen erlaubt. Anbieter von Knowledge-Management(KM-)Lösungen werden darauf reagieren müssen. So werden, glaubt man den Vorhersagen von Gartner, KM-Anwendungen bis 2001 über eine einzige Portal-Schnittstelle den Datenaustausch - sei es aus Dokumenten, Datenbanken oder Anwendungen - inner- und außerhalb der Unternehmen zulassen.