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27.01.1984 - 

Aktuelles Angebot eine Summe unterschiedlichster Insellösungen:

Gekoppelte Systeme lassen noch auf sich warten

BAD SODEN (CW) - Wieder einmal hinkt Die Bundesrepublik In einer zukunftsträchtigen DV-Anwendung der Konkurrenz hinterher. Während In den Vereinigten Staaten und in Japan bereits Intensiv an integrierten Lösungen zur Kopplung von CAD/CAM-Systemen an Roboter und Montagesysteme gearbeitet wird, steckt bei uns selbst Die Verknüpfung von Konstruktion und Fertigungsbereich noch In den Kinderschuhen. Vom Computer Integrated Manufacturing (CIM) Ist die Praxis Anfang 1984 noch meilenweit entfernt.

Wie auf einer zweitägigen Fachtagung des Rationalisierungskuratoriums der Deutschen Wirtschaft (RKW) im Dezember in Bad Soden deutlich wurde, wird in bundesdeutschen Unternehmen der Computereinsatz in der Konstruktion (CAD), in Arbeitsvorbereitung (CAP) und in der Fertigung (CAM) von den einzelnen Unternehmensbereichen nach wie vor individuell geplant. State-of-the-Art beim CAD/CAM-Einsatz ist nicht das von aktiven VB propagierte integrierte System, sondern die Insellösung.

Zwar sei eine Kopplung zwischen CAD-System und Fertigungsvorbereitung (NC, Stücklisten-, Arbeitsplanerstellung) technisch möglich, beim derzeitigen Entwicklungsstand aber "nicht unbedingt auch effizient", wie Dr. M. Eigner, Leiter der Technischen Datenverarbeitung der Bosch GmbH, Bühlertal, in der RKW-Diskussionsrunde zu bedenken gab. Er hält die angebotenen CAD-Moduln zur Stücklisten- und Arbeitsplanerstellung den bisher eingesetzten Verfahren zum einen für unterlegen, andererseits aber auch für inkompatibel mit der bisher üblichen Praxis der Stücklisten- und Arbeitsplanbearbeitung. Vor allem, weil sie - historisch gewachsen auf großen kommerziellen Rechnern implementiert - "völlig andere Dimensionen in bezug auf den Informationsdurchsatz die Datensicherheit und den Verwaltungsaufwand erfordern, als heutige CAD-Systeme sie zu bieten vermögen".

Und schriftlich gibt der Bühlertaler CAD-Profi den Herstellern, daß sich auch die NC-Kopplung in der Praxis schwieriger gestalte, als in den Werbeprospekten dargestellt. Einerseits würden nämlich durch CAD geometrische Elemente erzeugt, die für die NC-Bearbeitung ausgeblendet werden müßten (etwa Konturen verschiedener Bearbeitungsverfahren), andererseits fehlten wiederum geometrische Angaben, die für die NC-Bearbeitung benötigt werden. Keinen Zweifel ließ der Bosch-Mann allerdings daran, daß die Kopplung CAD-NC und langfristig auch die Verknüpfung mit Montagesystemen Voraussetzung für einen effektiven Einsatz der Datenverarbeitung im Produktionsprozeß sei.

Daraus indes die Schlußfolgerung zu ziehen, mit dem CAD-Einsatz lieber noch etwas zu warten, hält Eigner für falsch. Auch wenn die auf dem Markt befindlichen Systeme bezüglich Leistungsstand und vor allem Handhabung noch längst kein Optimum darstellten, gebe es doch eine Reihe von Einsatzfällen, bei denen die CAD-Anwendungen sowohl technisch möglich, als auch wirtschaftlich sinnvoll sei. Die Anwendungen könnten dabei durchaus noch im Bereich der zweidimensionalen Objektdarstellung liegen, wie etwa

- Zeichnungserstellung mit Hilfe von Zeichnungsmakros,

- Zeichnungserstellung mit Hilfe von Variantenprogrammen,

- Kopplung von Berechnungsprogrammen mit grafischer Ausgabe,

- Integration von einfachen Berechnungsabläufen in das CAD-System,

- Kopplung von einfachen NC-Berechnungsverfahren an die zweidimensionale Zeichnungsausgabe,

- zweidimensionale FEM-Anwendungen sowie

- Arbeitsplan- und Stücklistenerzeugung.

Über konkrete Einsatzerfahrungen und den abschätzbaren Nutzen eines CAD/CAP-Einsatzes berichtete auf der RKW-Fachtagung Dipl.-Ing. Günter Alban von der Fichtel & Sachs AG in Schweinfurt, mit rund 17 000 Beschäftigten einer der größten Zulieferer der Automobilindustrie in der Bundesrepublik.

Hauptgründe für den CAD-Einsatz waren bei den Schweinfurtern allgemein der Zwang zur ständigen Steigerung der Flexibilität bei der Entwicklung und Produktion oder speziell die Forderung nach

- kürzeren Konstruktionszeiten

- Konstruktion von Alternativlösungen, zum Beispiel unter fertigungstechnischen Gesichtspunkten oder unterschiedlichen Qualitätsanforderungen

- Weiterverwendung von Konstruktionsergebnissen für Änderungen und Zusammenbau

- flexiblerem, anpassungsfähigerem, schnellerem Reagieren auf kurzfristige Änderungen

- besserer Qualität der Ergebnisse und geringeren Fehlermöglichkeiten

- Reproduzierbarkeit der Konstruktionsobjekte für Zusammenbau und Einbauuntersuchungen sowie

- Weiterverwendung der Bauteilgeometrie durch Kopplung zu anderen Systemen wie CAP, CAM, FEM (Finite-Element-Methode).

Bessere Leistungsprofile

Diese Ziele, so Alban ließen sich bei Fichtel & Sachs mit den eingesetzten CAD/CAM-Systemen zufriedenstellend realisieren. Gegenüber der konventionellen Zeichnungserstellung betrage der Zeitgewinn zum Beispiel durchschnittlich 60 bis 70 Prozent. Der Schweinfurter CAD-Spezialist warnt jedoch davor, die Wirtschaftlichkeit von CAD-Systemen allein an den meßbaren Einsparungen bei der Zeichnungserstellung - nach wie vor Schwerpunkt der CAD-Anwendungen - festmachen zu wollen. Seine Begründung: Kostenanalysen zeigen, daß der Entwicklungsbereich (Konstruktion, Versuch, Berechnung) zwar rund fünf bis zehn Prozent der Gesamtkosten eines Produkts verursacht zugleich aber etwa 70 Prozent festlegt. Da für die Zeichnungserstellung selbst wiederum nur ein Bruchteil der Entwicklungskosten benötigt wird, ist klar, daß "größere Einsparungen nur in der Konstruktion nachgeschalteten Abteilungen wie Versuch, Arbeitsvorbereitung, Vorserienfertigung, Produktion und Materialwirtschaft möglich sind "und daß der Schwerpunkt des CAD-Einsatzes auf die Beeinflussung der festgelegten Kosten (Materialeinsparungen, fertigungstechnische Gestaltung, etc.) zielen sollte." Vorsorglich schränkt der CAD-Profi ein: "Der Nachweis dieser Einsparungen ist allerdings schwer".

Grundsätzlich waren sich die Experten auf der RKW-Fachtagung jedoch darüber einig, daß die "rasanten Entwicklungssprünge" bei Hard- und Softwaretechnologie und die steigende Anzahl von produktiv eingesetzten CAD-Systemen in naher Zukunft eine weitere Verbesserung des Leistungsprofils von CAD/CAM-Systemen erwarten ließen. In der auf dem Markt dominierenden Klasse der 16-Bitter würden in den USA bereits rund 30 "Low cost" - Systeme zu 100 000 US-Dollar angeboten. Leistungsfähige Systeme für die Zeichnungs- und Stromlaufplanerstellung, die auf PCs installiert werden können, (Anwendungsbereich: vornehmlich Zeichen- und Konstruktionsbüros) dürften in naher Zukunft wie Marktkenner Eigner prognostizierte, "für 20 000 bis 60 000 Mark zu haben sein"