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18.10.1996 - 

Rivalitäten der Internet-Giganten begleiten Kongreß

Gartner sieht Vorsprung für das Wintel-Lager

Die sogenannte Wintel-Server-Plattform wird sich dank einer rasant steigenden Prozessorleistung und der Weiterentwicklung von SMP-Architekturen (SMP = Symmetrisches Multiprocessing) durchsetzen, prophezeite William Malik, Vice-President und Spezialist für Rechnerarchitekturen und Betriebssysteme. Der Experte der Gartner Group geht davon aus, daß 1999 mehr als eine Million Wintel-Server-Systeme verkauft sein werden. Im Jahr 2000 schließlich kämen mehr Wintel-Server zum Einsatz als AS/400-Rechner. Für die IBM-Midrange-Maschine bedeute dies zwar ebensowenig das Ende wie für die Mainframes - beide würden aber in Nischenmärkte abgedrängt.

Thin Clients sind zur Zeit en vogue - daß sie sich aber als Endgeräte auf breiter Front durchsetzen können, ist nach Ansicht des Gartner-Spezialisten keineswegs ausgemacht. Geräte in der Preisklasse zwischen 500 und 1500 Dollar, die sich ihre Daten und Anwendungen aus dem Netz ziehen, werden laut Malik im Jahr 2001 einen Marktanteil von zirka 20 Prozent erobert haben. Als vollwertiger, flächendeckend nutzbarer Ersatz für PCs seien die Leichtgewichte aufgrund der fehlenden Netzbandbreite vorläufig nicht geeignet.

Auch mit dem Thema Objektorientierung beschäftigte sich der Research Director. Mehr als 60 Prozent aller neuen Anwendungen, die in den nächsten fünf Jahren entstehen, werden seiner Ansicht nach aus Komponenten-Bibliotheken und Applets assembliert - also nicht mehr komplett neu geschrieben. Unternehmen gingen dazu über, keine komplexen Client-Server-Anwendungspakete mehr zu kaufen. Statt dessen kämen Frameworks zum Einsatz, die je nach Anforderung flexibel mit fertigen Komponenten und Applets bestückt werden.

Die Gartner-Veranstaltung stand nicht nur im Zeichen von Marktzahlen und Prognosen. Interesse fanden einmal mehr die Wortgefechte zwischen den Herstellern, an denen in diesem Fall Branchengrößen wie Microsoft-Gründer Bill Gates, Netscape-CEO Jim Barksdale sowie AOL-Chef Steve Case beteiligt waren. Barksdale meinte, zur Zeit würden im Bereich der Internet-Standardisierung einige "Spielchen gespielt". Dabei ging der Netscape-Mann aber nicht näher auf die Entscheidung von Microsoft ein, die Objekttechnik Active X zu Standardisierungszwecken an The Open Group abzugeben.

Er warnte jedoch: "Wenn gewisse Leute diese Standards dominieren, werden sich die Chancen, die das Internet jedem einzelnen bietet, signifikant verschlechtern. Wir werden darüber wachen." Bill Gates hielt dem entgegen, daß es keinem einzelnen Unternehmen gelingen werde, Internet-Standards zu bestimmen. Microsoft wisse dies und unternehme beispielsweise keinerlei Veränderungen an der Hypertext Markup Language (HTML) - man unterstütze sogar die Netscape-Plug-ins. Für Anbieter wie Microsoft komme es darauf an, zu erkennen, wo man den gängigen Standards eigene Werte hinzufügen könne.

AOL geht schweren Zeiten entgegen

Barksdale sprach sich auf der Veranstaltung auch gegen jeden staatlichen Eingriff in die Internet-Welt aus. Prompt wurde er gefragt, wie sich diese Haltung mit der Klage vereinbaren lasse, die Netscape wegen wettbewerbswidriger Geschäftspraktiken gegen Microsoft angestrengt habe. Daraufhin erklärte der Gates-Widersacher: "Alles, was wir fordern, ist die Einhaltung geltenden Rechts." Da Microsoft den Betriebssystem-Markt nach Belieben beherrsche, müßten die Browser-Taktiken des Softwaregiganten unbedingt genau beobachtet werden.

Als Vermittler zwischen den Kontrahenten trat Steve Case auf, CEO von America Online (AOL). Seiner Ansicht nach ist die Aufregung überflüssig, sowohl Microsoft als auch Netscape gingen im Web-Markt einer glänzenden Zukunft entgegen. Die Produktpaletten überschnitten sich nur teilweise, in einigen Bereichen ergänzten sie sich auch. "Es ist für alle besser, wenn keiner der Anbieter 80 oder 90 Prozent des Marktes kontrolliert", meinte Case.

Ungewöhnlich freundschaftlich ging der AOL-Chef mit Bill Gates um. Gemeinsam feierten beide die Entscheidung, Microsofts "Internet Explorer" als Default-Browser in den Online-Dienst zu integrieren. De facto muß sich AOL jedoch erhebliche Sorgen machen: Mit der neuen Version des Online-Dienstes Microsoft Network (MSN) verfolgt Gates eindeutig das Ziel, dem Erzrivalen Marktanteile abzunehmen(siehe nebenstehenden Artikel).

Auch ohne den Wettbewerber aus Redmond geht AOL schweren Zeiten entgegen: Der Börsenkurs, der Mitte des Jahres noch bei rund 70 Dollar lag, ist deutlich unter die 30-Dollar-Grenze gerutscht. Dem Online-Dienst macht die hohe Fluktuation unter den Mitgliedern und der starke Konkurrenzdruck durch das Internet zur Zeit schwer zu schaffen.