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20.03.1981 - 

Bifoa versammelte ein Drittel des VDRZ in Fachseminar:

Gefüllte Datenpakte für dramatische RZ- Wirklichkeit

KÖLN - Die Mentalität des Verbandes Deutscher Rechenzentren (VDRZ) hat sich gewandelt: Von der Abwehr der Inhouse-Lösungen der mittelständischen Wirtschaft - wie sie noch in den Jahren 1975/76 hoffnungsvoll praktiziert wurde - hat sich die Strategie zu Überlegungen gemausert, wie und unter welchen Umständen die Computer-Dienstleistungsindustrie nun auch mit Inhouse-Lösungen ihr Geschäft sichern könne. Dies diagnostizierte kürzlich in Köln Friedrich Kluth, Geschäftsführer von Autocom in Oberursel, einem der Mitte der 70er Jahre erfolgreichsten deutschen Rechenzentren.

Das Betriebswirtschaftliche Institut für Organisation und Automation (Bifoa) an der Universität zu Köln hatte 1979/80 die Situation der Service-Rechenzentren in Deutschland untersucht und verband anläßlich eines gezielten Seminars seinen Bericht an die RZ-Branche mit Empfehlungen für ihre zukünftige Unternehmensplanung.

Die Zusammenkunft leitete Dr. Dietrich Seibt, ordentlicher Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Essen, der zu Beginn der beiden Veranstaltungstage auch einige der statistischen Erhebungen verlas. Es waren 32 Unternehmen präsent, immerhin also rund ein Drittel der Verbandsmitglieder.

Das mehr als ein Jahr alte Zahlenmaterial spiegelte nicht einmal andeutungsweise die dramatische Wirklichkeit der Branche. Nach ihren Anfängen Mitte der sechziger Jahre war ihr durch Auftreten und Marktverhalten genossenschaftlicher Rechenzentren anders als im europäischen Ausland, Japan und den USA keine Etappe vernünftiger Eigenkapitalbildung gegönnt. Im Gegenteil: Übergangslos wurde sie in den Strudel der sinkenden Nutzenschwelle des Materials der Mittleren Datentechnik bei deren gleichzeitig rapide steigender Leistung gerissen und muß sich heute noch dazu mit Sonderangeboten des klassischen Bürofachhandels und aus Supermärkten von Personal-, Home oder Mikrocomputern herumschlagen. Kein Wort fiel über das bewundernswerte Maß an Professionalität in diesen Unternehmen, die sich trotz alledem am Markt gehalten haben und zum Teil auch noch beachtliche Gewinne machen. Es gibt keine den Beruf des Datenverarbeitens ausübende Gruppe, in der die Naturgesetze wirtschaftlicher Informationsversorgung so asketisch befolgt werden, wie bei der couragiert streitenden Kampfgruppe "Rechenzentren", die sich und ihre Mitarbeiter ausschließlich aus dem Außenumsatz ihrer Informationsproduktion bezahlen und bezahlen müssen.

Vierzig verantwortlichen Mitarbeitern solcher Rechenzentren ließ das Bifoa in Referaten empfehlen

- die Unternehmensplanung einzuführen,

- zu kooperieren,

- Marktstrategien zu entwickeln,

- neue Produkte zu konzipieren,

- Verbundlösungen beziehungsweise Inhouse-Lösungen zu verkaufen

und

- Datex-P einzusetzen.

Dr. Dieter Wundt, Hauptabteilungsleiter bei Taylorix, referierte über das Planungssystem seines Hauses, das - so befand er nach zweijähriger Erfahrung - zu besser abgestimmten Plänen, bewußterem kaufmännischem Handeln und leichterer Überprüfbarkeit geführt habe. Sein Unternehmen mit 143 Millionen Jahresumsatz, davon "nur" 50 Millionen im Rechenzentrum, beschäftigt zwei Mitarbeiter ausschließlich mit Unternehmensplanung. Die Frage, in der Diskussion gestellt, wie sich die 91,8 Prozent Branchenunternehmen mit einem Jahresumsatz von unter 10 Millionen helfen sollten, blieb unbeantwortet.

Getrennt programmieren und organisieren

Ein bemerkenswertes Referat hielt Dr. Werner Beckmann, Leiter DV DS Marketing der IBM Deutschland Stuttgart. Er leitet die gesamte Entwicklung der Standard-Software, für die nach außen gerichteten IBM-Rechenzentren. Prinzipiell werde dort jeder Entwicklungsprozeß im vorhinein geplant, in mehrere Phasen zerlegt und schriftlich fixiert. Der Verlauf werde im einzelnen verfolgt und bewertend kontrolliert. Gelegentlich, bei besonderen terminlichen oder qualitativen Erfolgen, werden Prämien gezahlt, jedoch nicht systematisch. Prinzipiell sind die Tätigkeiten des Organisierens und Programmierens personell getrennt, wobei aber die Spezialisierung nicht zu einem Fertigkeitsverlust einzelner Personen auf Teilgebieten der Gesamtentwicklung führe. Das wird durch Zuweisen wechselnder Tätigkeiten an die Mitarbeiter der Entwicklungsabteilung verhindert.

Die eigentliche Entwicklungsarbeit von Standard-Programmen für die kommerziellen IBM-Rechenzentren leisten 20 Leute, deren Tätigkeit laufend von einer sieben Mitarbeiter starken Qualitätskontrollabteilung begleitet wird, die außerdem 200 Verkäufer und Berater des Außendienstes einarbeitet. Im Phasenablauf ist der Entwicklung eine Gruppe von acht Mitarbeitern vorgelagert, die die Verkaufssaussichten der Entwicklungsvorschläge abschätzen. Schließlich gibt es eine Gruppe von sieben Mitarbeitern, die Zukunftshorizonte sichten (Bildschirmtext etc.) und in Vermarktungsvorschläge konkretisieren.

Der Berichterstatter hatte seine helle Freude an den Ausführungen Beckmanns. Denn er - der Berichterstatter selbst - bringt seit zehn Jahren als naturgesetzlichen Sachverhalt vor, daß personell getrenntes Organisieren und Programmieren bei der Entwicklung von Software durch die Arbeitsteilung und das doppelte Durchdenken überverhältnismäßig und um so mehr Einsparung an Programmierkosten und späterem Programmpflegeaufwand bringt, je mehr Aufwand in die vor der Programmierung liegenden Phasen gesteckt wird. Bisher stieß er aber damit allenthalben auf Ablehnung und Kritik.

Dr. Wolf Steinbach, Hannover, suchte Mitstreiter für seine Idee, die gesamte Produktion der deutschen Rechenzentren in vier Orten in der Bundesrepublik zu poolen, unter Aufrechterhaltung der rechtlichen und wirtschaftlichen Selbständigkeit der einbringenden Partner im übrigen. Die eintretende Kostendegression durch bessere Hardwareauslastung, im Einkauf und im Operating werde die Umstellungskosten, die Einrichtungskosten und die Kosten des Datentransfers innen und nach außen schnellstens überkompensieren.

Der Mann mit der Leistungsröhre

Zur Marktstrategie sprach der Mann mit der Leistungsröhre, Diplomkaufmann Peter Sass, Geschäftsführer IFU - Institut für Unternehmensberatung, Rechenzentrum, Hamburg.

In seiner Röhre ummantelt integrierendes Marketing eine innere Schicht von Bürokommunikation, in die zu gleichen Teilen Bildschirmtext, Teletex und Textverarbeitung eingebettet sind. Diese drei Leistungsfaktoren umschließen ihrerseits die Dialogverabeitung, in deren innerem Kern die Batch-Prozesse den Umsatz als tragende Säule des Geschäftes bringen. Die Rechenzentren sollten, so forderte der Redner, Kommunikationsdienstleister sein, ihren Kunden die Strategie zu formulieren helfen, deren Argumente setzen, bei ihnen Strukturen einführen und die Abwicklungsapparaturen stellen.

Die rauhen Winde marktlicher Wirklichkeiten hingegen durchwehten den Vortrag von Diplomvolkswirt Heiner Kanning, langjähriger Vertriebsleiter bei GfA exdata, Nürnberg, der zum Thema Verbundlösungen sprach. Bemerkenswert an seinem Vortrag war nicht, daß er Verbundlösungen als Umsatzträger kommerzieller Rechenzentren empfahl, bemerkenswert war deren Art. Verbundlösung, oder Mini/Maxi-Konzeption, oder wie man den Markt-Approach nennen mag, galten bisher als einzig mögliches Vehikel, Teile der Kundenverarbeitung im Rechenzetrum zu halten, zugleich am Verkauf der Hardware und Software für die lokale Sofortverarbeitung bei den Kunden genügend Deckungsbeitrag zu verdienen, um einen leistungsfähigen Vertriebs- und Software-Entwicklungsapparat zu unterhalten.

Kanning nun stellte mehrere branchenspezifische Verbundprojekte vor, in denen der auf das Rechenzentrum entfallene Lösungsanteil um so kleiner ausfiel, je jünger das Produkt war.

Seine Gesellschaft werde den Rechenzentrumsumsatz hegen und pflegen, so gut es gehe, doch in der unmittelbar bevorstehenden Zukunft einerseits branchenorientierte "Standalone"-Lösungen nur in Ausnahmefällen im Verbund mit dem Rechenzentrum, andererseits Datenbank-Service mit begrenzten Themen für sehr große, homogene Benutzergruppen entwickeln und anbieten.

In der weiteren Zukunft werde man die Beratungsdienste für

- EDV-Management,

- Technischen Service,

- Datenfernübertragung,

- Netzwerke,

- Software,

- Hardware,

- Leasing,

- Datenbanken,

- Schulung

forcieren.

Stille senkte sich über den Saal, als er erklärte, wie bereits andere Vertreter von Rechenzentren, der Berichterstatter am Rande, seine Gesellschaft werde Datex-P nicht oder nur für eine kleine Spezialanwendung einsetzen.

Ein Datex-P-Festival?

Die Veranstaltung sollte an sich nämlich auch so etwas werden wie ein Datex-P-Festival.

Zu diesem Zweck hatte man sorgfältig aus dem breiten Spektrum von Übertragungskonstellationen Beispiele gegriffen, in denen Datex-P die billigste Lösung ist. Die Konstellation eines Übertragungsproblems wird unter anderem bestimmt von

- Datenvolumen absolut,

- Entfernung,

- Antwortzeitbedarf,

- Übertragungsvolumen pro Übertragungsvorgang und

- Anschaltzeit etc.

Dipl.-Ing. Dieter Steuer wörtlich: "Sicher ist nur, daß im Nahbereich HfD beziehungsweise Datex-L, bei hohen Entfernungen hingegen und sehr kleinen Datenmengen Datex-P wirtschaftlich überlegen ist." Die Wirtschaftlichkeit sei unter anderem deswegen so sehr schwer zu bestimmen, weil für den konkreten Fall auch entscheidend sei, im welchem Umfang pro Übertragungsvorgang ein Datenpaket von 128 Bytes gefüllt werden könne.

Je nach gewählter Anschlußgeschwindigkeit wurde die Übertragungsgeschwindigkeit eines Paketes bei der heutigen Netzbelastung, die noch gering ist, mit 200 bis 400 Millisekunden angegeben. Die Umsetzungsgeschwindigkeit der im Projekt "Papa" entwickelten Anpassungsrechner betrage rund vier bis fünf Sekunden.

Nachdem die Veranstaltungsteilnehmer in der Diskussion die Voraussetzungen der in den Vorträgen vorgerechneten Beispiele geklärt hatten, läßt sich unter Vorbehalt folgender Erkenntnisstand über Datex-P zusammenfassen: Bei täglich relativ langen Anschaltzeiten und bei relativ hohen Entfernungen ist Datex-P um so wirtschaftlicher, je länger die einzelnen Botschaften sind, jedoch je relativ geringer das absolute Datenübertragungsvolumen während der Anschaltzeit ist. Bei kontinuierlich in die Übertragung gegebenen Daten, also bei Stapelübertragung, wird HfD um so wirtschaftlicher, je größer die Ausnutzung der physischen, Leitungskapazität und je kleiner die Entfernung ist. Datex-L kann bei ganz bestimmten Takten der Hin- und Rückübertragung wirtschaftlich sein , während das Telephonnetz dann wirtschaftlich bleibt, wenn die Übertragung auf den 8-Minuten-Takt oder - generell - bei allen Entfernungen auf deren jeweiligen Takt pro Gebühreneinheit beschränkt bleiben kann.

Anders ausgedrückt: Datex-P ist auf langen Entfernungen für Dialogverkehr mit sporadischem Aufkommen wirtschaftlich.

Massendialoge über Bildschirmtext

Erst der Vortrag von KIaus Uffmann, Geschäftsführer Btx-Partner GmbH, Hamburg, zeigte die wirklich wichtige wirtschaftliche Lösung zukünftiger datenfernverarbeitender Massendialoge. Das Bildschirmtextkonzept der Post sieht für den Einführungstermin 1983 die Errichtung mehrerer Bildschirmzentren dergestalt vor, daß sich jeder Teilnehmer per Telephon in seinem Nahverkehrsbereich, also zu 23 Pfennigen pro acht Minuten, in das Netz einwählen kann. Der Teilnehmer braucht eine Ausstattung für zur Zeit etwa 2500 Mark, zahlt im Monat fünf Mark für das Modem und im übrigen die Telephongebühren. Sein asynchron arbeitendes Terminal hat bei ungesicherter Übertragung von acht Bit pro Zeichen eine Sendegeschwindigkeit von 75 Baud und eine Empfangsgeschwindigkeit von 1200 Baud und wird mit Magnetbandkassette und Billig-Drucker ausgestattet werden können.

Auf Befragen erklärt der Referent, daß ein oder zwei Jahre nach Einführung des neuen Dienstes im Jahre 1983 die bisherigen Feldversuche in Düsseldorf und Berlin auf Teilnehmerzahlen von mehreren Hunderttausend schließen ließen, so daß die Gebühren für das Modem von fünf Mark im Monat eher unter- als überschritten würden.

Die Post will anscheinend über den bisherigen Kreis hinaus den Direktanschluß weiterer Computer, die den Teilnehmern außer der Wiedergabe in den Btx-Zentralen vorgehaltener Informationen auch Verarbeitungspower zur Verfügung stellen, nicht mehr zulassen.

Wer also seine Computerpower über den wegen der preisgünstigen Arbeitsplätze hochinteressanten Btx-Dienst verteilen will, muß über Datenfernverarbeitung in das Btx-Netz gehen. Wie? Mit Datex-P natürlich.