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22.05.1981

Gelassene Reaktion auf Verstaatlichungsprogramm nach Wahlsieg des Sozialisten Mitterand:\ DV-Branche auf Nationalisierungsliste

PARIS (gr) - Gelassen reagieren die französischen EDV- und Elektronikunternehmen auf den Wahlsieg des Sozialisten Francois Mitterand. Ihrer Ansicht nach "wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird". Um nichts zu präjudizieren, fallen die Stellungnahmen der betroffenen Unternehmen vorsichtig aus.

Die französische Börse reagierte auf den Wahlerfolg mit Baisse. Am Tag, nachdem das Wahlergebnis bekannt wurde, drängten die Anleger zum Verkauf. Aktien der Saint Gobain Pont a Mousson (SGPM), die auf der Verstaatlichungsliste steht, wurden wegen starkem Kursverfall in Paris am ersten Tag nach der Wahl nicht gehandelt. In Frankfurt fielen die Kurse des indirekten Mehrheitsaktionärs der CII Honeywell Bull bei geringen Umsätzen um 30 Prozent, erläuterte ein Unternehmenssprecher.

Krach mit Honeywell Inc.?

Für Paris erwartet er ein Minus zwischen sieben und zehn Prozent, da die teilstaatlichen, institutionellen Anleger bei zu starken Kursrückgängen stützend eingreifen würden.

Betroffen von der angekündigten Verstaatlichung ist auch die CII Honeywell Bull, im Computerbau Frankreichs die Nummer eins. Die Nationalisierung der französischen DV-lndustrie steht nach Ansicht des SGPM-Sprechers ganz oben auf der Prioritätenliste. Zu bedenken sei allerdings, daß das Unternehmen zu 47 Prozent im Eigentum der US-amerikanischen Honeywell Inc. liege. Sie liefere rund die Hälfte des Produktions- und Vertriebsprogrammes. Unwahrscheinlich, daß die Amerikaner sich damit ohne Widerrede abfänden.

Zur Verstaatlichung stehen außerdem an die Thompson Brandt mit den Schwerpunkten Haushaltsgeräte und Unterhaltungselektronik, die Compagnie Générale d'Electricité mit ihren DV-nahen Töchtern Transac und CIT-Alcatel. Beide wollen eigenen Angaben zufolge weiterarbeiten wie bisher. Genannt wird ferner die französische Nummer zwei am Rüstungshimmel, Matra.

Die zur Nationalisierung anstehenden insgesamt elf Unternehmen beschäftigen zusammen rund eine Millionen Arbeitskräfte. Durch die Nationalisierung würde sich der staatliche Sektor Frankreichs auf etwa 17 Prozent von bisher zwölf Prozent erhöhen .

Die französische Elektro- und Elektronikbranche klagt trotz Umsatzwachstum von 14 Prozent 1980 über mangelnde Aufträge. In einer Stellungnahme der SGPM, die allein in Frankreich rund 76 000 Mitarbeiter beschäfügt, heißt es, das Unternehmen wäre zu Verhandlungen über die 35-Stunden-Woche bereit. Allerdings reichten im Augenblick die Aufträge mehr aus, die Belegschaft so lange zu beschäftigen .

Nach Zeitungsberichten glauben die politischen Beobachter in Paris nicht, daß die neue Regierung ihre Verstaatlichung vordringlich betreiben wird. Der Sprecher der SGPM weist darauf hin, daß auch nach den Neuwahlen zur Nationalversammlung einige Zeit vergehen würde, bis das Gesetz, falls es als Entwurf überhaupt eingebracht wird, beide Kammern passiert hat. Eine Finanzierung des Programms über Obligationen hält er im Gegensatz zu politischen Experten für möglich. Sie wären statt als Entschädigung vordringlich in die Maßnahmen zur Arbeitsbeschaffung zu stecken, die die neue Regierung angekündigt hat.