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09.11.2001 - 

"Unternehmen müssen jetzt ihr Haus in Ordnung bringen"

Gartner: IT-Markt erholt sich nicht vor 2003

CANNES (wh) - Die Konsolidierung im IT-Markt wird sich bis weit in das Jahr 2003 fortsetzen. Zu dieser düsteren Prognose kommt das US-Marktforschungsinstitut Gartner. Anwender sollten die kommenden zwölf bis 18 Monate dazu nutzen, bestehende IT-Infrastrukturen in Ordnung zu bringen.

"Wir erwarten die nächste Konsolidierungswelle in der IT-Industrie", sagte CEO Michael Fleisher zur Eröffnung des diesjährigen Gartner-Symposiums in Cannes. "Hewlett-Packard und Compaq sind nur der Anfang." Die üblichen Hinweise auf die Terroranschläge in den USA lässt er nicht gelten: "Wir sind schon vor dem 11. September in eine Rezession geschlittert. Das wollte nur niemand zugeben." Nun gehe es da-rum, sich der veränderten Lage anzupassen.

Mit einer nachhaltigen Erholung des IT-Markts sei nicht vor dem Jahr 2003 zu rechnen, setzte Peter Sondergaard, Leiter der Forschungsabteilung bei Gartner, noch eins drauf. Die Anzahl der europäischen Unternehmen, die ihre IT-Budgets in den kommenden zwölf Monaten beschneiden wollen, sei im Jahresvergleich um zehn Prozent gestiegen. Zwar gebe es keine Anhaltspunkte, dass Anwender nach dem 11. September zusätzliche Kürzungen vornähmen. Vorhandene Mittel aber würden verstärkt in sicherheitsrelevante Projekte fließen. Während viele Organisationen weiterhin in ERP- oder SCM-Systeme investierten, sei im Hardwaresektor mit weiteren Einbrüchen zu rechnen.

Die Krise bietet laut Sondergaard aber auch Chancen. Den Zeitraum bis zur prognostizierten Wende in zwölf bis 18 Monaten bezeichnet er als "Gap-Year", das es zu nutzen gelte: "Unternehmen müssen jetzt ihr Haus in Ordnung bringen", riet der Analyst mit Blick auf den Wildwuchs unterschiedlicher IT-Systeme und nicht abgeschlossener Projekte. Der Schlüssel dazu heißt Integration und bezieht sich auf kritische Daten ebenso wie auf Legacy-Systeme und Geschäftsprozesse. E-Business-Projekte hingegen sollten einer gründlichen Prüfung unterzogen werden. Sie müssten insbesondere im Einklang mit den strategischen Unternehmenszielen stehen.

Neue Großprojekte sollten Unternehmen erst in Angriff nehmen, wenn sich bereits getätigte Investitionen nachweislich rechneten, empfiehlt Sondergaard. Der Return on Investment (ROI) eines IT-Projekts lasse sich nur feststellen, wenn das Management auch messbare Ziele einfordere. Eine Vorgabe nach dem Motto, 30 Prozent der Geschäftsaktivitäten online abzuwickeln, reiche dazu nicht aus. Ebenso entspreche der viel zitierte Begriff des Time-to-Market nicht den tatsächlichen Bedürfnissen vieler Unternehmen. Zwar sei dieser Maßstab in der IT-Industrie oft geschäftskritisch. In vielen anderen Bereichen aber gehe es darum, die Qualität von Produkten, Dienstleistungen und Prozessen zu verbessern, um so Kundenbedürfnisse zu befriedigen.

Erfolgsentscheidend dabei ist laut Gartner das Management von Kundenbeziehungen. "CRM ist eine Geschäftsstrategie", postulierte Sondergaard. Doch trotz dieser Einsicht sei Customer-Relationship-Management (CRM) in den meisten europäischen Organisationen nichts als "Phantasie". Lediglich drei Prozent der Unternehmen auf dem alten Kontinent haben Gartner-Erhebungen zufolge eine "echte" CRM-Strategie implementiert. Der Rest arbeite entweder mit Insellösungen auf Abteilungsebene oder verfolge gar keine einschlägigen Aktivitäten. Magere 17 Prozent hätten mehr als ein CRM-Projekt mit anderen IT-Systemen integriert.

Die Anzahl der gescheiterten CRM-Projekte werde innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre sogar auf bis zu 80 Prozent steigen, schätzt Sondergaard. Die Ursachen sind bekannt: mangelnde Unterstützung durch das Topmanagement, unrealistische Ziele und die fehlende Integration von externen und internen Geschäftsprozessen gehören zu den wichtigsten. Unternehmen müssten sich darüber im Klaren sein, dass ein einziger Softwareanbieter nicht alle Probleme lösen könne, so der Analyst. Eine umfassende CRM-Strategie erfordere mindestens 17 funktionale Module.

Zu den anstehenden Hausaufgaben gehört laut Steve Prentice, Leiter der europäischen Gartner-Forschung, auch eine weiter gefasste Sourcing-Strategie. "Alle Aufgaben, die nicht strategisch sind, sollten ausgelagert werden", rät er. Althergebrachte Outsourcing-Verträge hielten den veränderten Marktanforderungen nicht mehr stand. Für IT-Verantwortliche müsse es darum gehen, langfristige Partnerschaften zu entwickeln, um das Kerngeschäft zu stärken. Die dazu erforderlichen Kenntnisse seien in den Unternehmen noch nicht vorhanden. "Wir sind gut darin, Produkte einzukaufen, aber schlecht, wenn es um Services geht." Sourcing auf den verschiedenen Ebenen entwickle sich zu einer Kernkompetenz. Nicht zuletzt müssten künftig Sicherheitskonzepte unternehmensweit geplant und durchgesetzt werden. Dies sei Aufgabe des Topmanagements.

Mit einer derart optimierten IT-Infrastruktur als Grundlage könnten sich Unternehmen schließlich wieder wachstumsorientierten Projekten zuwenden, so die Gartner-Experten - vorausgesetzt, die Konsolidierungsphase sei bis dahin abgeschlossen. Ob dies Ende 2002 oder erst im Laufe des folgenden Jahres der Fall sein wird, lasse sich heute noch nicht voraussehen.

Wie Anwender investieren wollenVon 350 großen europäischen Unternehmen, die den Analysten von Gartner zwischen Juni und August 2001 Rede und Antwort standen, wollen 40 Prozent ihre IT-Ausgaben in den nächsten zwölf Monaten senken. Nur noch 30 Prozent planen, ihre Aufwendungen zu erhöhen. Gartner hat viele dieser Unternehmen nach den Terroranschlägen von New York und Washington ein zweites Mal befragt, die Ergebnisse waren nahezu unverändert.

In den USA gab es im letzten Monat von der CW-Schwesterpublikation "CIO" eine vergleichbare Erhebung. Demnach planen nur 23 Prozent der US-Unternehmen, ihre IT-Budgets in den kommenden zwölf Monaten zu kürzen, 35 Prozent wollen mehr investieren.

"CIO" ermittelte im Oktober 2001 ebenfalls, dass in den kommenden zwölf Monaten die Budgets nach Schätzung amerikanischer IT-Chefs im Mittel um 4,7 Prozent steigen werden. Die Zahl deutet auf eine leichte Entspannung hin, betrug die Wachstumserwartung im September doch nur durchschnittlich 3,7 Prozent. Die Besserung relativiert sich aber, wenn man auf den Sommer zurückblickt, als noch durchschnittlich sechs- bis siebenprozentige Budgetsteigerungen erwartet wurden. Zu Jahresbeginn lag der Wert sogar bei elf Prozent.

Außerdem müssen steigende IT-Budgets nicht bedeuten, dass mehr Hard- und Software angeschafft wird. Es kann sich ebenso um Ausgaben handeln, die nichts mit der Technik zu tun haben - beispielsweise für Personal oder externe Serviceleistungen. Laut "CIO" sanken die Investitionen in Hightech-Güter im dritten Quartal um 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In den beiden vorhergehenden Quartalen waren sie ebenfalls rückläufig.

Vergleicht man die Gartner- und die "CIO"-Zahlen, so wird deutlich, dass die europäischen IT-Verantwortlichen ihre Ausgaben zurzeit stärker beschneiden als ihre US-Kollegen. Dieses Ergebnis überrascht insofern, als europäische Unternehmen ohnehin geringere Beträge aufwenden als Amerikaner.

Wie das "Wall Street Journal" berichtet, decken sich die Gartner-Prognosen für den europäischen Markt mit denen der Investment-Bank Credit Suisse First Boston. Deren Londoner Analyst Paul Smith hatte unlängst festgestellt, dass europäische Unternehmen im Gegensatz zu ihren US-Pendants in schwierigen Zeiten zuerst Werbe- und IT-Kosten senken. In den USA werde aufgrund der aus Unternehmersicht günstigeren arbeitsrechtlichen Lage vorzugsweise an den Personalkosten gespart, indem Mitarbeiter entlassen würden.

Abb: Das IT-Budget

Trotz fortgeschrittener Rezession sind die Amerikaner spendabler in Sachen IT als die Europäer. Quelle: Gartner, CIO