Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

06.01.1995

Gedankenspiele um kuenftige Rolle als Netzbetreiber Siemens will Komplettanbieter im Mobilfunkgeschaeft werden

MUENCHEN (vwd) - Die Siemens AG will ab sofort weltweit zu der kleinen Zahl von Herstellern gehoeren, die Mobilfunktechnik komplett aus einer Hand anbieten. "Ab 1995 wird Siemens weltweit als Komplettanbieter auftreten und selbst die Basisstationen liefern", erklaerte hierzu der fuer den Bereich Oeffentliche Kommunikationsnetze (OEN) verantwortliche Siemens-Vorstand Erwin Hardt in einem vwd-Gespraech.

Um schnell im Mobilfunkmarkt Fuss zu fassen, lieferte der Muenchner Elektronikriese bislang nur die Vermittlungstechnik und bezog national von der Philips Kommunikations Industrie AG (PKI) beziehungsweise international vom US-Konzern Motorola die fuer das Mengengeschaeft wichtigen Basisstationen.

Als Erst- wie auch als Zweitlieferant sieht Hardt fuer Siemens "beachtliche Chancen", am Wachstumsmarkt Mobilfunk zu partizipieren. Mit der Erschliessung neuer Wachstumsfelder will der Sektor Oeffentliche Kommunikationsnetze innerhalb des Siemens- Konzerns seine Rolle als groesster Geschaeftsbereich halten. Allerdings werde, so Hardt, das Geschaeft immer schwieriger. Ein weltweiter Preisverfall von sechs bis sieben Prozent und ein schlechtes Inlandsgeschaeft - allein 37 Prozent des Inlandsabsatzes wurden mit der Telekom abgewickelt - fuehrten im abgelaufenen Geschaeftsjahr 1993/94 (30. September) zu einem Umsatzrueckgang um fuenf Prozent auf 12,8 (13,5) Milliarden Mark.

Auch beim Auftragseingang trugen diese Faktoren zu einem Rueckgang um neun Prozent auf 12,2 (13,4) Milliarden Mark bei. Bei der Hardware fallen die Preise, die Wertschoepfung liege zunehmend im Betrieb von Netzwerken samt dazugehoeriger Software, skizzierte der Siemens-Vorstand den Markt.

Siemens haelt auch kuenftig an der Vermittlungstechnik fest

OEN schreibe zwar schwarze Zahlen, doch es werde immer schwieriger, in diesem Geschaeftsfeld Geld zu verdienen. Siemens werde dennoch an der Strategie festhalten, Vermittlungs- und Netzwerktechnik anzubieten. Eine Rolle als Netzbetreiber, etwa bei Mobilfunknetzen in Russland oder der Tuerkei, wuerde bis auf weiteres die Ausnahme bleiben.

Prinzipiell wollte Hardt jedoch die Option, gleichzeitig als Netzbetreiber und Hersteller im Markt zu agieren, nicht ausschliessen. Dieser gegenwaertig vorherrschende Rollenkonflikt sei, wie Hardt betonte, eine entscheidende und noch ungeloeste Frage moderner Industriepolitik, die eines Tages auch von Siemens eine schnelle Beantwortung erfordern koennte. In Frage kaemen fuer den Elektronikkonzern dann allerdings hoechstwahrscheinlich nur Kooperationsloesungen mit unterschiedlichen Partnern - zum Beispiel Versicherungsgesellschaften oder Banken, in deren Namen Siemens ein Netzwerk betreiben koennte, sagte Hardt.

Denkbar waere aber nach Auffassung des Siemens-Vorstandes auch eine Neustrukturierung innerhalb der Wettbewerber. So koennten sich Hardt zufolge bisher reine Hardwarelieferanten wie Siemens und Ericsson (Rang drei und fuenf im Weltmarkt) zu einer Betreibergesellschaft zusammenfinden. Die umgekehrte Entwicklung wollte Hardt ebenfalls nicht ausschliessen, naemlich, dass sich Konzerne wie AT&T, die sowohl Netze betreiben als auch entsprechende Hardware liefern, von ihrem Herstellergeschaeft trennen. Zunaechst sei es aber das Ziel von OEN, mit der Vermittlungstechnik und dem Mobilfunk die eigene Marktposition weiter auszubauen.