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11.08.2000 - 

Gartner Group warnt Anwender

Gates will für Lizenzen zweimal kassieren

MÜNCHEN (wh) - Für Microsoft fällt die Sommerpause dieses Jahr ins Wasser. Die EU bereitet ein Kartellverfahren gegen den Konzern vor, und Gartner-Analysten bezichtigen das Unternehmen, Kunden mit fragwürdigen Lizenzpraktiken doppelt zur Kasse zu bitten.

Während US-Anwälte gerade die Berufung im Washingtoner Antitrust-Prozess vorbereiten, tun sich für den Softwareriesen neue Fronten auf: Die Europäische Kommission, das Exekutivorgan der Europäischen Union, hat angekündigt, ein Kartellverfahren gegen Microsoft einzuleiten. Die Brüsseler Wettbewerbshüter folgen einer Beschwerde des Konkurrenten Sun Microsystems aus dem Jahr 1998. Microsoft, so die Kläger, versuche mit wettbewerbswidrigen Methoden, seine dominierende Stellung bei PC-Betriebssystemen auf den Server-Markt auszudehnen.

Ins Fadenkreuz der Kritiker ist unterdessen auch die Lizenzpolitik der Redmonder geraten. Das US-Beratungsunternehmen Gartner wirft Microsoft vor, Kunden mit einer geänderten Lizenzierungspraxis für die gleiche Software zweimal zur Kasse zu bitten. Betroffen davon seien professionelle Abnehmer, die PCs mit vorinstallierter Microsoft-Software von einem Hardwarehersteller erwerben. Viele Unternehmen löschen diese Programme und spielen statt dessen ein eigenes, maßgeschneidertes "Image" auf die PCs. Ein Image besteht aus dem Betriebssystem und einem festen Satz an Anwendungen.

Bisher war es gängige Praxis, dazu Medien zu benutzen, die Microsoft im Rahmen seines "Select"-Programms zur Verfügung stellte. Weil auf jedem PC immer nur eine Windows-Kopie installiert ist, hatte dieses Vorgehen bis jetzt keine lizenzrechtlichen Konsequenzen, berichtet Gartner.

Nach dem Willen Microsofts soll sich das nun ändern: Mit dem Austausch der Originalsoftware durch ein eigenes Image müssten Kunden künftig eine zusätzliche Lizenz in Form einer so genannten "Upgrade Protection" erwerben, argumentiert der Hersteller. Andernfalls riskierten sie, illegal zu handeln.

Nach Angaben von Gartner haben Microsofts Vertriebsmitarbeiter bereits damit begonnen, mit Hilfe vorgefertigter Fragenkataloge den Anwendern die Änderungen "nahe zu bringen". Etwa 60 Prozent der Unternehmenskunden des Konzerns seien potenziell betroffen. Gartner-Analyst Neil McDonald berichtet von mehreren Firmen, die dieses Vorgehen heftig kritisiert hätten. "Kunden rufen bei uns an und sagen: ,Microsoft besteht darauf, dass wir Upgrades für Windows-Versionen kaufen, die wir schon mit den Rechnern erhalten haben.'' "

Support kommt Kunden teuer zu stehenDurch das Löschen der ursprünglichen Programme und das Aufspielen neuer Software entsteht für die PC-Kunden ein zusätzliches Problem: In diesem Fall ist nicht mehr der Hardwareverkäufer für den Support zuständig, sondern Microsoft. Die Redmonder veranschlagen nach Angaben von Gartner dann satte 375 Dollar pro Anfrage.

Microsoft wehrt sich gegen die Vorwürfe. Gartner und einige Kunden hätten die Rechte, die mit der Lizenzierung verbunden seien, missverstanden. Auf seiner Website kritisiert der Konzern zudem, Gartner habe die zusätzlichen Vorteile, die Kunden mit dem Erwerb einer Upgrade-Lizenz erhalten, nicht berücksichtigt.

Welche finanziellen Dimensionen Microsofts neue Auslegung der Lizenzbedingungen erreichen kann, erläutert Gartner an einem Beispiel: Ein Unternehmen kauft 5000 PCs mit einer OEM-Version von Windows 2000. Statt der vorinstallierten Software spielt das Unternehmen sein eigenes Image mit Hife von Microsofts Select-Medien auf. Nach der Interpretation der Gates-Company müsste der Kunde in diesem Fall für jeden Desktop zusätzlich 117 bis 157 Dollar an Gebühren entrichten. Insgesamt würde das Unternehmen demnach 585000 bis 758000 Dollar nur für das Recht ausgeben, dieselbe Version des Betriebssystems zu installieren, für die es schon an den Hardwarehersteller bezahlt habe.

Gartner empfiehlt auf seiner Website (www.gartnerweb.com) allen Betroffenen, sich gegen diese Praktiken zur Wehr zu setzen. Sollte sich Microsoft weigern, sein Verhalten zu ändern, ständen Anwendern mehrere Alternativen offen: So könnten Unternehmen etwa das komplette Image vom Hardwareanbieter beziehen und installieren lassen. Dies ziehe allerdings Mehrkosten in Höhe von 25 bis 35 Dollar pro PC nach sich. Eine weitere Möglichkeit für Kunden bestehe darin, einen Imaging-Prozess zu entwickeln, der nur Applikationen und nicht das Betriebssystem installiert.