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24.10.1975

Gegen Fachidioten und Technokraten

Das Hauptreferat "Belästigung der Menschen durch den Computer" auf der 5. GI-Jahrestagung geriet unversehens zu einer Belästigung der, Informatiker durch den Referenten Dr. Hartmann J. Genrich,

"Jedes Handeln mit Daten muß verantwortbar sein und von jemandem verantwortet werden. Unser Fachgebiet nimmt jedoch kaum noch Notiz von der einfachen Tatsache, daß seine wissenschaftlichen Gegenstände, Daten und Maschinen, in ein dicht gewebtes Netz von Rechten und Pflichten, von Nutzen und Schaden eingespannt sind. In dieser Hinsicht befinden wir uns in einem vorwissenschäftlichen Stadium, dem der Alchemie vergleichbar", erklärte der streitbare Redner.

Ausdrücklich verwies der zornige GMD-Mann allerdings darauf, daß sein Appell sich an diejenigen Informatiker wendet, die bereit seien, zugeben

- daß der Einsatz von Computern in allen Bereichen der Gesellschaft auch

Gefahren mit sich bringt,

- daß die Informatiker verpflichtet sind, auf diese Gefahren aufmerksam zu machen,

- daß die unterschiedlichen Formen möglicher Belästigung des Menschen durch den Computer selbst Gegenstand der Informatik zu sein haben, - daß die Informatiker andernfalls in den Ruf "verantwortungsloser Fachidioten" geraten werden, wenn nicht gar in den Ruf "rücksichtsloser Technokraten".

Formen der Belästigung

Genrich zählte eine lange Reihe der auf den ersten Blick zunächst harmlosen Belästigungen durch den Computer auf. Als viel relevanter sieht Genrich die Belastung sozialer Beziehungen: "Dazu zählt vor allem die Tatsache, daß man über Computer vielfältigen Einflüssen ausgesetzt wird, deren Urheber nicht feststellbar sind."

Verschleierter Mißbrauch

"Sowohl Unkenntnis der Konsequenzen der Computerisierung als auch leicht zu verschleiernder Mißbrauch können die Ursache hierfür sein. Möglich wird dies durch die einseitige Betonung des Vorteils der Einsatzvielfalt der Computer. Das Werkzeug für die Herstellung einer garantierten Zweckbestimmung und Zweckbeschränkung wird nicht mitgeliefert", moniert Genrich. Und mit Nachdruck stellt er fest:

-"Die Naivität und Kurzsichtig keit des computerzentrischen Denkens, das die Pläne für die Einrichtung von Computernetzwerken, von Informationsbanken, eines automatisierten Meldewesens oder einer bargeldlosen Verteilung von Gütern und Leistungen bestimmt, kann nur erschreckend."

Die Ursachen sieht Genrich ganz allgemein im Mangel an zureichenden Ausdrucksmitteln im Umgang mit Computern, aber auch in der falschen Auffassung, wie man mit Computern umgehen sollte. Er meint, daß die erheblichen taktilen und visuellen Möglichkeiten des Menschen im Dialog mit dem "Automaten" nur rudimentär genutzt würden: "Dabei würden graphische Darstellungsmittel für strukturelle, vor allem organisatorische Zusammenhänge, die eine direkte Kopplung zwischen optischer Anzeige und manuellem Eingriff ermöglichen, die die bisherige Form der Computerbenutzung mittels riesiger Programmpakete weitgehendst ablösen können."

In der als Vorteil gepriesenen universellen Einsetzbarkeit der Computer, das heißt ihrer mangelnden Zweckgebundenheit wittert Genrich Dynamit, wenn nicht gar TNT:

-"Wenn Computer so konzipiert sind, daß zunächst einmal alle Daten von überall her gleichmäßig erreichbar und beliebig kopierbar, sind, so wird der nachträgliche Schutz, die Kanalisierung von Datenströmen, durch rein organisatorische Mittel zu einem praktisch unlösbaren Problem."

Eine Vermeidung der Belästigung des Menschen durch den Computer hält Genrich für machbar - allerdings in einer recht unkonformistischen Weise. Computer, so meint er, sollten nicht länger als Dialogpartner einzelner Menschen begriffen werden.