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22.08.2005

Gartners Konkurrenz formiert sich

Das Marktforschungshaus Forrester kooperiert mit dem Benchmarking-Spezialisten Maturity. Zu einer festen Partnerschaft konnten sich beide nicht durchringen.

Mit Hilfe des Benchmarking-Spezialisten Maturity tritt Forrester künftig gegen Marktführer Gartner an. Der Forrester-Konkurrent hat im April 2005 die Meta Group übernommen und sich damit als Nutznießer der Konsolidierung im Geschäft mit Marktforschung und Advisory-Diensten erwiesen. "Es gibt einen wachsenden Markt an Aufträgen, in denen sowohl Research als auch Benchmarking gefragt ist", räumt Markus Walter, Sales Director bei Forrester Research, ein. "Die Anwender sind verwöhnt", pflichtet Thomas Karg, geschäftsführender Gesellschafter der Maturity Consulting GmbH in München, bei. "Sie wollen vom Benchmarking-Anbieter nicht nur eine Erhebung der Ist-Daten im Vergleich zu anderen Unternehmen, sondern darüber hinaus eine Analyse der aktuellen Anbieterlandschaft von einem anerkannten Research-Unternehmen."

Hier lesen Sie …

• warum Forrester und Maturity kooperieren;

• welche Rolle die Marktforscher in der Partnerschaft übernehmen;

• wo die Stärken des Benchmarking-Spezialisten liegen;

• wie beide Seiten gemeinsam im Markt auftreten wollen.

Das Geschäft mit IT-Marktforschung

Weltweit haben Unternehmen im Jahr 2003 rund 2,5 Milliarden Dollar für IT-bezogene Marktforschung ausgegeben. Die Erhebung stammt von Forrester. In den 90er Jahren konnten die Research-Unternehmen mit Prognosen über Techniktrends und Marktentwicklungen noch Zuwachsraten von 30 Prozent und mehr verzeichnen, diese Zeiten sind jedoch vorbei. Derzeit stagnieren die Einnahmen, und das Geschäft konsolidiert sich. Sichtbarstes Zeichen dafür ist die im April 2005 abgeschlossene Übernahme der Meta Group durch Gartner für 162 Millionen Dollar. Darüber hinaus wurde etwa die Butler Group von Datamonitor und die Giga Information Group von Forrester übernommen. Die Analysten des kalifornischen Hauses Outsell, die das Geschäft mit Marktforschung beobachten, sehen das Ende der Konsolidierung noch nicht erreicht.

Mehr zum Thema

www.computerwoche.de/go/

*77711: Ex-Meta-Group-Mitarbeiter betreiben neues Beratungshaus;

*76878: Gartner schluckt die Meta Group;

*71195: Schwere Zeiten für Marktforscher.

Forrester und Maturity treten gegen Gartner an

Gartner Meta Group Forrester Maturity

Umsatz 893,8 Mio. Dollar 141,5 Mio. Dollar 138,5 Mio. Dollar 4,4 Mio. Euro

Gewinn 16,9 Mio. Dollar keine Angaben 4,1 Mio. Dollar keine Angaben

Mitarbeiter weltweit 3625 630 593 36

Mitarbeiter in 80 55 zirka 22 21 Deutschland

Portfolio Research, Advisory, Research, Research, Benchmarking Consulting, Veranstal- Consulting, Advisory tungen, Executive- Benchmarking Programme

Mit der Übernahme der Meta Group vergrößert Gartner den Abstand zur Konkurrenz. Die Daten beziehen sich jeweils auf das Jahr 2004. Für das laufende Jahr rechnet Gartner mit einem Umsatz von rund einer Milliarde Dollar.

Gartner konnte dieser Nachfrage nach Komplettpaketen auch ohne die übernommene Meta Group nachkommen. Die Akquisition zielte lediglich darauf ab, einen Konkurrenten zu schlucken, dessen Kundenstamm zu übernehmen und die weltweite Präsenz ein wenig zu verbessern. Dagegen ist das Portfolio von Forrester auf Research und Advisory beschränkt. Mit der Maturity-Kooperation hoffen die Partner nun, der umfassenden Produktpalette Gartners ein eigenes, breit angelegtes Leistungsspektrum entgegenzustellen.

Bislang konzentrierte sich Forrester auf die Marktforschung in den Bereichen Marketing, IT-Strategien und Informationstechnik. Zu den Leistungen zählen nicht nur Erhebungen über die Umsatzentwicklung in einzelnen Marktsegmenten, sondern auch kundenspezifische Einschätzungen der IT-Anforderungen, denen sich die Anwender in den kommenden Jahren stellen müssen. Im Rahmen derartiger Advisory-Projekte analysieren die Experten für ihre Kunden die aktuelle Anbieterlandschaft, um ihnen bei Kaufentscheidungen zu helfen. Das dafür erforderliche Wissen im IT-Markt hat sich Forrester mit der Übernahme der Giga Information Group im Mai 2003 erkauft.

Forresters Präsenz in Deutschland ist schwach

Forrester hat in der gleichen Liga wie die Meta Group gespielt. Beide Kontrahenten hatten eine vergleichbare Größe und Mitarbeiterzahl, wobei Meta Group über eine deutlich bessere Präsenz in Deutschland verfügte und vor allem hierzulande mehr Beratungsleistungen anbieten konnte. Forrester unterhält seit rund drei Jahren ein Büro in Deutschland und beschäftigt hier etwa 22 Mitarbeiter.

Die dürftige Präsenz in einem der wichtigsten europäischen Märkte war ein wichtiger Grund für die Kooperation mit Maturity. Das auf Benchmarking spezialisierte Haus wurde 2001 gegründet und hat derzeit rund 36 Mitarbeiter vornehmlich in Deutschland unter Vertrag.

Zehn gemeinsame Projekte laufen bereits

Die Experten haben Karg und sein Partner Hubert Buchmann vornehmlich von Gartner und dem Benchmarking-Anbieter Compass abgeworben, womit auch die wichtigsten Konkurrenten genannt wären. "US-amerikanische Firmen neigen dazu, eine Lösung für alle Probleme anzuwenden. Sie greifen dabei auf die in den USA entwickelten Methoden zurück, doch insbesondere im Benchmarking gibt es länderspezifische Anforderungen", kritisiert Karg mit Blick auf Gartner.

Das Maturity-Angebot richtet sich an große Firmen. Zumeist haben die Kunden ihren Hauptsitz in Deutschland, sind aber international tätig. Büros unterhält der Anbieter in London, Amsterdam, Wien und Zürich, doch für eine weltweite Betreuung der eigenen Klientel ist dies zu wenig. "Darum ergibt es Sinn, künftig mit Forrester zusammenzuarbeiten", erläutert Karg.

Offiziell besteht die Partnerschaft zwischen den beiden Häusern bereits seit Jahresanfang, öffentlich wurde sie vor einigen Wochen. In rund zehn Projekten arbeitet man bereits gemeinsam. Beispielhaft ist etwa ein Vorhaben zur Erweiterung eines vorhandenen SAP-Systems in einer großen europäischen Bank. Dort standen die hausinternen IT-Verantwortlichen vor der Aufgabe, die vorhandene SAP-Installation zu überarbeiten, waren sich aber unsicher, ob das Altsystem möglicherweise überdimensioniert ausgelegt und die SAP-Lösung überhaupt die geeignete Plattform für die Zukunft sei. "Die Bank benötigte Vergleichszahlen aus anderen Instituten, die sich ähnlichen Aufgaben gegenübersahen, und Trendanalysen über die künftige Entwicklung der Anbieter und Techniken", schildert Forrester-Manager Walter. Die Vergleichszahlen lieferte Maturity, Prognosen über die Entwicklung der Anbieterlandschaft steuerte Forrester bei.

Erhebliches Potenzial versprechen sich die Partner vom anhaltenden Auslagerungsinteresse der Anwender, insbesondere von deren Vorliebe für das selektive Outsourcing. Auch hier können sie ihre Kooperation in die Waagschale werfen, indem Maturity den Anwendern sagt, was die einzelnen Services kosten dürfen, und Forrester die für das jeweilige Unternehmen geeigneten Dienstleister nennt.

Die Partner schließen eine finanzielle Beteiligung aus

"Wir wollen keine feste Liaison", betont Karg. Ein Benchmarker, so seine Erklärung, kenne aufgrund seiner Analysen die Schwachstellen des Kundenunternehmens sehr genau. Viele Anwender bevorzugten daher Spezialisten, die keine Research-, Advisory- und Consulting-Projekte in den Bereichen anstrebten, in denen sie zuvor Mängel aufgedeckt haben.

Andererseits ist die Symbiose durchaus erwünscht, immerhin schätzt Karg, dass heute bereits rund 30 bis 35 Prozent der eigenen Aufgaben mit Research-Projekten kombiniert werden. Um auch künftig eine enge Zusammenarbeit der Benchmarking-Spezialisten mit den Marktforschern zu gewährleisten, werden Forrester und Maturity einige ihrer Niederlassungen zusammenführen. "Der Benchmarking-Spezialist kann mit dem Research-Analyst eine Symbiose bilden", erläutert Forrester-Manager Walter. "Gemeinsam können sie auf Basis der im Anwenderunternehmen erhobenen Daten überlegen, welche individuellen Research-Projekte sie aufsetzen können." Forrester-Mitarbeiter, so glaubt Walter, könnten aus den oftmals nackten Benchmarking-Daten Handlungsempfehlungen entwickeln. Man könne gegenüber den Kunden gewährleisten, dass mit den vom Benchmarker gefundenen Ergebnissen weitergearbeitet werde.

Fazit

So schwankt die Partnerschaft allerdings zwischen enger Kooperation und eigenständigem Geschäft. In Teilbereichen wollen beide Anbieter gemeinsam auf Kunden zugehen, in anderen Segmenten getrennt arbeiten. Ob dieses lockere Band von Dauer ist, bleibt fraglich, zu viele in der Vergangenheit angekündigte Partnerschaften sind im Sand verlaufen. Natürlich kann das Bündnis helfen, die jeweiligen Defizite etwa in der regionalen Präsenz und im Portfolio zu beheben. Ob diese Form der Zusammenarbeit ausreicht, dem weltweit aufgestellten und mit breitem Leistungsangebot ausgestatteten Konkurrenten die Stirn zu bieten, bleibt abzuwarten. Dem Markt dürfte eine zweite Kraft neben dem Platzhirsch gut tun. Gartner ist für Apothekenpreise bekannt.