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Der Berg an alten Rechnern wächst

Gebrauchte PCs: Profit für Firmen, Händler und Kunden

27.09.1996

Die Marktforscher der IDC (International Data Corporation) schätzen, daß sich die Zahl der in Deutschland installierten PCs von 1990 bis 1995 auf gut 18 Millionen verdoppelt hat. Ungefähr drei Viertel davon werden, so die Analysten, für den professionellen Einsatz in Unternehmen genutzt. Bei einer angenommenen Lebensdauer im Busineß-Bereich von derzeit durchschnittlich vier Jahren ergibt sich rein rechnerisch ein Berg von 8,4 Millionen Geräten, die 1992 angeschafft wurden und jetzt auszumustern sind (siehe Grafik).

Und die Anschaffungszyklen im professionellen Bereich verkürzen sich weiter: Behielten die Anwender ihre PCs in den Anfangsjahren durchschnittlich noch sieben Jahre lang, so erwarten die Analysten der Meta Group, daß die Unternehmen Desktop-PCs zukünftig alle drei Jahre und Notebooks gar alle 18 Monate austauschen werden.

Die relativ kurze Nutzung im professionellen Umfeld bringt es mit sich, daß Altgeräte heute nicht mehr auf den Müll wandern müssen. Diese PCs, meist mit 386- oder 486SX-Prozessor ausgestattet, können moderne Software durchaus verarbeiten.

Eines der wenigen Unternehmen, die sich in Deutschland auf den Handel mit Gebraucht-PCs spezialisiert haben, ist die Omnico GmbH in Mörfelden-Walldorf. Sie ist als einzige deutsche Firma im "World directory of Computer Brokers", der "Bibel" der DV-Gebrauchthändler, in der Sektion "PCs" aufgelistet.

Geschäftsführer Matthias Krönke wundert sich, daß er in Deutschland kaum Konkurrenz spürt: "Die klassischen Absatzwege für gebrauchte Großrechner funktionieren bei PCs noch nicht."

Auch die deutschen Unternehmen nehmen kaum Notiz von PC-Gebrauchthändlern: "In England, Frankreich oder Belgien haben sich feste Broker-Strukturen entwickelt, das ist bei uns anders", stellt Krönke fest. Rund 10000 PCs will der Jungunternehmer in diesem Jahr weiterveräußern. Obwohl seine Firma damit nur einen Bruchteil des Markts abschöpft, muß sie etwa die Hälfte der Ware aus dem Ausland beziehen.

Omnico verkauft die Rechner zu 80 Prozent an Händler, die überwiegend in Osteuropa sitzen. Jedoch kommt nur jeder zweite Omnico-Neukunde aus dem Osten, denn die Nachfrage nach Secondhand-Rechnern steigt auch bei uns. Das bestätigt Matthias Wilkens, der in Delmenhorst und Wilhelmshaven zwei Ladengeschäfte besitzt.

"Derzeit kann ich gebrauchte Rechner besser verkaufen als Neugeräte", berichtet der Händler. Insbesondere Wilhelmshaven mit seiner hohen Arbeitslosigkeit sei ein gutes Pflaster für den Absatz an Privathaushalte und kleine Unternehmen.

Das Marktforschungsinstitut Computer Intelligence (CI) veröffentlichte eine Studie über den Markt für gebrauchte PCs in den USA.

Danach waren 60 Prozent der im vergangenen Jahr abgesetzten 2,5 Millionen Altgeräte für weniger als 500 Dollar zu haben.

Die Studie belegt, daß Secondhandware insbesondere von einkommensschwachen Gruppen nachgefragt wird: Das jährliche Durchschnittseinkommen der Käufer solcher Geräte lag bei 33200 Dollar, während neue PCs an Haushalte gingen, die jährlich über mehr als 50 000 Dollar verfügen konnten.Für den Handel kann das Gebrauchtgeschäft manchmal lukrativer als der Verkauf von Neugeräten sein. "Unsere Händler können mit Aufschlägen von mindestens 20 Prozent rechnen, bei 286er-Rechnern sogar mit 100 Prozent oder mehr - und das bei geringem Kapitaleinsatz", erklärt Omnico-Chef Krönke.

Derzeit sind die Unternehmen, die PCs ausmustern, noch zufrieden, wenn sie ihre Altgeräte ohne großen Aufwand los werden. Als probates Mittel dafür haben sich bislang die Verkäufe an Mitarbeiter erwiesen. Omnico organisierte solche hausinternen Ausverkäufe schon bei Opel, Sony oder Arthur Andersen. Der Andrang sei jedesmal enorm gewesen, berichtet Krönke.

Er glaubt jedoch, daß die Menge der Geräte, die abgestoßen werden sollen, künftig zu groß ist, um sie im eigenen Haus abzusetzen. Hinzu komme die komplizierte Verwaltung, da die steuerliche Berücksichtigung als geldwerter Vorteil einigen bürokratischen Aufwand mit sich bringe. Viele Firmen schrecken auch vor einem internen Verkauf zurück, weil der hauseigene User-Support danach mit privaten PC-Problemen überhäuft wird.

Trotz dieser Schwierigkeiten veräußert derzeit die Deutsche Bank alte PCs in großem Stil an die eigene Belegschaft. In den rund 1500 Filialen der Großbank werden bis 1997 alte 386er- und 486er-Maschinen gegen Pentium-PCs ausgetauscht. "Wir bieten unseren Mitarbeitern die alten Rechner an und verlangen fünf bis 15 Prozent des Anschaffungsneupreises", erklärt Klaus Thoma, Pressereferent der Deutschen Bank. Wird der Bestand auf diese Weise nicht abgebaut, müssen die Lieferanten der Neugeräte die Altware abnehmen.

Gebrauchte PCs als Terminalersatz

Darauf lassen sich die großen Anbieter auch ein. Compaq Computer beispielsweise nimmt gebrauchte Rechner über die Händler zurück. Siemens-Nixdorf und Hewlett-Packard nehmen bei Ablöseprojekten schon mal die Dienste eines Gebrauchthändlers in Anspruch.

Einfache Lösungen werden denn auch von den Anwendern bevorzugt. Der DV-Leiter einer großen Versicherung erklärt, er wolle sich eigentlich mit dem Problem Alt-PC überhaupt nicht befassen. Die ideale Beschaffung sieht er in "irgendeiner Art von PC-Leasing", bei der die Rechner einfach erneuert werden.

Nicht nur umweltpolitische Gründe sprechen dafür, PCs einer Zweitverwertung - auch in Unternehmen - zuzuführen. Omnico-Chef Krönke kann sich vorstellen, daß in Großfirmen mit Mainframe-DV demnächst erste Terminals durch Secondhand-PCs abgelöst werden. Außerdem sei es schon jetzt so, daß Firmen eine homogene Rechnerlandschaft anstreben und vereinzelt Gebrauchtgeräte nachfragen, die von den PC-Herstellern nicht mehr angeboten werden.

Zudem ist der Bildungsbereich noch aufnahmefähig für DV-Equipment. Beispielsweise läßt die PC-Ausstattung von Schulen sehr zu wünschen übrig. Aus einer Befragung, die Krönke unter 450 Grund- und Hauptschulen in Deutschland durchführte, ergab sich ein Potential von 5000 bis 6000 Rechnern, die die Schulleiter gern beschaffen würden.

Zwar legte die Ständige Konferenz der Kultusminister der Länder fest, daß sich im Jahr 2000 fünf Schüler einen PC teilen sollen. Bei zehn Millionen Schülern allein an allgemeinbildenden Schulen wären das allerdings zwei Millionen PCs - mit Neugeräten kaum zu finanzieren.