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12.07.1996 - 

Microsoft hat gute Chancen im Internet-Rennen

Gartner prophezeit Suns Java das Schicksal von Unix

Von seiner akademischen Frühzeit als Medium für textbasierte E-Mail und Newsgroups wandelte sich das Internet in den letzten Jahren zum grafisch orientierten World Wide Web (WWW) mit Client-Server-Technologie und entpuppte sich als Applikationsplattform, wenn auch nur im Sinne des Electronic Publishing.

Allerdings blieb die Entwicklung dabei nicht stehen, mittlerweile ist das globale Netz auf dem besten Weg zur Allzweckplattform. Unter diesem neuen Vorzeichen wird für die Analysten der Gartner Group die Unterstützung durch unabhängige Softwarehäuser immer wichtiger. Ihnen kommt letztlich die Aufgabe zu, die internen IT-Systeme an die neuen, durch Internet-Technologien geprägten DV-Plattformen anzupassen.

Unter einer Plattform versteht die Gartner Group in diesem Zusammenhang einen Satz an APIs, der Software-Entwicklern nützliche Funktionen bereitstellt. Gartner zählt hierzu unter anderem Standardsoftware Interrupts, Calls und Datenformate, die die Kommunikation zwischen verschiedenen Applikationen ermöglichen.

Bisher ließ sich zwischen zwei Bereichen unterscheiden: Auf der einen Seite gabe es die diversen Desktop-Ansätze wie Microsofts Windows mit seinen Office-Produkten, IBMs OS/2 sowie die Apple-Welt. Auf der anderen Seite im Server-Bereich hatten sich Umgebungen wie Unix, Mainframe-Betriebssysteme sowie Windows NT und Back Office etabliert.

Diese relativ starre Trennung verwischt nun laut Gartner mit dem Aufkommen der "Internet-Plattformen", die sowohl auf Client- wie auch auf Server-Ebene angesiedelt sind. Entsprechend müssen für beide Seiten Mechanismen zur Kommunikation bereitgestellt werden. Auch wenn hierzu ein einheitliches Programmier- und Entwicklungsmodell für Clients und Server nicht unbedingt erforderlich ist, geben die Autoren von "Inside Gartner Group" einem ganzheitlichen Ansatz die größeren Erfolgsaussichten.

Folgende sieben Punkte entscheiden in den Augen der Gartner Group über den Erfolg oder Mißerfolg einer Internet-Plattform:

-Kompatibilität und Interoperabilität mit bestehenden Umgebungen,

-Umfang und Konsistenz der bereitgestellten Funktionen,

-ISV-Unterstützung,

-Offenheit,

-Vertrauen in bestimmte Technologien wie Java oder Network-Computer,

-Hardwareunabhängigkeit sowie

-Transparenz des darunterliegenden Computermodells.

Derzeit zählt Gartner fünf Internet-Plattformen, von denen allerdings nur zwei Systeme bis Ende 1997 die Gunst der Käufer in größerem Umfang finden werden.

Dabei stufen die Analysten mit einer Wahrscheinlichkeit von 70 Prozent die Gates-Company als Sieger ein. Die "Internet Platform", wie das Unternehmen seine Bemühungen bezeichnet, basiert im weitesten Sinne auf einer Weiterentwicklung von Microsofts Desktop- und Server-Ansätzen unter Ausbau der bereits bestehenden OLE-Infrastruktur. Eine Bewertung dieser Strategie und der Projekte der anderen Hersteller finden Sie im nebenstehenden Kasten.

Den zweiten Platz auf dem Internet-Treppchen sprechen die Analysten der Netscape Inc. zu. Wesentlicher Bestandteil der Umgebung ist Gartner zufolge die Weiterentwicklung des eigenen Web-Browsers mit proprietären Erweiterungen wie Zusatzfunktionen für die Hypertext Markup Language (HTML). Zur weiteren Basis der Netscape-Strategie sind die diversen Server-Technologien und Erweiterungen wie das Netscape-API zu zählen. Java dagegen zählt, obwohl sie in Netscapes Produkten eine wichtige Rolle spielt, nicht zu den fundamentalen Elementen des Internet-Gesamtkonzeptes.

Erst an dritter Stelle sehen die Marktbeobachter Suns Java-Plattform. Zwar ist die Aufnahme von Java in einen Plattformvergleich derzeit noch mit Vorsicht zu genießen, da Suns Wunderkind bisher mehr eine Programmiersprache und Ablaufumgebung für Java-Applikationen ist. So fehle dem Produkt heute noch eine Reihe von Funktionen, die eine echte Plattform auszeichnen. Auch wenn Sun an diesen offenen Fragen arbeitet, zweifeln die Analysten am Java-Erfolg, denn sie sehen die Konsistenz der Umgebung gefährdet. Aufgrund der zahlreichen Lizenzen, die das Unternehmen vergab, rechnet Gartner damit, daß Java das gleiche Schicksal wie Unix ereilt. Entsprechend hoch mit 70 Prozent bewerten die Branchenbeobachter die Wahrscheinlichkeit einer "Unixierung" von Java, also des Aufkommens verschiedener, nicht zueinander kompatibler Varianten.

Zurückhaltend schätzt die Gartner Group IBMs Chancen ein, Lotus Notes als Internet-Architektur zu etablieren. Nach Ansicht der Analysten hat der Internet-Rummel der Groupware geschadet, die zuvor die vielversprechendste Alternative im Kampf mit Microsoft war. Das Gespann IBM/Lotus habe es nicht geschafft, eine eigene Vision zu entwickeln. In IBMs Bemühungen erkennt Gartner nur ein Ziel: Notes Stellung als Marktführer bei den Collaborative Workgroups zu verteidigen.

Abgeschlagen landet schließlich Oracles Network Computer mit den entsprechenden Server-Erweiterungen im Web-Server auf dem letzten Platz. Diese Komponenten bilden die Grundlage von Oracles Internet-Konzept. Zwar spielt Java dort eine wichtige Rolle, ist aber nicht die Basis der Unternehmensstrategie.

Auffallend ist, daß alle Unternehmen Java in ihre Strategie einbeziehen. Unterschiedlich ist jedoch die Art und Weise, wie Netscape, Oracle und Sun die Java-Infrastruktur verwenden wollen. Während Sun versucht, um die eigene Sprache eine komplette Plattform aufzubauen, sehen Netscape und Oracle sie lediglich als eines von mehreren Elementen ihrer Konzeption. Einer der Gründe hierfür mag in den unterschiedlichen Business-Modellen der drei Hersteller liegen. Zwar arbeiten sie alle mit Java, bieten jedoch unterschiedliche Erweiterungen und APIs an. Damit verspielt das Trio nach Meinung der Gartner Group seine Chance, Microsoft Paroli zu bieten.

Die vorhandene oder fehlende Kompatibilität der einzelnen Java-Implementierungen dürfte mit den mittelfristig zu erwartenden neuen Anwendungsszenarien an Bedeutung gewinnen. Spielt diese Frage heute für das primäre Einsatzgebiet als GUI-Erweiterung noch eine untergeordnete Rolle, so gewinnt das Problem an Relevanz, wenn Entwickler via Java Datenbankzugriffe, Remote Procedure Calls oder Server-Zugriffe realisieren wollen.

Internet-Plattformen

Auf ihre Stärken und Schwächen hat die Gartner Group die Internet-Ansätze von Microsoft, Netscape, Sun, IBM und Oracle untersucht.

Microsoft

Stärken: ISV-Unterstützung, Transparenz des Computing-Modells, Position im Desktop-Bereich

Schwächen: Hardware-Abhängigkeit von Intel und fehlende Offenheit

Netscape

Stärken: Marktführer bei Internet-Browsern, wachsende Unterstützung durch ISVs, Potential eines transparenten Computing-Modells

Schwächen: Fehlende und inkonsistente Funktionen, ist auf eine einheitliche Java-Umgebung angewiesen

Sun Java

Stärken: Bereits starke Position im Unix- und Internet-Bereich, wachsende Unterstützung durch Dritte

Schwächen: Vollständigkeit und Konsistenz der bereitgestellten Funktionen, Fokus auf das Network-Computer-Modell, auf einheitliche Java-Umgebung angewiesen

IBM/Lotus Notes

Stärken: Führungsposition im Workgroup-Computing, Kompatibilität und Interoperabilität mit einer großen installierten Basis

Schwächen: Begrenzte Vision, kaum Unterstützung durch ISVs

Oracles Network Computer

Stärken: Erfahrung im Bereich relationale Datenbanken

Schwächen: starke Fokussierung auf das Konzept der Network Computer, begrenzte Vision.