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14.11.2003 - 

Strategie ist wichtiger als sparen

Gartner predigt Prozessoptimierung mit IT

CANNES (ciw) - Gartner zeigt sich überzeugt, dass IT weiterhin zählt. Die Analysten gehen nicht nur von einer Rückkehr des Wachstums im kommenden Jahr aus, sondern auch von einer bedeutenden Rolle der IT bei der Optimierung und Neugestaltung der Unternehmensprozesse.

"Wer schnell Motorrad fährt, kann ganz kurz die Augen schließen - solange die Straße gerade ist. Kommt aber eine Kurve, bedeutet das den sicheren Tod." Mit diesem drastischen Bild beschrieb Gartner-Chef Michael Fleisher auf dem ITxpo-Kongress in Cannes die Herausforderungen, denen sich IT-Manager in den kommenden Jahren stellen müssen. Glaubt man ihm, stehen den IT-Abteilungen bereits die nächsten großen Aufgaben bevor. Also besser die Augen offen halten. Nach einer langen Periode des Sparens innerhalb der IT und mit der IT sei Informationstechnik langsam wieder gefragt, um Innovationen zu unterstützen und so für Wachstum zu sorgen. Fleisher empfiehlt den CIOs, dabei auf vier Dinge zu achten:

- Prüfen, welche nicht strategischen Elemente sich auslagern lassen;

- Standardisieren der wichtigsten Infrastrukturfunktionen;

- rigoroses Portfolio-Management;

- Hoheit über IT-Architektur und -Planung.

Die Analysten gehen davon aus, dass die IT-Budgets 2004 um durchschnittlich 3,4 Prozent wachsen werden. Das zumindest ist das Resultat einer Befragung unter etwa 2000 CIOs weltweit. Gleichzeitig steigen nach Einschätzung der IT-Executives die Betriebsausgaben der Unternehmen insgesamt um knapp drei Prozent. Im Unterschied zu den Vorjahren, in denen in erster Linie unter Kostenaspekten investiert wurde, fordert Gartner nun eine Verschiebung der Ausgaben hin zu strategischen Investitionen.

Für Westeuropa rechnet Gartner bis 2007 mit einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von 2,8 Prozent. Dabei werden Software mit 5,5 und Services mit 3,7 Prozent am kräftigsten zulegen.

Ursächlich verbunden mit diesen Prognosen sind die von Gartner identifizierten Trends, mit denen sich die IT-Gemeinde in den nächsten Jahren beschäftigen wird:

- IT-Infrastruktur wird virtualisiert.

- Netzwerke konvergieren, Wireless LANs setzen sich durch.

- Die Middleware-Infrastruktur verändert sich und unterstützt das Realtime Enterprise.

- Serviceorientierte Software-Architekturen (SOA) unterstützen Geschäftsprozesse direkter und sorgen für Interoperabilität.

- Offshore-Outsourcing wächst weiter.

- Die Budgets werden von Prozesseignern kontrolliert.

- IT-Governance, -Architektur und Service-Management bilden sich zu wichtigen Investmentfeldern heraus.

- Die nächste Technologiewelle treibt die Nachfrage ab 2006 nach oben.

Migration auf VPNs prüfen

"Wir raten unseren Kunden, die Migration ihrer Telecom-Services auf IP-basierende Virtual Private Networks (VPN) zu prüfen, ihre Desktops zu erneuern und IT-Services tendenziell in Offshore-Länder auszulagern", erklärte Steve Prentice, Gartners Chief of Research. Gerade Applikationsentwicklung und -Management ließen sich gut in diese Länder vergeben. Einige Anbieter in Indien begännen zudem, die Abwicklung ganzer Geschäftsprozesse anzubieten. Insgesamt schätzt Gartner, dass bis 2008 etwa 25 Prozent aller IT-Professionals in den heutigen Schwellenländern arbeiten werden. Offshore-Outsourcing dürfte, so die Analysten, im nächsten Jahr um 40 Prozent zulegen. Den Rat, die Desktop-Systeme jetzt zu erneuern, begründet Gartner vor allem mit den zurzeit sehr günstigen Preisen.

Ebenfalls kümmern sollten sich Anwender um die PC-Virtualisierung und Web-Services. "In Großunternehmen werden ab 2004 Web-Services die vorherrschende Art sein, neue Applikationen zu implementieren", prognostiziert Prentice. Sichere Web-Services werden ab 2005 allgemein verfügbar sein, ergänzte der Gartner-Mann. Für zunächst weniger relevant hält er On Demand Computing, 3G-Netze, 64 Bit auf dem Desktop, Grids und künstliche Intelligenz.

Prozesse sind die Herausforderung

Gartner warnte, dass die IT, wenn sie sich auf kurzfristige Automatisierungsvorhaben beschränken lasse, immer weniger zum Geschäftserfolg beitragen werde. Die Herausforderung für die IT liege darin, komplette wertschöpfende Prozesse inklusive der untergeordneten Teilprozesse (End-to-End-Prozess) geschlossen zu unterstützen. Simon Hayward, Gartner Fellow und Vice President, erklärte: "Mit einer Rückbesinnung auf die Geschäftsprozesse, die neuen entstehenden Softwareplattformen und -architekturen ist diese Aufgabe zu bewältigen." Gartner hat dafür den Begriff der Business Process Fusion geprägt. "In Zukunft geht es nicht mehr um die Automatisierung existierender Prozesse mit IT oder darum, mehr mit weniger Mitteleinsatz zu erreichen. Es geht darum, die Prozesse eines Unternehmens zu transformieren", sagte Hayward weiter.

Diese Transformation helfe Unternehmen, sich zu Realtime-Enterprises zu entwickeln. Wie echtzeitig ein Unternehmen ist, bemisst sich daran, wie viel Zeit zwischen einem Ereignis und der Reaktion darauf verstreicht. Je effektiver die Prozesse eines Unternehmens gestaltet sind, desto schneller erfolgt die Reaktion.

Bisher haben weder Anwender noch Anbieter von Applikationen in solchen Kategorien gedacht. "Erst durch die Reife bestimmter Technologien wie XML, Soap, Java und andere rücken solche prozessorientierten Applikationen in den Bereich des Möglichen", erklärt Gartner Research Director Mark Raskino.

Software wird flexibler

Um die Chancen wahrzunehmen, die Business Process Fusion bietet, muss sich allerdings auch die Software verändern. Raskino geht davon aus, dass "Applikationen modularer" werden als heute. "Die Module innerhalb einer Software müssen an verschiedenen Stellen eingebaut werden können, je nachdem, wo sie gebraucht werden. Das geht heute noch nicht ohne weiteres. Ein Beispiel dafür, wie Software Business Process Fusion unterstützen kann, gibt die SAP mit Netweaver und ihren Xapps", meint Raskino. Research-Director Matt Hotle zufolge ist das erst der Anfang. Die neuen Applikationen weisen zwei Charakteristika auf. Sie basieren auf einer serviceorientierten Architektur und sie werden Prozesse verbinden, die "natürlicherweise" zusammengehören. Anwender und Anbieter müssen diese Charakteristika in ihrer Architektur, der Infrastruktur und den Applikationen selbst berücksichtigen. Deshalb dürften die meisten Hersteller ihre Plattformen und Applikationen neu designen.

Marktkonzentration geht weiter

Hotle geht davon aus, dass bis 2006 auch die meisten IT-konservativen Anwender entsprechende Infrastrukturen und Architekturen aufgebaut haben und beginnen werden, prozessorientierte Applikationen zu implementieren.

Die Anbieter in diesen entstehenden Märkten werden zum Teil die alten sein. Vor allem die großen Generalisten - Gartner nennt sie Megapackage-Vendors - werden versuchen, ihren Anteil am IT-Budget der Anwender zu erhöhen. Am breitesten aufgestellt scheint den Analysten die IBM, die außer im Bereich kommerzieller Standardsoftware überall vertreten ist. Ebenfalls gute Chancen, mehr von den Investitionen der Kunden zu bekommen, haben Microsoft, Oracle und SAP. Hier wird Gartner erfreulich konkret.

- Oracle verliert im Small-and-Medium-Enterprise-(SME-)Markt, weil es nicht mit Microsoft konkurrieren kann. Im Unternehmensmarkt, der sich in Richtung serviceorientierter Strukturen entwickelt, wirkt sich das durch die Datenbank bestimmte Geschäftsmodell von Oracle nachteilig aus.

- SAP legt zu, solange sie nicht mit IBM konkurriert. Außerhalb ihrer Kundenbasis wird SAP weitgehend erfolglos versuchen, andere etablierte Anbieter zu ersetzen.

- IBM wird im Enterprise-Geschäft stark expandieren. Big Blue hat die Ressourcen und die Größe, um seine Kundschaft mit SOA sowie entsprechenden Dienstleistungen und weiteren Produkten zu versorgen.

- Microsoft werde sich dagegen auf Enterprise-Ebene schwer tun, aber im Mittelstandsgeschäft viel gewinnen. Vor allem Linux dürfte sich besonders außerhalb der USA als robuste Alternative zum Microsoft-Angebot entwickeln. Doch unterm Strich bleibt Microsoft sehr mächtig und IBMs größter Konkurrent.

- Die Unabhängigen können gegen die Markenmacht, die finanziellen Ressourcen und die installierte Basis der Giganten nicht bestehen. Einige gute Anbieter werden von den Riesen aufgekauft, andere werden miteinander um Marktanteile kämpfen. "2005 werden 50 Prozent weniger Anbieter auf dem Markt aktiv sein als im Jahr 2000", rechnete Analystin Kathy Harris vor. Gartner rechnet damit, dass 80 Prozent der Applikationsmärkte, die heute existieren, bis 2007 in die Angebote der Großanbieter integriert sein werden.

Christoph Witte, cwitte@computerwoche.de