Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

14.11.1997 - 

Thema der Woche

Gartner Group sagt Durchbruch des Network-Computing voraus

Gartner-Analyst Peter Sondergaard hat das Kunstwort "WOBI" geschaffen, um einige wichtige Herausforderungen zusammenzufassen, vor denen IT-Anwender heute stehen: WOBI ist eine Abkürzung aus Wintel, Objekte, Bandbreite und Internet.

Dabei erwartet er für Server mit Intel-Prozessoren und Microsofts Betriebssystem Windows NT zumindest bis ins Jahr 2002 starkes Wachstum. Gemessen in Stückzahlen dürften die nächsten Konkurrenten 1999 weit abgedrängt sein. Damit liegt der Druck in Sachen Preis, Vertrieb und Verfügbarkeit von Software eindeutig auf den Nicht-Intel-Plattformen. Wintel-Server dagegen sind leicht zu installieren und erfreuen sich starker Unterstützung der unabhängigen Software-Anbieter. Außerdem dürfte ihre Leistungsfähigkeit bis zum Jahr 2000 auf das Niveau heutiger Mainframes ansteigen und die meisten Anforderungen mittelgroßer Unternehmen erfüllen. Allerdings leidet die Wintel-Plattform auch in den nächsten Jahren noch unter hohen Installationskosten und mangelnder Kompatibilität zu Altsystemen. Ebenfalls noch ungelöst ist das Skalierungsproblem für unternehmensweite Applikationen. Auch im Jahr 2000 sind NT-Cluster-Lösungen laut Sondergaard "unreif".

Auf mittlere Sicht müsse Microsoft vor allem die Systemverfügbarkeit von NT verbessern, Directory-Services anbieten und die Integration mit Unix vorantreiben.

Langfristig (in mehr als fünf Jahren) wird die Wintel-Plattform verschiedenen architektonischen Herausforderungen gegenüberstehen. Microsoft wird es laut Gartner Group dann mit diversen NT-Derivaten sowie mit einem oder mehreren Java-Betriebssystemen zu tun bekommen. Außerdem dürften bis dahin objektorientierte Architekturen weit verbreitet sein.

NT-Server sind bei weitem nicht das einzige Microsoft-Produkt, mit dem sich Anwender auseinandersetzen müssen. Das Streben des Softwareriesen, auch den Enterprise-IT-Markt zu beherrschen, wird neben dem Betriebssystem-Segment vor allem auch in den Component-, Middleware- und Internet-Bemühungen deutlich. Sybase-Chef Mitchell Kertzman formulierte die Bedeutung dieser Umtriebigkeit für den IT-Markt so: "Microsoft ist wie ein großer weißer Hai, der alles frißt, was nicht schneller schwimmen kann als er."

Den enormen Bandbreitenbedarf - dafür steht das "B" in WOBI - formuliert die Gartner Group in einer ihrer "strategic planning assumptions": "Bis 2002 wird der Bedarf an Bandbreite in Wide Area Networks (WANs) um 300 bis 600 Prozent wachsen." Die Steigerungsrate hängt dabei ab von den bis dahin getätigten Investitionen und davon, wie sehr neue verteilbare Applikationen benötigt werden.

Dieser Hypothese attestiert Gartner eine Wahrscheinlichkeit von 80 Prozent. Sicher sei jedoch, daß sich die Ausgaben für zusätzliche Bandbreiten mindestens verdoppeln.

Am stärksten auf die Belastung der Netze wirkt sich neben der Verteilung von Applikationen das Wachstum der Unternehmen selbst aus, aber auch das immer häufigere und intensivere Internetworking zwischen einzelnen Organisationen sowie das explosionsartige Wachstum von Fern- und Internet-Zugängen. Allein die Benutzung von Internet und Intranets nimmt in den nächsten vier Jahren um mindestens 60 Prozent per annum zu.

Dabei steigen die Kosten für die Netzinfrastruktur allerdings nicht linear zum Kapazitätsbedarf. Hier spielt den Anwendern die Deregulierung des Telecom-Marktes in die Hände. Bis 2002 prognostiziert Gartner in den liberalisierten Märkten einen Preisverfall von 40 Prozent für gemietete Leitungen und internationale Sprachservices.

Als alten und neuen Megatrend identifiziert Sondergaard den Wandel der IT von einer lediglich Wettbewerbsvorteile versprechenden Back-Office-Ressource zu einem für die Konkurrenzfähigkeit notwendigen Instrument, das auch im Front-Office, also in Marketing und Vertrieb, unverzichtbar wird. Außerdem nimmt die Geschwindigkeit des Wandels generell zu. Sondergaard: "Veränderung, die früher als eine kurze Übergangsperiode zwischen zwei langen Perioden relativer Stabilität betrachtet wurde, ist heute ein kontinuierlicher Prozeß." Gleichzeitig verändern sich die Unternehmen selbst. Das Konzept einer monolithischen Organisation, die alle Produkte, Services und Vertriebskanäle selbst in der Hand hält, hat ausgedient. Es wird verdrängt durch strategische Partnerschaften und virtuelle Unternehmen, die zunehmend global agieren.

Darauf muß die IT mit Infrastrukturen und Applikationsarchitekturen reagieren, die leicht miteinander zu verzahnen und zu pflegen sind, aber dennoch volle Funktionalität, Sicherheit und Kosteneffektivität bieten. "Unternehmen, die IT weniger aggressiv nutzen als ihre Mitbewerber, werden in einer globalen Wirtschaft zurückfallen." Diesem Gartner-Postulat gerecht zu werden, dürfte den meisten IT-Abteilungen schwerfallen. Sie geraten nämlich noch von anderer Seite unter Druck.

So leiden sie bei "dramatisch zunehmender Komplexität" der Technologie weiterhin unter Budgetrestriktionen und fehlendem Fachpersonal. Gartner geht davon aus, daß bis zum Jahr 2000 von zehn ausgeschriebenen IT-Jobs nur sieben, höchstens acht Stellen besetzt werden können. Erst nachdem das Jahr-2000-Problem für die meisten Unternehmen gelöst sei, könnte sich die Situation entspannen. Dabei sehen sich die IT-Abteilungen einem Management gegenüber, das immer stärker auf einen meßbaren Return on Investment auch für IT-Ausgaben drängt. Auf der anderen Seite steigen die Erwartungen der Endbenutzer weiter an. Sie sind durch immer kostengünstiger werdende Stand-alone-Technologien auf Abteilungsebene verwöhnt und stellen Wert und Vertrauenswürdigkeit der zentralen DV in Frage.

Zusätzlich erschwert wird das Leben der IT-Manager und -Teams in den nächsten Jahren durch das ressourcenfressende Jahr-2000-Problem. Bis zum Jahrtausendwechsel, so die Gartner-Hypothese, verschlingen die Umstellungsanstrengungen jährlich 22 Prozent des normalen IT-Budgets. Dabei müssen 50 Prozent der betroffenen Unternehmen zwischen Juli 1998 und Juli 1999 sogar bis zu 30 Prozent ihrer DV-Gesamtausgaben für die Datumsumstellung aufwenden. Bei weitem nicht alle betroffenen Organisationen können das Problem fristgerecht lösen. Rund 30 Prozent aller unternehmenskritischen Systeme, die auch Zulieferer und Kunden einbinden, sind Ende 1999 nicht Jahr-2000-fähig, prophezeit Gartner.

Je später die Unternehmen mit der Umstellung beginnen, desto mehr ist dafür zu bezahlen. Lagen die Kosten pro umzustellender Codezeile in den USA Ende 1996 noch bei 1,10 Dollar, müssen heute aufgrund der gestiegenen Nachfrage bereits 1,5 Dollar bezahlt werden. In Europa lägen die Kosten pro Programmzeile sogar bei etwa zwei Dollar.

Neben den enormen Kosten verzögert die "Jahr-2000-Krise" (Gartner-Jargon) etliche andere Projekte, die von den IT-Teams unter normalen Umständen angegangen worden wären. 30 Prozent der Projekte, die keinen direkten Return on Investment versprechen, wie Upgrades der Infrastruktur sowie Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen, können sich deshalb um ein bis zwei Jahre verschieben.

Trotz dieser Verzögerungen wird sich die IT-Landschaft in den nächsten fünf Jahren gravierend verändern. "Bis zum Jahr 2002 liegt 70 Prozent aller neuen kommerziellen Applikationen einer Network-Computing-Architektur zugrunde." Dieser Prognose räumt Gartner immerhin eine Wahrscheinlichkeit von 70 Prozent ein. Dabei dürfen sich Anwender ruhig bis zum Jahr 2000 Zeit lassen, da "eine komplette Migration existierender Applikationen auf Network-Computing-Technologien" vor diesem magischen Datum nicht ratsam erscheint. Aufwand und Risiko liegen derzeit oft noch höher als die Einsparungen durch niedrigere Betriebskosten. Die Analysten betrachten dieses Paradigma als eine Fortführung des Client-Server-Gedankens: Schlüsselelemente des Designkonzepts wie Partitionierung, Modularität, Abstraktion und Wiederverwendbarkeit bleiben erhalten.

Allerdings bringt das Network-Computing auch neue Elemente: Der vermehrte Einsatz und die bessere Organisation von dynamischen Zwischenspeichern (Cache) auf verschiedenen Ebenen beschleunigt den Zugriff auf Informationen, die in unterschiedlich schnell verfügbaren Medien gespeichert sind. Der Vorteil, Applikationen nur einmal schreiben und auf jedem Rechner ablaufen lassen zu können, liegt auf der Hand. Automatische Plattformanpassung bietet zum Beispiel das "Swing-API-Set", das im Java Development Kit 1.2 zur Verfügung steht. Damit geschriebene grafische Oberflächen passen sich der Plattform an, auf der sie laufen. Auf einem Apple-Rechner würde das Interface dann die Gestalt der Macintosh-Oberfläche annehmen, auf einem PC würde es mit Windows-artiger Oberfläche erscheinen etc.

Die Weiterentwicklung des Internet wird ebenfalls nicht am Problem 2000 scheitern. Bis 1999 dürften laut Gartner 70 Prozent aller Standardanwendungen in Unternehmen auf Internet-Technologien basieren, die über die simple Integration von Browsern hinausgehen. Schon 1998 erlaubt das Netz der Netze Anwendungen niedriger bis mittlerer Komplexität. Seine Sicherheit und Verfügbarkeit dürfte bis dahin mit der von Kabelfernsehen und PCs vergleichbar sein. Bessere Tools und mehr Erfahrung der Anwender verbessern die Benutzbarkeit des Netzes von Monat zu Monat. Die größte Hürde für die weitere Verbreitung des Internet in Unternehmen ist die Einstellung der Anwender. Schließlich setzt der intensive Gebrauch des Internet ein anderes IT-Paradigma, eben das des Network-Computing, voraus.

Objekte als Motor des Wandels

Parallel zum Network-Computing dürfte sich die Objektorientierung, auf die das "O" in WOBI verweist, als ein wichtiger Motor des technischen Wandels erweisen. Gartner geht davon aus, daß langfristig die meisten Applikationen aus Komponenten-Bibliotheken zusammengesetzt anstatt auf traditionelle Weise programmiert werden. "Bis 2002 werden 60 Prozent der neuen Applikationen assembliert werden. Das zwingt die Entwicklungsteams, neues Know-how aufzubauen oder bis zu 90 Prozent ihrer Aktivitäten auszulagern", lautet die dazu passende Hypothese der Analysten. Trotz dieses Baukastenprinzips bleibt mittelfristig der Anwendungsstau erhalten.

Durch die veränderten Geschäftsanforderungen und die damit einhergehenden organisatorischen Verschiebungen in Unternehmen ändert sich auch die Rolle der traditionellen transaktionsorientierten Applikationspakete. Diese Software wird zur Selbstverständlichkeit, mit der sich kaum noch Wettbewerbsvorteile erzielen lassen. Die Back-Office-Systeme, so Sondergaard, werden in den nächsten fünf Jahren durch eine neue Generation von Anwendungssoftware ergänzt, die stärker auf die Außenbeziehungen und Kunden eines Unternehmens ausgerichtet sind - zum Beispiel Sales-Automation-, Data-Warehouse-Systeme etc.

Outsourcing-Anbieter geraten unter Druck

Die zunehmende Komplexität der IT und die immer größere Geschwindigkeit, mit der sie sich verändert, führt zu einem weiteren Wachstum des Outsourcing-Marktes: "Bis 2001 nutzen 75 Prozent aller Firmen selektives IT-Outsourcing als Standardmaßnahme, um ihre Konkurrenzfähigkeit zu erhöhen oder Zugang zu neuen Ressourcen und Fähigkeiten zu erhalten." Dennoch geraten die Outsourcing-Anbieter in den nächsten Jahren laut Gartner gehörig unter Druck: Zum einen genügen viele Dienstleister den in sie gesetzten Erwartungen nicht. Neuverhandlungen über bestehende Verträge sind die Folge. Außerdem dürften die Erwartungen der Anwender gegenüber ihren Service-Anbietern steigen und damit deren Margen besonders bei Großaufträgen drücken.