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25.01.1980

Gehaltszahlung nach DV-Tarif laßt Datenverarbeiter kalt

Obwohl Tarifverträge für Datenverarbeiter von den Unternehmensführungen gern als Orientierungshilfe bei Neueinstellungen oder Gehaltsaufstockungen verwendet werden, neigen DV-Bosse doch eher dazu, sie zu negieren. Momentan liegen Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände wieder im Clinch, um die zum großen Teil noch aus 1971 stammenden, inzwischen völlig veralteten DV-Tarifverträge neu auszuhandeln. Die Forderungen der DV-Manager nach einem akzeptablen Tarifwerk (siehe auch COMPUTERWOCHE 11/79, Seite 0 scheinen in Anbetracht der Personalknappheit zurückhaltender geworden zu sein. "Auch mittels eines Tarifvertrages wird die Chance auf einen gepflegten Stellenmarkt sinken", erläutert Gerhard Kels, RZ-Leiter bei der Hagen AG. Die Möglichkeit, qualifizierte Mitarbeiter tariflichen Konditionen zu bekommen, sei praktisch gleich Null. ha

Wolfgang Klahn

Leiter Datenverarbeitung und Organisation, Loewe Pumpenfabrik GmbH, Lüneburg

Die derzeit geltenden Tarifverträge der IG Metall werden bei uns als Grundlage für die gehaltliche Einstufung der meisten EDV-Mitarbeiter gesehen. Ausnahmen bei dieser Reglementierung bilden Projekt-, RZ- und DV-Abteilungsleiter, deren Gehälter marktbedingt im außertariflichen Bereich angesiedelt sind.

Bei einem Unternehmen mittlerer Größe sind die Aufgabenstellungen der EDV-Mitarbeiter in der Regel umfangreicher als die im Tarifvertrag fixierten Tätigkeitsmerkmale. In Einzelfällen wird daher eine entsprechen de Höhergruppierung vorgenommen. Um jedoch die Gehälter marktgerecht zu halten (wir liegen noch im Dunstkreis Hamburgs), werden Leistungszulagen im Rahmen des Tarifvertrages gewährt. Hiermit erreicht man eine gewisse Gehalts-Flexibilität nach oben und unten.

Der für uns geltende Tarifvertrag enthält Tätigkeitsmerkmale für EDV-Beschäftigte in Form einer grundsätzlichen Aufgabenstellung. Insofern kann man den Tarifvertrag eher als einen sogenannten Rahmenvertrag sehen.

Ein bis ins letzte Detail ausgefeilter Tarifvertrag würde jedoch nach meiner Ansicht hinsichtlich des augenblicklichen DV-Stellungsmarktes keine Beruhigung in das Gehaltsgefüge der Datenverarbeiter bringen.

Peter Bollmann

EDV-Leiter, Union Agricole AG, Pinneberg

Die Frage nach einem Tarifvertrag für DV-Angestellte gleicht einem unvorsichtigen Stoß ins Wespennest

Unser Ist-Zustand:

Der für uns geltende Manteltarifvertrag für die Angestellten der Futtermittelindustrie in Hamburg beschreibt den Geltungsbereich der Tarifverträge nach drei Kriterien: räumlich, fachlich. persönlich. Angestellte, deren Aufgabenbereich höhere Anforderungen stellt als die höchste tarifliche Beschäftigungsgruppe verlangt, fallen nicht unter den persönlichen Geltungsbereich dieses Manteltarifvertrages.

Genau das aber ist für unsere DV-Mitarbeiter der Fall. Sie werden durch die drei definierten Beschäftigungsgruppen unseres Manteltarifvertrages (K = kaufmännisch; T = technisch; M = Meister) nicht erfaßt.

Der Manteltarifvertrag regelt ganz allgemein die Rahmenbedingungen des Arbeitsverhältnisses für alle Betriebsangehörigen. Unabhängig von der Einschränkung seines persönlichen Geltungsbereiches findet der Manteltarifvertrag bei uns generell für alle Angestellten im Sinne des Betriebsverfassungsgesetzes, also auch für die DV-Mitarbeiter, Anwendung. In wichtigen Punkten wird jedoch für diese der Manteltarifvertrag durch außertarifliche Vereinbarungen wie Einstellung. Kündigung, Arbeitszeit und Mehrarbeit sowie -Urlaub ergänzt.

Der Gehaltstarifvertrag (häufigeren Änderungen unterworfene als der jeweils mehrere, bis zu vier und fünf Jahre geltende Manteltarifvertrag), betrifft nur die oben bereits genannten Beschäftigungsgruppen, die in den persönlichen Geltungsbereich der Tarifverträge fallen. und für die auch die Tätigkeitsmerkmale definiert sind. Das Arbeitsentgelt für DV-Berufe kann daher aus dem Gehaltstarifvertrag nicht abgelesen werden.

Tarifverträge enthalten Mindestbedingungen. Aufgrund der Tatsache. daß das Arbeitsentgelt ohnehin auch bei den vom Tarifvertrag erfaßten Beschäftigungsgruppen nur in Ausnahmefällen mit dem Gehaltstarif übereinstimmt. wird die grundsätzliche außertarifliche Festsetzung des Arbeitsentgeltes für die EDV-Betriebsangehörigen jedoch verdeckt.

Vorstellbar sind zunächst zwei Grundtypen von Tarifverträgen für DV-Berufe:

Ein eigenes Tarifwerk, das beide Teile umfaßt, einen eigenen Manteltarifvertrag sowie einen dazugehörigen eigenen Gehaltstarif nur für DV-Berufe.

Beide stehen dann neben den schon vorhandenen branchenorientierten und in der Regel räumlich begrenzten Tarifverträgen und gelten ausschließlich für die Gruppe der DV-Berufe im Betrieb.

Grundsätzlich sehe ich einige vordergründige Hindernisse um einen EDV-Tarif zu realisieren.

Ist bei dem Begriff "Tarifverträge für DV-Berufe" Oberhaupt an ein Tarifwerk zu denken, das überregional und branchenunabhängig für alle Angestellten in DV-Berufen gilt?

Gemeint ist ein Tarif, der sich grundsätzlich nur auf eine Berufsgruppe im Betrieb richtet. In den, bisher geführten Gesprächen wurden Hindernisse deutlich, die einem speziellen DV-Tarifvertrag möglicherweise Im Wege sind: a) Der Arbeitsmarkt.

Tarifverträge enthalten Mindestbedingungen, die jedoch in einer sehr angespannten Arbeitsmarktlage, (der DV-Arbeitsmarkt ist wohl zur Zeit so gut wie leer) nahezu bedeutungslos sind und durch außertarifliche Sonderregelungen überboten beziehungsweise zum Teil außer Kraft gesetzt werden. Dies gilt beim Manteltarif ebenso, wie beim Gehaltstarif. b) Die Definition der Tätigkeitsmerkmale

Lohn- und Gehaltstarife beziehen sich auf Beschäftigungsgruppen, die wiederum durch Tätigkeitsmerkmale definiert sind, Durch die Weiterentwicklung der DV findet sich in der Praxis noch fast das ganze Spektrum der durchlaufenden Entwicklungsstufen wieder. Der Gehaltstarif muß auf diese Gegebenheiten - das heißt auf mehrere Entwicklungsstufen gleichzeitig - anwendbar sein.

Besonders wichtig bei der Erstellung eines DV-Tarifvertrages sind neben den Kriterien regionales Geltungsgebiet und Branchenzugehörigkeit, auch die Größe der EDV-Anlage. Stand und Umfang der eingesetzten Soft- beziehungsweise Hardware und vieles DV-spezifisches mehr

Bei der Betrachtung der Notwendigkeit eines Tarifwerkes für Datenverarbeiter muß einerseits die derzeitige Lage auf dem DV-Arbeitsmarkt, das Fehlen abgegrenzter Berufsbilder (etwa EDV-Kaufleute) sowie die für einen Großteil der in der DV Beschäftigten geltenden Sonderverträge einbezogen werden. Offen bleibt dann immer noch die Frage. welches der existierenden Vertragsmodelle als optimal anzusehen ist oder ob die gesuchte Reglementieren überhaupt eine tarifliche sein muß.

Auf alle Fälle sollte man zuvor selbstkritisch prüfen, ob im eigenen Unternehmen Oberhaupt die entsprechenden Voraussetzungen, wie konkrete Arbeitsplatzbeschreibungen und regelmäßige Leistungsbeurteilungen, gegeben sind.

Gerhard Kels

RZ-Leiter, Accumulatoren-Werke Wilhelm Hagen AG, Soest

Ein Tarifvertrag speziell für DV-Angestellte ist mir nicht bekannt. Lediglich die Zuordnungen und Berufsdefinitionen innerhalb des Tarifes der IG Metall sind mir geläufig. Diese Definition der DV-Tätigkeit ist nach meiner Ansicht jedoch völlig überholt und absolut unzureichend. Abgesehen davon, daß wir zu diesen Konditionen keine Chance auf dem Personalmarkt haben, werfen sich auch innerbetriebliche Probleme auf.

Würden sich Geschäfts- oder Personalleitungen an diesen Richtlinien orientieren, hätten sie wohl nur die Möglichkeit, Anfänger einzustellen und auszubilden, die dann allerdings schon nach ein paar Jahren die Konsequenz ziehen und zu Firmen mit maß- und leistungsgerechter Dotierung abwandern würden.

Aus diesem Grund begrüße ich einen speziellen Tarifvertrag für DV-Angestellte nur unter zwei Voraussetzungen: Erstens müßte ein eventueller Tarifvertrag detaillierte Definitionen der DV-Tätigkeiten enthalten, die den sich laufend verändernden Gegebenheiten angepaßt werden mußten. Das heißt, spätestens alle vier Jahre müßte ein Tarifvertrag völlig neu überarbeitet werden.

Zweitens müßte er sich bei Erstellung an den zur Zeit üblichen Durchschnittsgehältern orientieren. Sicherlich ein schwieriges Unterfangen, aber dazu gibt es genügend Erhebungen von den verschiedensten Instituten.

Ein vernünftiger Tarifvertrag könnte sowohl für die EDV- als auch für die Geschäftsleitung ein Instrument für richtige, leistungsgerechte Einstufung der DV-Mitarbeiter sein. Andererseits werden vielleicht auch DV-Kräfte, die sich prinzipiell unterbezahlt fühlen, mit ihren Forderungen etwas mehr auf dem Boden der Realität bleiben. Ich meine hier auch DV-Anfänger, die frisch von irgendwelchen Schulen kommen und mit phantastischen Ideen hinsichtlich zu erwartender Gehälter vollgestopft wurden. Diese Newcomer haben meist irreale Forderungen"

Abgesehen von diesen Ausschreitungen würde mittels eines Tarifvertrages trotzdem die Chance auf einen gepflegten Personalmarkt sinken. Die Möglichkeit, qualifizierte Mitarbeiter zu tariflichen Konditionen zu bekommen, erscheint mir dann gleich Null.

Heinz Küppers

EDV-Leiter, WEA Musik GmbH, Alsdorf

Bei der WEA Musik GmbH werden einmal jährlich die Gehälter überprüft. In der Regel orientieren wir uns an den allgemeinen tariflichen Abschlüssen. Gleichzeitig wird mittels eines Bewerbungsbogens ein Mitarbeiter nach fachlicher Leistung, Verhalten gegenüber Kollegen und Vorgesetzten (bezogen auf das Vorjahr) nach einem Punktesystem eingestuft.

Bei der Gehaltsfindung für Neueinstellungen lehnen wir uns am Markt an. Hier beginnen erst die eigentlichen Probleme, die ein realistischer Tarifvertrag sicherlich beseitigen könnte.

Der Anforderungskatalog eines eventuellen Tarif es, speziell für Datenverarbeiter, sollte primär eine detaillierte Einstufung der Fachgruppen enthalten. Hier ist natürlich fraglich, ob eine Einstufung von "echten" Spezialisten überhaupt möglich ist. Weiterhin sollten regional stark schwankende Gehälter ausgeschaltet werden. Ein Katalog wäre erforderlich, in dem die Gleichstellung der fachlichen Anforderungen einzelner Computer-Systeme erreicht wird. Die vielerorts proklamierte starke fachliche Trennung von Tätigkeiten, die von der Größe einer Anlage abhängen, ist meiner Ansicht nach nicht vorhanden.

Sicherlich ist es schwierig, eine Abstufung, beispielsweise zwischen einem DB- oder TP-Spezialisten, zu finden. Diese Tätigkeiten demonstrieren zwar nicht die Masse, aber unter Berücksichtigung eines gemeinsamen Levels können auch diese Gruppen in einen Tarifvertrag einbezogen werden.