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21.03.1997

Gastkommentar

Ein Plädoyer für selbstorganisierende Projekte ist fällig. Denn obwohl die Computerindustrie zu den innovativsten Branchen des real existierenden Spätkapitalismus gehört, werden DV-Projekte immer noch nach veralteten Methoden geführt. 25 Jahre CASE und die Anstrengungen, die Software-Entwicklung rational zu steuern, liefern ein ernüchterndes Ergebnis: Die meisten Projekte scheitern. Die Gründe liegen in ihrer fachlichen und technischen Komplexität. Versuche, diese Vielschichtigkeit zu reduzieren und das System in einzelne Teile zu zerlegen, führen zu keinem Ergebnis, denn sie kommt unweigerlich durch die Hintertür wieder herein: Das Puzzle muß zusammengesetzt werden.

Projekte für komplexe Softwaresysteme sind nicht auf herkömmliche Art beherrschbar. Die Arbeitsziele können häufig erst am Ende des Projektes klarwerden; die traditionellen Organisationsverfahren funktionieren jedoch nur bei von Beginn an festen Zielen, bei Softwareprojekten schaden sie bloß. Hier hilft die Chaostheorie: Versteht man Projekte als komplexe Systeme, die sich in eine ebenso komplexe Umwelt einpassen sollen, dann erkennt man ihre inneren Zusammenhänge, die nicht in gewohnter Weise mit Terminen, Budgets, Anforderungen etc. zu beschreiben sind. Sinnvoll zu planen ist die Projektarbeit nur mit Hilfe selbstorganisatorischer Kräfte, die auf die zahlreichen unvorhersehbaren Veränderungen des Gesamtsystems flexibel reagieren. Der Glaube, daß komplexe, sich verändernde Systeme vorwegnehmend ein für allemal rational geordnet werden können, erweist sich als irrationaler Traum der reinen Vernunft. Die Natur weiß es besser: Überleben kann man nur in interaktiv adaptierenden Prozessen, im Chaos. Nur Selbstorganisation führt aus dem Chaos zur Ordnung. Statt Projektplanung benötigen wir anarchische Freiräume: Anything goes!