Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

22.06.1990

Gefordert wird die Flexibilität des Bleistifts

Betrachten wir die Textverarbeitung einmal aus der Sicht der Autoren. Da hatte die Steinzeit eigentlich durchaus positive Elemente. Die Hilfsmittel, mit denen Worte beziehungsweise Bilder in den "Permanentspeicher" Stein gemeißelt wurden, waren flexibel. Der "Autor" konnte sich in Sachen Text, Daten und Grafik entsprechend seiner Kreativität und seiner Fingerfertigkeit "austoben". In der Folgezeit bekam er durch die Entwicklung des Federkiels und des Bleistiftes eine zusätzliche Erleichterung; er konnte seine Niederschriften mit wesentlich geringerem Kraftaufwand den Nachkommen übermitteln. Der Bleistift brachte sogar flexible Speicherfähigkeiten mit sich, denn die Aufzeichnungen wurden "lösch- und das Papier dadurch wiederbeschreibbar". Logischerweise hätten alle Weiterentwicklungen der Hilfsmittel die Vorteile der Flexibilität zumindest erhalten, wenn nicht sogar verbessern müssen.

Forschen wir nach der Ursache für den Verlust der Flexibilität und zwangsweise Einschränkung der Autorenkreativität, so ergibt sich folgendes Bild: Die Autoren konnten nicht mehr unter sich bleiben, es kamen die "Schreiber", die Setzer und die Drucker hinzu. In erster Linie lag das am jeweils regionalen und damit weltweiten Bevölkerungszuwachs. Plötzlich war die Menschheit gezwungen, über den eigenen "Tellerrand hinaus zu kommunizieren. Dies bedeutete, daß Aufzeichnungen nicht nur für Schriftgelehrte, sondern für möglichst viele Bürger leserlich gemacht werden mußten. Dieser Forderung mußten nun auch Menschen nachkommen, deren Stärken weder in Schreiben noch in der grafischen Aufbereitung lagen.

Da im Laufe der Zeit immer mehr Regeln aufgestellt wurden, kamen auch die Aspekte der gesetzlich vorgeschriebenen Dokumentensicherheit sowie Ansprüche an Aufbewahrungsdauer und -sicherheit hinzu. Meißel, Federkiel und Bleistift eigneten sich nunmehr für den breiten Informationsaustausch nicht mehr.

Hauptziel der folgenden Hilfsmittel-Fortentwicklung war es, Hard- und Software für einzelne Tätigkeiten im Rahmen der Text- und Datenverarbeitung sowie im Zeichnungswesen zu schaffen. Dies entsprach den klassischen Unternehmensstrukturen der Verwaltungs- und technischen Betriebsbereiche. In Anbetracht der heutigen Informationsüberflutung sowie der inner- und außerbetrieblichen Unternehmensverzahnungen werden jedoch ganz neue Anforderungen an die notwendigen Hilfsmittel gestellt.

Weltweit wurden im Jahre 1988 allein 31,633 Millionen Tonnen Zeitungs- und 62,135 Millionen Tonnen sonstige Druck- und Schreibpapiere hergestellt**. Diese Papierberge zu mehr als 75 Prozent mit Texten versehen.

Ziel ist es jedoch nicht, die Drucker- oder Farbbandschwärze der Buchstaben zu wiegen. Es geht darum, daß die Textverarbeitung eine "schwerwiegende" Rolle im Rahmen der heutigen und auch künftigen Informationsverarbeitung innehat. Daher sollte es unser Bestreben sein, Augen und Ohren für die Probleme und Lösungen der Textverarbeitung offenzuhalten.

Vielleicht ist es mit vereinten Kräften möglich, Hard- und Softwarehilfsmittel zu schaffen, die unserer Kreativität, unseren Fähigkeiten und den Arbeitsnotwendigkeiten die Freiheit wiedergeben. Diese computertechnische Unterstützung sollte jedoch ohne umständliches Diskjockey-Gehabe für Programmdisketten-Wechsel oder hinderliches "Straßenbahnverhalten" (Aus- und Einsteigen von einem ins andere Programm), genutzt werden können. Es wäre schön, wenn Soft- und Hardware-Entwickler stärker auf die Anforderungen der Textverarbeitung im Gesamtrahmen der Informationsverarbeitung eingingen.

Tröstlich ist, daß bereits heute durch sinnvollen Einsatz von Hard- und Software erfreuliche Ergebnisse erzielt werden können .

Nicht die "eierlegende Wollmilchsau" wird gefordert, sondern die Flexibilität des Bleistiftes. Es sollte möglich werden, Daten und Grafiken in unsere Texte zu integrieren und mit einem Hilfsmittel erstellen zu können Dabei ist es gleich, ob sich dieses Hilfsmittel Word, Pagemaker, Ventura Publisher oder sonstwie nennt.

Freuen wir uns darauf, daß unserer geistigen Kreativität im Informationszeitalter keine softwaretechnischen Grenzen mehr auferlegt werden.