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28.05.1999 - 

Kolumne

"Gefährliche Analysten"

Herrlich unlogisch versuchte IDC-Analyst Roger Kay kürzlich den fast zehnprozentigen Einbruch der Dell-Aktie zu erklären: "Wenn Dell die Erwartungen (der Analysten) erfüllt, dann ist das weniger, als das, was man erwartet." Obwohl der Direktvertreiber gerade einen um 45 Prozent gestiegenen Gewinn bei einem um 41 Prozent erhöhten Quartalsumsatz gemeldet hatte, moserten die Wallstreet-Gurus, in Zukunft müsse mit weniger raketenhaften Profitsprüngen gerechnet werden. Indiz: Die Bruttomarge, also die pro Dollar Umsatz von Dell verdiente Menge Geldes, sei um 0,9 Prozent auf 21,5 Prozent gesunken. Diese "Größenordnung" habe sie völlig überrascht. Vermehrter Wettbewerbsdruck sei zu erwarten.

Wäre die "Größenordnung" von Dells Bruttomargenverfall tatsächlich ein wesentliches Kriterium für die Aktienbewertung, so müßte Compaq sich eigentlich glücklich schätzen. Dessen Bruttomarge hob zuletzt von 17,5 auf 23,2 Prozent förmlich ab. Trotzdem reden die Analysten Compaq vehement in die Krise.

Hewlett-Packard andererseits ist aus unerklärlichen Gründen der Darling der Analysten. Die Kalifornier haben zwar ein E-Commerce-Geschäftsmodell, das bislang nur auf dem Papier steht. Dafür aber gleich mehrere Probleme. HP muß sich einen neuen Chef suchen. Gehandelt wird das Unternehmen als Computeranbieter von Weltligaformat, obwohl es 50 Prozent seiner Umsätze ausschließlich mit Druckern, Peripherie- und Zusatzkomponenten wie Tintenpatronen erwirtschaftet. Das proprietäre MPE-Umfeld hängt HP wie ein Klotz am Bein. Die Umsätze im attraktiven Segment der Unix-Server weisen - branchenunüblich - nach unten. Die Marktanteile im PC-Geschäft sind, ohnehin auf niedrigem Niveau, leicht rückläufig. Trotzdem steht HP bei den Analysten hoch im Kurs.

Der Wiener "Standard" schrieb nach der Entlassung von Pfeiffer, dieser Vorfall zeige deutlicher als alle aktuellen Analysen, auf welch "gefährlicher spekulativer Blase" die Wall Street derzeit aufbaue. Wenn bereits ein verpatztes Quartalsergebnis zum Rücktritt einer "Manager-Legende" führen könne; "wenn Unternehmen nur noch ihren Kurs halten können, wenn sie die immer spekulativer werdenden Gewinnprognosen der Analysten erfüllen, wird es gefährlich". Bleibt zu fragen, wer eigentlich die Analysten kontrolliert.