Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

Geisterfahrer auf der Datenautobahn Dieter Eckbauer

18.03.1994

Die Werbung der Anbieter macht Multimedia noch nicht zu einem echten Markt. Zwei Fragen blieben bisher unbeantwortet: Wer soll das alles nutzen? Und: Wer soll es bezahlen? Ein schier endloser Video-, Movie- und Spiele-Konvoi wird, so die Vorstellung, ueber den Information-Highway, die Datenautobahn rollen. An der "enabling technology", der IT-Technik, die das ermoeglicht, wollen die Computerfirmen verdienen - und nicht zu knapp. Sie sollten aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt haben. Die zahlungswilligen Nutzer, die Payer, koennten sich sehr schnell als Geisterfahrer erweisen.

"Business as usual" ist ein guter Tip fuer alle Anbieter, die sich nicht in Multimedia-Phantasien hineinsteigern wollen. Dass dieser Ratschlag von dem PC-Guru Bill Gates kommt, muss kein Nachteil sein. Der Microsoft-Chef laesst gewoehnlich keine Marktluecke ungenutzt. Gates warnt vor einer "collective mania", einem Multimedia-Wahn, der die Anbieter in eine Sackgasse fuehren koennte (vgl. CW Nr.10 vom 11. Maerz 1994, Seite 1). Der Information- Highway sollte primaer nicht als Spielplatz benutzt werden, sondern die Kommunikation in Unternehmen unterstuetzen, beim Tele- Conferencing etwa: Business as usual - wenn die Manager nur schon so weit waeren.

Gates spricht das Kernproblem der DV-Branche an: Ueberkapazitaeten, die die Anbieter durch Ausverkauf abbauen wollen - Preisverfall ist die Folge. Die Hersteller scheuen sich, von einem gesaettigten Markt zu sprechen, weigern sich, die Tatsache anzuerkennen, dass es zu viele Anbieter gibt. Das trifft insbesondere auf das Segment der Buero-PCs zu, die ueberwiegend fuer Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Mail eingesetzt werden. Das Ladenhueterleid soll durch Selbstbetrug gelindert werden: Man kuendigt staendig neue Systeme an, ohne diese liefern zu koennen - dadurch wird ein virtueller Kunde von morgen erzeugt, dem alle nachlaufen. Der vielfaeltig interessierte Multimedia-Konsument ist so eine Fata Morgana.

Der Multimedia-Anbieter bleibt mit seiner Frage allein: Woran soll ich mich halten? Wieder hilft das Gates-Argument weiter: Business as usual - auch wenn das im Markt der Unternehmens-DV zunaechst Replacement bedeutet, die Befriedigung eines Ersatzbedarfs der Kunden. Das ist zwar bei weitem nicht so spannend wie die Aussicht auf einen Multimedia-Boom - dafuer aber hier und heute lohnender. Ein weiterer Vorteil liegt darin, dass das Konzept abgesichert ist: In den meisten Anwenderunternehmen werden peu e peu Mainframes durch Client-Server-Systeme abgeloest.

Nichts und niemand hindert die Anbieter daran, das Naechstliegende zu tun. Sind erst einmal durch PC-Vernetzung die Voraussetzungen fuer eine reibungslose Datenkommunikation geschaffen, dann werden auch die Anwender auf den Geschmack kommen. Bei aller Information- Highway-Hysterie wird vergessen, dass die heutigen Telecom-Netze bereits fuer hohe Datenaufkommen ausgelegt sind. Die IT-Industrie sollte eine pragmatische Client-Server-Politik betreiben, dann kommt Multimedia von ganz alleine.