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06.05.2008

Gastkommentar: Ist der PC am Ende?

Rüdiger Spies 
IDC-Analyst Rüdiger Spies erklärt, warum IBM Lenovo verkauft hat.

Was bewegte die IBM tatsächlich zum Verkauf ihrer PC-Sparte? Welche längerfristigen Pläne waren die wirklichen Treiber dieser strategischen Entscheidung? IBM hat kürzlich in einer Pressemeldung durchblicken lassen, welche Absichten hinter dem Verkauf der PC-Division an Lenovo steckten.

IBM plant durch ihr Lab in Indien eine groß angelegte Initiative für mobile Web-Services. Diese sind dafür ausgelegt, den PC als das primäre Geschäfts- und Kom-munikations-Instrument abzulösen oder zumindest seine Bedeutung drastisch zu reduzieren. Aufgrund des Verkaufs an Lenovo muss IBM keine Rücksicht mehr auf Microsoft nehmen. Alle IBM-Systeme mit Intel-Prozessoren laufen auch mit Linux.

Dadurch hat sich IBM praktisch unabhängig von Windows gemacht. Einmal mehr wird hiermit bestätigt, dass die eigentliche PC-Ära sich dem Ende zuneigt. Die echten Innovationen kommen in erster Linie aus dem mobilen Segment.

Das Ende des PC

IBM bringt seine ganze Erfahrung aus der Virtualisierung von Hardware ein, um nicht wieder in eine Abhängigkeit wie von Microsoft und Intel zu fallen. Das Zaubertool heißt Soulpad. Es separiert den eigentlichen Inhalt - die Daten - von allen physischen Elementen wie Tastatur, Festplatte, Bildschirm, Prozessor etc. IBMs Planungsgrundlage ist die Annahme, dass zunehmend Nutzer zwar auf ihre Daten zugreifen, aber keinen vollständigen PC mit sich führen wollen. Und zum Kommunikationsinstrument Nummer eins entwickelt sich ohnehin mehr und mehr das Mobiltelefon. Somit gibt auch die Kooperation mit Vodafone und Buddycomm Sinn. Sie soll Social Networking "any time, any place" ermöglichen.

Weiter sind in der ersten Phase Gesundheitsservices und ein "Universal Mobile Translator" geplant, um online Sprachübersetzungen zu ermöglichen. IBM hat dazu mit der US-Army im Golfkrieg bereits Erfahrungen sammeln können. Bisher ist die Performance noch begrenzt, aber schließlich ist es ja auch der Beginn einer neuen Ära. Weitere Trümpfe in diesem Poker hat IBM im Ärmel: den "Cell"-Prozessor mit dem Power-Kernel, der für den Massenmarkt geeignet ist, sowie die weltweiten Datennetze und Computing-Center von Big Blue, die allesamt SaaS-fähig sind.

Fazit: IBM, die Innovation und Intellectual Property zu den primären Differenzierungscharakteristiken erklärt hat, setzt sich damit wieder einmal von der Konkurrenz ab. Neue mutige Kooperationen sowie Übernahmen können erwartet werden. Microsoft wird dieser Schritt von IBM hart treffen. Eine Erklärung des Branchenprimus, dass der PC nicht mehr das Zentrum von Innovation ist, ist gerade auch nach Microsofts Abkehr von der Yahoo-Übernahme umso schwerwiegender. (jm)