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13.06.1997 - 

Studie warnt vor dem Kauf bestimmter Compaq-Portables

Gartner Group sieht Krise in der Notebook-Industrie

In einer kürzlich veröffentlichten Studie reagierte die Gartner Group auf eine Vielzahl von Kundenbeschwerden bezüglich der Qualität und Zuverlässigkeit von Compaq-Notebooks der Modellreihen "Armada 4100" und "LTE 5000" (siehe CW Nr. 23 vom 6. Juni 1996, Seite 1: "Gartner warnt vor..."). Eine große Anzahl dieser Rechner sei entweder schon in defektem Zustand ausgeliefert worden oder habe bereits innerhalb der ersten 30 Tage nicht mehr funktioniert. Bei den Rechnern der Baureihe "LTE 5000" hingen die meisten der gemeldeten Probleme mit einem fehlerhaften ROM-BIOS sowie Defekten bei Batterien und Festplattenlaufwerken zusammen.

Noch gravierendere Mängel zählt die Autorin der Studie, Leslie Fiering, bei der "Armada-4100"-Serie auf. Neben defekten Netzteilen und Akkus seien bei dieser Baureihe wiederholt fehlerhafte Hauptplatinen und Docking-Anschlüsse moniert worden. In vielen Fällen, so Fiering, hätten die Armada-Notebooks selbst nach einer Reparatur noch dieselben Fehler oder sogar neue Mängel aufgewiesen.

Aufgrund der Berichte hat die Gartner Group Compaq-Notebooks in ein Monitoring-Programm mit der Bezeichnung "Problem Watch for Quality" aufgenommen. Produkte, die mit diesem Malus versehen sind, prüfen die Marktauguren regelmäßig und besonders gründlich. Schwerwiegende Mängel werden veröffentlicht. In der Studie empfehlen die Analysten, Notebooks vom Typ Armada 4100 gegenwärtig nicht zu kaufen ("Do not buy - this product is currently on problem watch for quality"). Beim Erwerb des Flaggschiffprodukts LTE 5000 rät die Gartner Group zur Vorsicht ("Buy with caution"). Gleiches gilt für neue Notebook-Systeme, die im zweiten und dritten Quartal 1997 ausgeliefert werden. Compaq habe zwar Veränderungen im Systemdesign der Notebooks und im Produktionsprozeß vorgenommen, um die Qualität zu verbessern. Den Beweis, daß diese Maßnahmen fruchten, müsse der Hersteller aber erst noch erbringen.

Compaq-Manager, wie beispielsweise Ted Clark, Vice-President of Marketing für Portables, haben die aufgeführten Mängel bestätigt. Alle Probleme seien aber behoben worden. Nach der Darstellung des Herstellers sind die meisten Defekte bei den LTE-5000-Modellen auf eine falsche ROM-BIOS-Version zurückzuführen. Mit einem Upgrade auf die Version 5.50 ließen sich die Störungen beheben. Der hohe Prozentsatz von Defekten, die wiederholt auftraten, sei darauf zurückzuführen, daß im Fehlerfall oft nur ein Sympton behandelt wurde, also beispielsweise die Festplatte oder die Batterie ausgetauscht worden sei, statt die Ursache zu bekämpfen. Ein weiterer Grund für wiederkehrende Mängel liege bei den Komponenten selbst.

Hier habe es Probleme mit den korrekten Versionsnummern bei Ersatzteilen gegeben. Damit zusammenhängende Prozesse würden verbessert.

Bei den Armada-4100-Rechnern glaubt Compaq ebenfalls an eine Ursache im ROM-BIOS. In Deutschland hat es offensichtlich neben den genannten Mängeln auch Probleme mit der Tastatur gegeben. Wie der Sprecher der deutschen Compaq-Tochter erklärte, habe der Hersteller aber im Rahmen des Serviceprogramms "Healthcheck" kostenlos Schadensbegrenzung geleistet. Nach Angaben von Hartmut Wörrlein, Leiter der Portable Division bei der Compaq Computer GmbH, München, hat das Unternehmen eine Reihe von Armada-4100-Notebooks identifiziert, bei denen mechanische Probleme mit der Tastatur aufgetreten sind. Compaq gehe von sich aus auf betroffene Kunden zu und tausche die Keyboards kostenlos aus. Im Rahmen des Healthcheck-Programms werde auch überprüft, ob die korrekte BIOS-Version aufgespielt sei.

Gartner-Analystin Fiering sieht aufgrund dieser und zahlreicher weiterer Vorfälle, die auch andere Hersteller wie Toshiba oder IBM betreffen, die gesamte Notebook-Industrie in einer Qualitätskrise: "Alle Hersteller haben Qualitätsprobleme, weil sie Laptops möglichst schnell ausliefern, ohne diese ausreichend zu testen." Die Hauptursache für diese Schwierigkeiten seien die kurzen Zyklen, in denen der Branchengigant Intel neue Prozessoren vorstelle. Dadurch reduziere sich der Zeitraum für die Planung und das Testen von neuen Modellen. Verglichen mit Desktop-Systemen erforderten aber gerade Notebooks wesentlich komplexere Testläufe. Größe, Gewicht, Stromverbrauch und thermische Belastungen seien dabei zu optimieren. Auch das BIOS der Portables stelle deutlich höhere Anforderungen an die Entwicklungsabteilungen. Trotz solcher erschwerten Voraussetzungen, so Fiering, könnten es sich die Hersteller nicht leisten, mit der Einführung neuer Notebook-Produkte allzu lange zu warten, da diese nur in den ersten Monaten des Lebenszyklus' hohe Profite abwürfen. Die Anbieter beseitigten deshalb nur die kritischsten Mängel und lieferten dann die Systeme aus.

Steve Ward, General Manager der Abteilung Worldwide Mobile Computing bei IBM, räumt unterdessen Schwierigkeiten ein, schiebt den Schwarzen Peter aber den Anwendern zu: "Es gibt ernste Probleme in der Industrie. Aber das liegt nicht an Intel (...) Unsere Anwender wollen die neuesten und schnellsten Laptops.".

Defekte bei Compaq-Notebooks

Diese Mängel sind wiederholt von Anwendern moniert worden:

Modellreihe LTE 5000:- falsche ROM-BIOS-Version- defekte Batterie- defektes Festplattenlaufwerk

Modellreihe Armada 4100:- defekte Hauptplatine- defektes Netzteil- defekte Batterien- defekte Docking-Anschlüsse- defekte Tastatur (nach Angaben der deutschen Compaq-Tochter)

Augrund dieser Mängel sind Rechner beider Modellreihen laut dem Gartner-Bericht in zahlreichen Fällen entweder schon in defektem Zustand ausgeliefert worden oder haben innerhalb der ersten 30 Tage nicht mehr funktioniert.