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14.07.1989 - 

Geplatzter GPT-Deal hat keine Auswirkung auf weiteres Übernahme-Prozedere:

GEC/Siemens lassen von Plessey nicht ab

LONDON/MÜNCHEN (bk) - Der Ausgang des seit November 1988 dauernden Übernahmekampfes zwischen Plessey und GEC/Siemens bleibt ungewiß. Zwar wehrt sich Plessey weiter gegen den Aufkauf, doch scheiterte jetzt auch der Versuch, mit einem Telekom-Deal GEC und Siemens von ihrem Vorhaben abzubringen. Nun kann nur noch das britische Verteidigungsministerium die Plessey-Übernahme verhindern.

Ein Schlag ins Wasser war der jüngste Versuch der britischen Elektronikfirma Plessey Co., Ilford, der drohenden Übernahme durch die Londoner General Electric Co. (GEC) und die Münchener Siemens AG endgültig zu entgehen. Nach dem Motto: "Geben wir Euch einen Teil, laßt Ihr uns den anderen" bot das Ilforder Unternehmen dem Kontrahenten GEC seinen Anteil an der gemeinsamen Telekom-Tochter GEC Plessey Telecommunications Ltd. (GPT) an. Damit verknüpften sie allerdings die Bedingung, daß GEC und Siemens keinen weiteren Übernahmeversuch mehr unternehmen. Diesem taktischen Geplänkel von Plessey setzten GEC und Siemens jedoch schnell ein Ende. Sie wollen sich nach wie vor die gesamte Elektronikfirma Plessey einverleiben. Derzeit verhandeln sie mit dem britischen Verteidigungsministerium über dessen Auflagen für ihren Einstieg bei Plessey.

Das Ministry of Defence war eingeschritten, nachdem die Londoner Monopolbehörde (MMC) Mitte April grünes Licht für die GEC/Siemens-Transaktion gegeben hatte. Dem Verteidigungsministerium ist vor allem die Siemens-Beteiligung an den Rüstungsaktivitäten von Plessey ein Dorn im Auge. Das Einschreiten des Verteidigungsministeriums, so glaubt Siemens-Sprecher Eberhard Posner, habe Plessey wiederum zu der Annahme verleitet, GEC würde vor Schwierigkeiten mit dem Ministry of Defence zurückschrecken und sich mit "unproblematischen" Teilbereichen von Plessey zufriedengeben.

Auf die erste Offerte von Plessey-Managing-Director Stephen Walls Anfang Mai, den 50prozentigen Eigenanteil an GPT für rund 825 Millionen Pfund (etwa 2,2 Milliarden Mark) an GEC zu verkaufen, war der Londoner Elektrokonzern nicht eingegangen. Kurze Zeit später, so Posner, habe Plessey einen neuen Vorstoß unternommen und dabei einige Bereiche mehr als nur GPT in Aussicht gestellt. Daraufhin sei es zu Gesprächen zwischen Plessey und GEC gekommen. Sie waren jedoch nur von kurzer Dauer. Posner: "Bei den Verhandlungen stellte sich nämlich heraus, daß Plessey doch nur zum Verkauf von GPT bereit war. Dies war sowohl für GEC als auch Siemens unakzeptabel. Deshalb wurden die Gespräche dann abgebrochen."

Weder im nationalen noch im Plessey-lnteresse

Die Plessey-Version indes liest sich anders. Ein Sprecher erklärte, man sei sich weitgehend über den GPT-Deal einig gewesen. GEC aber habe in letzter Minute versucht, in die Transaktion den Marine-Wehrtechnikbereich Plessey Naval Systems einzubeziehen. Dieser sollte laut Plessey in die GEC-Tochter Marconi eingegliedert werden. Das aber habe man kategorisch abgelehnt. Der GEC-Vorschlag, so der Sprecher weiter, sei weder im nationalen Interesse noch in dem der Plessey-Aktionäre. Deshalb habe man die Gespräche gestoppt.

Die GPT wurde erst im März vergangenen Jahres von GEC und Plessey gegründet. Sie zählt zu den führenden Telefon- und Fernmeldeherstellern in Großbritannien und ist - wie es hieß - der größte Lieferant des Fernmeldemonopolisten British Telecom. Ihren Gesamtwert schätzen britische Börsenspezialisten auf rund zwei Milliarden Pfund. Hätte sich GEC auf den GPT-Deal eingelassen, so wäre Siemens vorläufigen Planungen zufolge mit 40 Prozent beteiligt worden. Posner: "Eine sicherlich lukrative Sache." Doch Siemens sei nicht nur an der Telekommunikation interessiert: "Hinzu kommt die Radarelektronik von Plessey, weil die Entwicklungen der Engländer unsere eigenen gut ergänzen und auch die Mikroelektronik. Der britische Markt dafür ist immerhin der größte europäische Einzelmarkt." Deshalb bestehe für Siemens wie für GEC kein Grund, sich nur mit einem Teilgebiet von Plessey zufriedenzugeben.

Der weitere Verlauf der Plessey-Transaktion hängt nun vom britischen Verteidigungsministerium ab. Erst wenn die Bedingungen feststehen, die das Ministry of Defence an den Plessey-Erwerb stellt, wollen GEC/Siemens Entscheidungen über ihre weiteren Aktivitäten treffen. Die Bekanntgabe der Auflagen wird für die kommenden Wochen erwartet.