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12.10.1990 - 

Erneut rote Zahlen - Schuldenabbau seit Jahresbeginn nicht ausreichend

Gefährdete Unisys-Kredite: Börse im USA verbreitet Endzeitstimmung

MÜNCHEN (CW) - Ein neues Konzept - weg von proprietären, hin zu offenen Systemen - schien Unisys über den Berg zu helfen. Heute sieht es für den US-Mainframer wieder düster aus, denn die Börse hat inzwischen offenbar das Vertrauen verloren.

So reduzierte die Investorenagentur Moody's Inc. ihre Bewertung der Unisys-Schuldverschreibungen auf einen Wert, der unter demjenigen liegt, den die Gläubiger zur Verfügung gestellt hatten.

Die Herabstufung entspricht einer drastischen Abwertung der Kreditwürdigkeit von Unisys, deren Aktien anschließend laut "Wall Street Journal" 23 Prozent ihres Wertes einbüßten. Analysten befürchten nun, daß die Hausbanken des IBM-Rivalen bald ihre Kredite begrenzen könnten, obwohl bis zu 1,25 Milliarden Dollar sich automatisch erneuernder Zusagen bis 1993 vertraglich vorgesehen seien. Die Parole bei Unisys: Eine Reduktion der Schuldenlast um 600 bis 800 Millionen Dollar in diesem Jahr und um den gleichen Betrag 1991.

Bisher wurden 1990 gut 300 Millionen an Verbindlichkeiten abgebaut. Kurz vor Moody's Bewertungskorrektur strich Unisys erstmalig die Dividende auf Stammaktien; bisher waren die Anteilseigner noch nie leer ausgegangen.

Die Probleme des Konzerns haben sich, so das Wall Street Journal, zu einer bedrohlichen Situation entwickelt, aus der sich bisher noch kein Unternehmen aus eigener Kraft herausmanövrieren konnte: Trotz massiver Kostensenkungen - vor allem durch die Verringerung der Mitarbeiterzahl um mehr als zehn Prozent - mußte der Hersteller in den bisherigen neun Monaten des Geschäftsjahres erneut einen Verlust hinnehmen, erwartet allerdings einen Gewinn im vierten Quartal. Keine eindeutige Stellungnahme des Herstellers gibt es bisher zu den Ergebniserwartungen für das Gesamtjahr. Marktkenner bezeichnen die Unisys-Probleme als "hausgemacht" (siehe auch Kolumne, Seite 9).

Unisys laboriert, davon sind Experten überzeugt, noch immer an den Folgen der Operation, mit der Sperry und Burroughs 1986 zusammengefügt worden waren: Zwei proprietäre Welten gilt es seitdem weiterzuentwickeln, während die Mainframe-Konkurrenten jeweils nur eine pflegen müssen. Eine Verschmelzung der beiden unterschiedlichen Produktlinien hat nie stattgefunden.

Auch eine jüngst angekündigte Initiative des Herstellers verfolgt nicht dieses Ziel: Vielmehr geht es, so Unisys-CEO James A. Unruh, um die Integration der Sperry-, Burroughs- und anderer Systemwelten in eine gemeinsame Umgebung, in erster Linie unter Zuhilfenahme von Standard-Schnittstellen. Darin, stellt Unruh fest, unterscheide man sich von IBMs SAA und den Architekturen anderer Anbieter. Von der Notwendigkeit, die Investitionen sowohl der früheren Sperry- als auch der Burroughs-Anwender zu erhalten, wird Unisys dadurch nach Ansicht von Fachleuten nicht enthoben (siehe auch unsere Börsenkolumne auf Seite 118).