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24.10.1997 - 

Viele System-Management-Projekte scheitern

Gartner-Konferenz zeigt: IT treibt die Weltwirtschaft

Die Analysten hatten eindrucksvolle Zahlen parat, um ihre These zu belegen, die Informationstechnik habe sich zur Triebfeder der Ökonomie entwickelt: Rund 65 Prozent des Geldes, das in den USA durch Börsengänge erlöst wird, fließt in die Kassen von IT-Unternehmen, behauptete Gartner-CEO Manny Fernandez in seiner Eröffnungsrede. Zwar warten Risikokapital-Geber nur darauf, ambitionierte Neueinsteiger auf die Schiene zu setzen, doch wer nicht aufpaßt, wird schnell fallengelassen: Im letzten Jahr mußten 685 IT-Unternehmen die Segel streichen.

Auf der Konferenz erklärten mehrere Redner, daß sich die Informationstechnik zum Wachstumsmotor der US-Wirtschaft entwickelt habe. Bereits heute macht die IT stolze 27 Prozent des amerikanischen Bruttoinlands-Produktes aus. Zum Vergleich: Die Automobilindustrie bringt es auf lediglich vier Prozent.

Durchschnittlich um zwölf Prozent stiegen die IT-Budgets der Anwender - eine Zahl, die allerdings in die Irre führt. Sehr viel Geld müssen Unternehmen aufwenden, um ihre vorhandene Infrastruktur anzupassen. Vor allem die Probleme, die mit dem Wechsel in das Jahr 2000 verbunden sind, wirken sich negativ auf die IT-Budgets aus (siehe Kasten).

Obwohl die IT-Investitionen ständig zunehmen, sind viele Firmen nach wie vor nicht imstande, zu ermitteln, ob sich diese Ausgaben auch wirklich rechnen. Gastredner Michael Dell, Chef des gleichnamigen PC-Herstellers, gab zu bedenken, daß sich der Wert von Information nicht so einfach kalkulieren lasse wie etwa der von Maßnahmen zur Produktionsoptimierung. Es sei aber unbestritten, daß mit Hilfe entsprechender Informationen Lagerkosten gesenkt, Produktionszyklen verkürzt und der komplette Herstellungsprozeß optimiert werden könnten. "Der Umsatz pro Mitarbeiter läßt sich mit einer Rate steigern, die zuvor niemals erzielt wurde", schwärmte Dell. Sein Unternehmen setzt inzwischen täglich rund drei Millionen Dollar mit dem Verkauf von PCs und Servern über das Internet um.

Dells Ausführungen wurden von Rednern großer Anwenderunternehmen gestützt. Joe Farrelly, Topmanager des Lebensmittel- und Keksherstellers Nabisco Corp., berichtete von rasant wachsenden Umsätzen, die mit immer weniger Mitarbeitern erzielt würden.

Alle Lkw-Fahrer bei Nabisco nutzen beispielsweise Handheld-Computer für die Routenplanung und um eine möglichst optimale Auslastung des Fuhrparks zu erzielen. Die konzernweite Auftragsannahme erfolgt elektronisch, E-Mail- und Workflow-Produkte sorgen dafür, daß die Produktionszyklen kurz gehalten werden. Farrelly klagte aber auch über hohe Infrastrukturkosten vor allem im Bereich der Netzwerke, die unerläßlich seien, um die Wunschapplikation nutzen zu können, letztlich aber keinen Return on Investment brächten.

Das Management der IT-Infrastruktur, so zeigte die Konferenz, stellt für viele Unternehmen ein gravierendes Problem dar. Als besonders aufwendig und kostspielig wurde die Einführung von Produkten zur Verwaltung von System- und Anwendungssoftware sowie Netzwerken bezeichnet. Dazu zählen System-Management-Umgebungen wie "Unicenter" von Computer Associates oder "TME" von der IBM-Tochter Tivoli Systems.

Unternehmensweite Lizenzen schlagen oft mit zehn Millionen Dollar und mehr zu Buche. Der unternehmensweite Lösungsansatz sei zur Zeit en vogue, doch drei Viertel der Projekte scheiterten in den ersten anderthalb Jahren, beobachtet Gartner-Analyst Ray Paquet. Anwender haben demnach zuwenig Erfahrung und Fachpersonal, um mit den Werkzeugen umzugehen. Die Kosten für Training, Beratungsleistungen und die Tool-Implementierung stiegen ins Uferlose.

Anwender auf der Veranstaltung gaben Paquet grundsätzlich recht, erklärten aber, daß sich die Ausgaben rentierten, wenn das System-Management-Tool erst einmal erfolgreich implementiert sei. "Wir haben in diesem Jahr die Ausfallzeiten bereits um 24 Prozent reduziert", berichtete TME-Anwender Larry Dial, bei der Barnett Banks Inc. in Florida für die Systemintegration zuständig. Erfolg oder Scheitern komplexer System-Management-Projekte, so erklärte ein anderer Anwender, hänge allein von der Sorgfalt der Planung ab..

Bedrohung 2000

Bill McNee, Vice-President und Research Director der Gartner Group, schockierte in seinem Vortrag die Zuhörer mit Prognosen zum Scheitern von Jahr-2000-Projekten. Die Hälfte aller weltweit installierten Systeme wird demnach nicht vollständig für das neue Jahrtausend gerüstet sein. Allerdings werden viele der nicht komplett umgestellten Programme soweit angepaßt sein, daß ein operationaler Betrieb mit Einschränkungen möglich ist. Bis zum Jahr 2000 sollen rund 22 Prozent der IT-Budgets weltweit für die Anpassung der Jahreszahlen in Anspruch genommen werden. Strategische Projekte werden sich in vielen Fällen verzögern oder die Ambitionen werden zurückgeschraubt.