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08.12.2000 - 

US-Weihnachtsgeschäft - ein Albtraum für die Hersteller?

Gateways Gewinnwarnung erschüttert die PC-Branche

MÜNCHEN (CW) - Mit einer Gewinnwarnung und einem bislang nur schleppend verlaufenden Weihnachtsgeschäft hat PC-Hersteller Gateway den Markt verunsichert. Nun stehen auch andere Hersteller wie Compaq, Dell und Hewlett-Packard plötzlich im Visier der Wallstreet-Analysten.

Am 29. November verkündete Gateway-Finanzchef John Todd nach Börsenschluss, dass der Hersteller im vierten Geschäftsquartal 2000 seine Ziele deutlich verfehlen werde. Demnach steige zwar der Umsatz weiter, doch mit Einnahmen von 2,55 Milliarden Dollar liege der Direktanbieter um 500 Millionen Dollar unter den Prognosen der Analysten.

Als Grund für das Finanzdebakel gab Todd den schwachen Auftakt des Weihnachtsgeschäftes an. So verkaufte Gateway am Thanksgiving-Wochenende, dem traditionellen Beginn der Weihnachtssaison, etwa 30 Prozent weniger Computer als noch ein Jahr zuvor. Die sich jetzt abzeichnenden Absatzprobleme würden sich auch im ersten Quartal des nächsten Geschäftsjahres fortsetzen, teilte Todd mit. Viele Hersteller säßen momentan auf prall gefüllten Lagern und müssten ihre Preise drastisch senken, um ihre Computer überhaupt verkaufen zu können. Es könnte bis zu 18 Monate dauern bis die Anbieter dieses Überangebot abgebaut haben werden, befürchtet der Gateway-Manager. Solange würden auch die Bilanzen der Anbieter unter Druck stehen.

Der Gewinn pro Aktie für das vierte Quartal beträgt bei Gateway 37 Cent. Das sind 25 Cent weniger als ursprünglich geplant. Sollte Gateway zusätzliche Aufwendungen in Höhe von 200 Millionen Dollar, die in andere Companies investiert wurden, in die Bilanz einfließen lassen, müssten die Aktionäre sogar mit einem Defizit von zwei Cent je Papier rechnen. Gateway hat auch die Ziele für das gesamte Geschäftsjahr 2001 deutlich heruntergeschraubt. So erwartet der Anbieter nur mehr einen Gewinn von 1,89 Dollar pro Aktie. Dieser Wert liegt deutlich unter den zuvor angepeilten 2,28 Dollar. Beim Umsatz rechnet Gateway mit 10,8 Milliarden Dollar für das kommende Jahr. Damit halbiert der Hersteller das zuvor erwartete Wachstumsplus auf zehn Prozent.

Die Gründe für die abflauende PC-Nachfrage sind vielfältig. Bruce Stephens, Analyst von International Data Corp. (IDC), vermutet, dass mit einer PC-Durchdringung von 52 Prozent im US-amerikanischen Markt allmählich eine Sättigung zu beobachten sei. "Die meisten Amerikaner, die einen PC wollen, haben bereits einen."

Verschiedene US-Marktforschungsinstitute verzeichneten bereits in den vorangegangenen Wochen einen deutlichen Rückgang bei den PC-Absätzen. Laut PC Data verkauften die Anbieter im US-Retail-Markt in der Woche zwischen dem 12. und 18. November fast ein Viertel weniger Rechner als noch vor einem Jahr. Der Umsatz sank um nahezu 22 Prozent.

Bei den meisten US-Amerikanern wird dieses Jahr kein neuer PC unter dem Weihnachtsbaum liegen. Dagegen greifen viele Kunden im laufenden Weihnachtsgeschäft nach anderen Produkten. So seien vor allem Handhelds und Geräte rund um den PC gefragt. Nach ersten Informationen des Handels verzeichneten zum Beispiel Flach-Displays in den letzten Wochen eine Absatzsteigerung nach Stückzahlen um 463 Prozent. Der Verkauf von Digitalkameras stieg um 254 Prozent.

Die Notwendigkeit, sich einen neuen Rechner anzuschaffen, ist nicht mehr so groß wie in den letzten Jahren. Nach Ansicht der Meta Group funktioniert die Leistungsschraube Microsoft nicht mehr so gut wie früher. Verkaufte die Gates-Company im ersten Jahr nach Erscheinen von Windows 95 noch 46 Millionen Exemplare ihres Betriebssystems und kurbelte mit steigenden Leistungsanforderungen ihrer Software kräftig den PC-Verkauf an, gingen von Windows 2000 seit Februar dieses Jahres lediglich zehn Millionen Kopien über den Ladentisch. Allerdings zielt Microsoft mit seinem jüngsten Betriebssystem in erster Linie auf den Unternehmensmarkt.

Droht bei PCs ein Albtraum-Quartal?Auch die Prozessorenhersteller vermögen dem PC-Markt keine entscheidenden Impulse zu geben. So stolperte Intel bei der Markteinführung des Pentium 4 über Pannen wie Fehler im Bios und mangelhafte Leistung im Vergleich zu älteren CPU-Generationen. Außerdem bräuchten nur wenige Anwender die Leistung der Highend-Chips von Intel und AMD, räumt Vinod Dham ein, der den Pentium-Prozessor mitentwickelt und 16 Jahre für die Prozessorschmiede gearbeitet hat. George Meier von NPD Intellect fragt: "Warum soll ich mir einen 700 Megahertz schnellen PC kaufen, wenn mein 500-Megahertz-Rechner Excel-Tabellen und Word-Dokumente genauso rasch verarbeitet?"

Für die Anwender sind mittlerweile andere Funktionen wichtiger als die Leistung des PCs, stellt Sony-Chef Nobuyuki Idei fest. Vor allem die Bandbreite, wie schnell der Rechner eine Internet-Verbindung herstellen kann, entwickle sich mehr und mehr zum entscheidenden Kriterium. "Was nützt mir der schnellste Prozessor, wenn ich nur mit einem 56-K-Modem ins Netz gehen kann?" fragt der CEO des japanischen Elektro-Multis.

Auch im Unternehmensgeschäft werden sich die PC-Hersteller laut Rob Enderle, Analyst bei der Giga Information Group, auf geringere Umsätze einstellen müssen. Seiner Einschätzung nach werden die meisten Firmen in Zukunft nur noch alle fünf bis acht Jahre neue PCs kaufen. Bislang bekamen die Unternehmensanwender alle vier Jahre einen neuen Rechner. Da viele Unternehmen kurz vor dem Wechsel ins Jahr 2000 ihre Infrastruktur modernisiert haben, dürfte sich die Investitionsbereitschaft zunächst in Grenzen halten.

Gateway muss sich seiner Gewinnwarnung angesichts dieser Marktentwicklung nicht schämen. Der Direktanbieter reiht sich damit unter andere große Namen im IT-Geschäft ein, die im letzten Quartal einbrachen. So verfehlten beispielsweise Dell, Hewlett-Packard und Apple in den letzten Monaten ihre Geschäftsziele.

Angesichts des bisher flauen Weihnachtsgeschäfts droht diesen Unternehmen erneut eine Krise, auch wenn vorerst nur Gateway die Notbremse gezogen hat. Vor allem Compaq und Apple stehen im Visier der Analysten. Laut den Marktbeobachtern von ARS sitzt Compaq auf PC-Lagerbeständen, die den Markt zehneinhalb Wochen versorgen könnten. Bei Apple sind es sogar elf Wochen. Sollte sich dies bewahrheiten, blüht den Herstellern beim Abbau der Bestände ein Preiskrieg, der sich bis weit ins nächste Jahr erstrecken dürfte. Droht der PC-Branche ein Albtraum-Quartal, wie Robertson Stephens von Eric Rothdeutsch vermutet?

Mike Winkler, Vice President für das globale Geschäft bei Compaq, wiegelt ab. 95 Prozent der Consumer-Produkte gingen direkt in den Retail-Kanal. Er könne sich gar nicht vorstellen, wie die Bestandszahlen zustande kämen. Compaq-Chef Michael Capellas spricht sogar von einem guten Auftakt des Weihnachtsgeschäfts. Compaq werde alle Vorgaben erfüllen. Man müsse die Zielvorgaben nicht korrigieren.

Auch HP versucht Optimismus zu verbreiten. Die Verkäufe für das Thanksgiving-Wochenende lagen höher als letztes Jahr, erklärten die Verantwortlichen. Außerdem sei HP von einem Rückgang im US-Consumer-Markt in geringerem Maß betroffen, da weniger als zehn Prozent des Umsatzes in diesem Segment generiert würden, argumentiert CEO Carleton Fiorina.

Auch die Verantwortlichen bei Gateway blicken zuversichtlich in die Zukunft. Zwar erwarte man im PC-Geschäft des nächsten Jahres ein Umsatzminus von acht Prozent. Dies soll jedoch durch Services rund um den Computer mehr als ausgeglichen werden. Ferner erhofft sich Firmenchef Jeffrey Weitzen Einnahmen aus dem Verkauf von speziellen Internet-Zugangsgeräten. In diesem Segment hat der Hersteller kürzlich zusammen mit AOL das "Gateway Connected Touch Pad" vorgestellt.