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07.12.1990 - 

Filmmaterial als Ausgangsbasis für neue Datenträger

Gelber Riese revolutioniert mit Photo CD die Bildverarbeitung

KÖLN - Mit der Entwicklung einer "Photo CD", des "Photo YCC Farbsystems" sowie eines "Kodak Color Management Systems" will die Eastman Kodak Company, Rochester/ New York, ein neues Kapitel in der computergestützten Bildverarbeitung aufschlagen.

Auf den ersten Blick scheint sich hinter den Neuentwicklungen nichts Spektakuläres zu verstecken: CDs zumindest gibt es schon eine Weile als Speichermedium für Computerdaten. Auch die Idee, digitalisierte Bilder auf den hochkapazitiven Peripheriesystemen abzulagern, ist nicht neu.

Was die Photo-Scheibe interessant macht und das bildverarbeitende Handwerk am Computer nach Meinung von Kodak gravierend verändern könnte, ist die Zusammenführung zwei, Technologien: Kodak besitzt viel Erfahrung als marktführender Hersteller von silberhalogenidbasiertem Filmmaterial. Die Entwickler aus Rochester wollen nun dieses herkömmliche Fotografenustensiel wegen seiner Qualitäten (Auflösung, Filmdichte,

Farbgüte) nutzen für die Verarbeitung mit dem Rechner.

Die Photo-CD übertrifft auch HDTV-Auflösung

Die unter anderem von denen Industriegiganten Sony und Canon angebotene Lösung einer elektronischen Kamera, bei der schon der Belichtungsvorgang in der Kamera digitalisiert wird, hat der Markt bislang nicht angenommen. Solchermaßen erstellte Bilder, so die Begründung, seien bislang qualilativ weit hinter herkömmliche Methoden zurückgefallen. Digitalisierende Fotoapperates die Profilqualität bieten, sind zwar erhältich, für den Amateurbereich jedoch unerschwinglich.

Die in enger Zusammenarbeit mit Philips entwickelte Photo CD soll in zweiten Quartal 1992 verfügbar sein und mit einer speziellen Bildverarbeitungs-Software aus dem Hause Kodak angeboten werden. Die neue Speichertechnologie gibt einer seits Fotoamateuren in Zukunft die Möglichkeit, ihre Diashow auch über Fernseher in Farbe zu präsentieren. Voraussetzung ist, daß sie über ein CD-I- (Compact Disc Interactive) oder ein Kombilaufwerk verfügen. Solch ein Hybridabspielgerät - für Computerdaten-, Musik- und Bildwiedergabe - hat Sony in diesem Herbst hereits vorgestellt.

Andererseits erschließt die Photo es vor allem dem DTP-Bereich neue Arbeits- und Verwertungsoptionen. Mittels eines CD-ROM-XA-Laufwerkes (Extended Architecture) kann man die Daten vor der Scheibe in jeden Computer einlesen und mit entsprechender Software weiterbearbeiten.

Ausgangsmaterial für die fotografischen Vorlagen sind Farbfilme, die wie bisher ein sogenannter Foto Finisher entwickelt. Weder in puncto Filmempfindlichkeit noch in bezug auf den Filmhersteller unterliegt der Anwender irgendwelchen Einschränkungen. Die Negative, vorzugsweise jedoch Papierabzüge, werden im Entwicklungslabor von einem speziellen Digitalscanner erfaßt.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Jedes eingescannte Foto weist eine Pixeldichte von 18 MB auf. Gegenüber der mit einigen Vorschußlorbeeren bedachten HDTV-(High Definition Telvision)Technologie bannt dieses Scan-Bild einen vierfach höheren Informationsgehalt auf die Silberscheibe. Elektronischen Bild-Systemen ist die Photo-CD-Auflösung sogar um den Faktor zehn überlegen, und wer sich sein Fernsehbild in 16fach dichterer Pixelanhäufung vorzustellen vermag, kann ebenfalls das Leistungsvermögen des neuen Mediums einschätzen.

18 MB für eine Scan-Datei würden allerdings die Kapazität herkömmlicher Speicherperipherien wie Festplatten sprengen. Wollte man einen handelsüblichen Film mit 36 Aufnahmen auf diese Weise digitalisiert ablegen, müßte der Anwender nicht weniger als 648 MB Speicherplatz schaffen. Aus diesem Grund hat man bei Eastman Kodak eine Kompressions-Software geschrieben, mit der der Foto-Finisher auf einer Sparc-Station die Bilddaten-Files auf 6,5 MB reduziert. So finden auf einer Photo CD etwa 100 Scan-Dateien respektive Fotos Platz.

Alle Branchengrößen zeigen großes Interesse

Vor allem für den professionellen Bereich soll es in Zukunft die Möglichkeit geben, vor dem Einbrennprocedere der digitalisierten Fotos auf die CD mittels eines sogenannten "Diskwriters" die Bildinformationen noch zu verändern. Über eine CD-ROM-Schnittstelle in den Rechner eingelesen, ließen sich etwa Belichtungsfehler ausbügeln oder nachträgliche Änderungen (Hintergrundausblendung, digitale Retusche oder ähnliches) am Workstation-Monitor ausarbeiten, bevor die Bilder auf CD verewigt werden.

Im Entwicklungslabor legt man zudem einen File-lndex an, so daß der Anwender zu Hause nicht nur einen textbezogenen, sondern auch einen bildorientierten Überblick vom lnhalt seiner CD besitzt. Zu guter Letzt gibt es noch etwas zum Anfassen aus dem Labor: Über einen Spezial-Thermodrucker lassen sich Ausdrucke produzieren, die nach Aussagen von Kodak in der Qualität denen von Foto-Fahrbabzügen in Fachlabor-Qualität entsprechen sollen.

Hier allerdings sind gewisse Zweifel angebracht: So konzediert Gunter Plapp von der Kodak AG in Stuttgart auf Nachfrage, daß man hochwertie und vor allem großformatige Fotoausdrucke - wie sie besonders die Werbung fordert - auch mit ihrem neuen System nicht anfertigen kann.

Daß Kodaks Vorstoß in eine neue Bildverarbeitungs-Technologie trotzdem auf großes lnteresse stößt, bewiesen etliche Hersteller, welche nach der Produktvorführung der Photo CD (am 24. Oktober 1991) in New York) ihre Unterstützung für das neue Medium zusagten. Die Liste der interessierten Unternehmen kommt einem Who-is-Who des Hard und Softwaremarktes gleich: Branchenriese IBM verspricht sich von der Photo CD wesentliche Verbesserungen bei Multimedia Anwendungen - dieser Aspekt wurde von vielen Befragten hervorgehoben; Aldus sieht für ihre "Pagemaker" Anwender eine Option zur einfachen und wirtschaftliche Einbindung hochwertiger Fotografien in Bürocomputer-systeme; Laut Adobe-Chef John Warnock könnte sich dank Kodaks Entwicklung eine Revolution in der bildverarbeitenden Industrie abspielen in Richtug auf digitale Bilder in Fotoqualität zu konkurrenzlos günstigen Preisen.

Ob Hardwarehersteller wie Apple, Olivetti, Sun oder HP, ob Zulieferer für die Bildverarbeitung wie Videologic oder ob Software-Entwickler für Multimedia-Anwendungen wie Autodesk und Macromind - alle sehen durch die Photo CD in Verbindung mit zusätzlicher Hard und Software vielversprechende Potentiale für die Entwicklung des Arbeitsplatz-Computers zur unternehmensweit kommunikationsfähigen Text, Daten und Videostation.

Für Hardwarehersteller, besonders aber für Software-Entwickler von Bedeutung sind ein Entwickler-Software-Tool und ein Anwendungsprogramm, die Kodak ab Mitte 1991 vertreiben will. Beide Programmpakete wurden in "C" geschrieben, unterstützen die Betriebssysteme DOS unter Windows 3.0, Unix, das Macintosh-OS sowie OS/2 und ermöglichen es Softwarehäusern und Systemanbieten, die digitalen Daten der Silberscheibe in ihre eigenen Anwendungsprogramme einzubinden respektive Schnittstellen für ihre Applikationen zu Photo-CD Anwendungen zu schreiben.

Die Bildfiles werden in vier verschiedenen Auflösungsstufen (bis zu 2048 x 3072 Pixel) eingelesen, wahlweise entweder im Kodak-Photo -YCC-Format, als RGB-Daten oder in einem anderen Farbsystem abgespeichert und schließlich monitor-füllend oder in Ausschnitten in Fenstern dargestellt. Wichtig ist, daß nach Aussagen von Kodak auch jene Anwender Zugriff auf Photo-CD-Daten haben, deren Anwenderprogramme noch nicht auf dieses System zugeschnitten sind.

Gleichzeitig mit der Photo CD kündigte Kodak zwei weitere komplementäre Produkte an: Das Farbsystem "Kodak Photo YCC" erlaubt die Verarbeitung von Farbbilddaten in digitalen Systemen vom Scannen und der Speicherung über Retrieval-Optionen bis zur Wiedergabe. Daten nach dem Photo-YCC-Standard sollen dabei in Zukunft so etwas wie den ASCII-Code für Textdateien darstellen.

Neben diesem Farbstandard ist allerdings noch ein Bündel von Hard- und Softwarewerkzeugen nötig, um einen durch Photo YCC definierten Farbton auch auf PC- und Desktop-Ebene umzusetzen. Dazu dient das "Color Management System", das die systemübergreifene digitale Verarbeitung von Farbsignalen gewährleisten soll - gemeint ist die Transformation der Farbkoordinaten verschiedener Farbsysteme wie YCC, RGB, CMYK und CIE. RGB-Signale werden in der Videotechnik oder im Grafikdesign angewandt, die Druckindustrie oder bearbeitet ihre Farbbilddateien mit dem CMYK-Systems.

Das Color Management System umfaßt Entwicklungshilfen, Anwendungsumgebungen, Gerätespezifikationen und Kalibrierwerkzeuge zunächst für DOS unter Windows 3.0, für das Macintosh-Betriebssystem, für Sun-Workstations und die Unix Plattform 5.4 von Interactive.

Auch über die Kosten für den Einstieg in die "Fernseh-Diashow" gibt es schon Vorstellungen. Laut Kodak Mitarbeiter Plapp ist der Anwender zu einem Preis dabei, den er anderweitig heute schon gewohnt ist zu zahlen: "Nehmen Sie den Gegenwert einer heutigen Klassik CD, und Sie liegen richtig."