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Gates kauft Intuit inklusive "Quicken" Microsoft: Rekordsumme fuer den Einstieg in das Finanzgeschaeft

21.10.1994

MUENCHEN (ade) - Der Desktop-Primus Microsoft hat die Intuit Inc. mitsamt ihrem Finanz- und Buchhaltungs-Bestseller "Quicken" fuer 1,5 Milliarden Dollar uebernommen. Damit ist Microsofts bislang groesster Softwaredeal perfekt. Um kartellrechtliche Konflikte zu vermeiden, gibt die Gates-Company gleichzeitig ihr eigenes Produkt "Money" an den neuen Zweckgenossen Novell ab.

Im Tausch von jeweils einer Intuit- gegen 1,336 Microsoft-Aktien wechselt der kalifornische Software-Anbieter Intuit Inc. einschliesslich der weltweit meistverkauften Finanzanwendung Quicken den Besitzer. "Es ist die groesste Softwaretransaktion, die jemals getaetigt wurde", bruestet sich Bill Gates, der bereits vor zwei Jahren vergeblich versucht hatte, Quicken zu uebernehmen. Die gezahlte Rekordsumme ist verstaendlich. Nach Angaben des "Handelsblatts" konnte Intuit im letzten Jahr einen Umsatz von 223 Millionen Dollar und einen Gewinn von 22,3 Millionen Dollar ausweisen. Bei Quicken handelt es sich um eine Finanzanwendung fuer Windows-, Macintosh- und DOS-Plattformen.

Der bei weltweit rund sechs Millionen Anwendern installierte Bestseller dominiert etwa 70 Prozent des US- sowie 48 Prozent des Weltmarkts, bilanziert das Marktforschungsinstitut Dataquest. Money friste dagegen mit ganzen fuenf Prozent Marktanteil ein eher bescheidenes Dasein. "Microsoft kann jetzt einen Sieg in einem Marktsegment verbuchen, in dem man bislang kaum vertreten war", erklaerte ein Dataquest-Analyst. Thomas Curran, Geschaeftsfuehrer der Technology Management GmbH aus Muenchen, dessen Unternehmen massgeblich an der Strategie fuer die Deutsche Bank im Bereich Electronic Banking beteiligt war, vermutet, dass die Gates-Company jetzt in einen Markt wolle, aus dem Baan, KHK und teilweise auch die SAP mit R/3 ihre Einnahmen beziehen.

Bankenloesungen geraten ins Abseits

Schaden wuerden Curran zufolge dabei auch die Banken davontragen, die seit geraumer Zeit an eigenen Loesungen fuer das Electronic Banking stricken. "Mit dem beherrschenden Charakter, den das Unternehmen an den Tag legt, wird Microsoft Gegenspieler schlichtweg ueberrollen", fuerchtet Curran. Im Segment Finanzwesen gebe es schon jetzt kaum mehr ernstzunehmende Alternativen. Die Banken werden, so der Technology-Chef weiter, "wohl ihre Produkte einstellen muessen". Eine Umfrage der Forrester Research Inc. bei 35 Geldinstituten bestaetigt Currans Sorge. "Es beunruhigt, dass Microsoft kuenftig vielleicht sogar Geschaefte abschliessen koennte, die bislang den Banken vorbehalten waren", erklaerte ein Bankier gegenueber dem "Wall Street Journal".

Trotz Kritiken seitens der Analysten und Anwender herrscht bei der Microsoft-Dependance Gelassenheit. Laut Bernhard Grander, Pressereferent der Unterschleissheimer Niederlassung, unterstuetzt Quicken die Information-Highway-Visionen des Unternehmens. Auch die Zukunft der Intuit-Belegschaft ist Microsoft-Angaben zufolge gesichert. So sollen die Intuit-Abteilungen in eine sogenannte Financial Products Division eingegliedert werden. Die Leitung uebernimmt Bill Campbell, President und CEO von Intuit. Gruender Scott Cook fungiert nach Abschluss der Fusion als Executive Vice-President of Electronic Commerce fuer die neuen Geschaefte im Bereich "Personal Finance". Wie die CW-Schwesterpublikation "Computerworld" berichtet, wird das gekaufte Unternehmen seinen Namen beibehalten.

Um nach der Intuit-Akquisition nicht abermals in Konflikte mit der US-Kartellbehoerde zu geraten, soll laut Microsoft-Sprecher Bernhard Grander die Quicken-Alternative Money als moeglicher Stein des wettbewerbsrechtlichen Anstosses der Netzwerk-Company Novell zugeschoben werden. Allerdings gehen Insider davon aus, dass die Uebernahme von der US-Antitrust-Behoerde kritisch geprueft wird. Die Netware-Company selbst zeigt sich unterdessen hochinteressiert an Microsofts Ladenhueter. Er soll die Consumer-Produktlinie der Wordperfect-Tochter "Main Street" vervollstaendigen: "Wir sehen Money als Schluessel zum Erfolg", bemueht sich Rod Brooks, Vice-President of Marketing bei Novells Consumer Products Division um Glaubwuerdigkeit. Dazu der Muenchner Technology-Boss Curran: "Money ist de facto schon jetzt ein totes Produkt".