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27.08.1999 - 

Deutsche Behörden und mittelständische Unternehmen noch gefährdet

Gartner: Teilentwarnung beim Jahr-2000-Problem

MÜNCHEN (jm) - Einige Länder, zu denen auch die Bundesrepublik Deutschland zählt, haben laut einem Statusbericht der Gartner Group erhebliche Fortschritte bei der Vor- bereitung auf das Jahr-2000-Problem gemacht. Doch die offiziellen Angaben werden vom Marktforschungsinstitut selbst kritisch kommentiert.

Die Gartner Group hatte in der Vergangenheit bereits zweimal Berichte zum weltweiten Stand der Jahr-2000-Vorbereitungen im Auftrag des US-Senats veröffentlicht, letztmalig am 5. März 1999. In ihrer aktuellen und nach eigenen Aussagen letzten Bestandsaufnahme vom 17. August heben die sechs Autoren zweierlei hervor: Einerseits konnten verschiedene Nationen die Vorbereitungen auf die Datumsumstellung besonders erfolgreich vorantreiben. Hierzu zählt auch Deutschland, das in den beiden vorherigen Berichten sehr kritisch beurteilt worden war. Mittlerweile sei kein einziges Land völlig untätig geblieben. Verschiedene Industriesegmente wie etwa das Krankenhauswesen, Versicherungen, die Medizintechnikbranche oder Regierungsbehörden hätten ihr Risiko "signifikant" senken können.

"In unserem aktuellen Report machen wir andererseits aber ganz deutlich: Einige der geradezu spektakulären Fortschritte in verschiedenen Ländern sind lediglich darauf zurückzuführen, daß es sich bei diesen Ergebnissen um Selbstaussagen handelt", erklärte Gartner-Analyst und Mitautor Andy Kyte. Auf dieser Basis würden beim Vergleich mit den Ergebnissen von 1997 und 1998 jedoch Verbesserungen deutlich. Seinerzeit hätten sich deutsche Unternehmen wegen des Jahr-2000-Problems weder beunruhigt gezeigt noch irgendetwas unternommen. Kyte: "Sie waren nicht einmal beunruhigt darüber, nicht beunruhigt zu sein."

Die jetzt vorgelegten offiziellen Gartner-Ergebnisse sind allerdings nur ein Teil der Wahrheit. Im Gespräch mit der CW offenbarte Kyte erhebliche Zweifel an der Jahr-2000-Fähigkeit der DV in deutschen Behörden und Unternehmen.

Die nur auf Eigenaussagen der Firmen beruhenden Berichte würden zwar den Eindruck erwecken, als ob deutsche Firmen erhebliche Fortschritte bei ihren Y2K-Bemühungen gemacht hätten. Insbesondere bei Regierungs- und kommunalen Behörden zweifelt der Analyst die eigenen Ergebnisse an: "Erhebliche Bedenken haben wir auch, ob mittelständische Unternehmen in Deutschland den Datumswechsel unbeschadet überstehen werden." Bei kleinen Unternehmen sehe Gartner weniger Probleme, "weil deren Abhängigkeit von DV-Technologien in der Regel relativ gering ist".

1999 hätten deutsche Unternehmen das Y2K-Problem nun endlich als solches wahrgenommen und entsprechende Aktivitäten entfaltet. Dieses Engagement sei aber wohl vor allem von außen eingeleitet worden. "Die Haltung deutscher Unternehmen zum Y2K-Problem ist nämlich insbesondere bei überseeischen Handelspartnern und Kunden ganz schlecht angekommen."

Kyte bemängelt, daß, anders als etwa in Frankreich oder den Niederlanden, "die politischen Signale von höchster Ebene bezüglich des Jahr-2000-Problems in der Regel in Deutschland sehr unterentwickelt waren".

Der Analyst wirft der Schröder-Regierung indirekt eine behindernde Haltung bei der Behandlung des Y2K-Problems vor. So habe bei der EU-Konferenz in Wien im Dezember 1998 die EU-Kommission erwartet, daß zur Lösung des Jahr-2000-Problems im Januar 1999 ein Sonderprogramm installiert werden würde. Die Kommission habe sogar bereits entsprechende Pressemitteilungen vorbereitet. Solch ein Programm sei dann aber nie ins Leben gerufen worden. "Uns vorliegende Informationen legen nahe, daß das ausschließlich am Widerstand Deutschlands gescheitert ist", so Kyte. Unter der deutschen EU-Präsidentschaft habe sich die Regierung Schröder geweigert, das Thema Jahr 2000 in die Agenda aufzunehmen.