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30.04.1976

Geld für Technologie - statt für Filmstars 180 Prozent Verlustzuweisung sollen Kapital in Computerentwicklung lockern

MÜNCHEN - "Privates deutsches Risikokapital fließt zu amerikanischen Filmstars, in kanadische Bohrlöcher und in den Steglitzer Kreisel - es wäre sinnvoller in die Entwicklung neuer, Technologien investiert", kritisiert Diplom-Kaufmann Eberhard Färber. Der Münchner möchte die Finanzierung von Forschungs- und Entwicklungsunternehmen durch verlustzuweisende Abschreibgesellschaften gern "salonfähig" machen. Eine Möglichkeit dazu sei, die BMFT-Förderung der jeweiligen Projekte als Gütemerkmal heranzuziehen.

Mit einem Beteiligungsangebot an der "Computer System Entwicklung GmbH" (CSE), die sich bei der Innovationsschau im Rahmen der diesjähriger Hannover Messe vorstellt, will Färber diesen Finanzierungsweg einschlagen: Zur Zeichnung angeboten werden insgesamt sechs Millionen Mark - der Kapitalanleger, dem 180 Prozent Verlustzuweisung zugesagt sind, muß jeweils 20 Prozent der gezeichneten Summe als "atypische stille Beteiligung" und 80 Prozent als Ge*schaftdarlehen geben. Die gerechnete Summe ist in Raten bis März 1977 einzuzahlen - ab 1978 sollen über fünf Jahre verteilt die Gesellschafterdarlehen zurückgezahlt, ab 1980 zusätzlich Gewinne ausgeschüttet werden. 3,5 Millionen Mark sind inzwischen gezeichnet.

Insgesamt sollen 11,1 Millionen Mark aufgebracht werden - 6 Millionen von den stillen Gesellschaftern sowie 5,1 Millionen Mark durch Kredite und Fördermittel. 2,1 Millionen Mark werden bei Finanzierungs- und Verwaltungskosten gebraucht; 9 Millionen Mark sollen in Forschungs- und Entwicklungsvorhaben investiert werden. davon 2,85 Millionen Mark für den Kauf von Know-how und Anladen.

Gekauft, wird bei der Schwesterfirma "Periphere Computer-Systeme GmbH" (PCS), die an CSE auch Räume, Einrichtungen und Mittarbeiter ab(???). CSE soll auf der Basis des Mikrocomputers und des Terminals, die PCS konstruierte Hard- und Software beispielsweise zu einem marktreifen EKG-Auswertungssystem und einem preisgünstigen (man denkt an 20 000 Mark Kaufpreis) Lagerverwaltungssystem weiterentwickeln. Produzieren und verkaufen soll die Forschungs- und Entwicklungsfirma nicht: Einnahmen soll sie in erster Linie aus Lizenzgebühren erzielen. Den Vertrieb will weitergehend PCS unternehmen; die Produktion kann bei der Franz Morat KG in Eisenbach (Schwarzwald) erfolgen.

Zweck der Konstruktion: Privates Risiko-Kapital in einer Größenordnung aufzubringen, die die Möglichkeiten der PCS und ihrer Gesellschafter übersteigt. PCS war 1969 von den Brüdern Eberhard Färber und Prof. Dr. Georg Färber - er ist heute Inhaber des Prozeßrechnerlehrstuhls an der TU München - gegründet worden. Sie starteten mit der Entwicklung von Interfaces für die IBM-Systeme 1130 und 1800 sowie mit dem Verkauf von Mixed Hardware für

technisch-wissenschaftliche Rechner. Später entwickelten sie unter anderem einen schnellen Gleitkomma-Rechner - daraus entstand jetzt ein von Färber als "Mini-Amdahl" bezeichneter, Gleitkomma-Array-Prozessor, dessen erstes Exemplar in diesen Wochen an Prakla-Seismos in Hannover für geologische Untersuchungen ausgeliefert wird.

An die Grenze gestoßen

Nach der Entwicklung eines 16-Bit-Mikrocomputers und eines intelligenten "Process Control Teirminals" PCT 80 stießen die Brüder Färber trotz 1,7 Millionen Mark Bonner Fördergelder und einem Umsatz von 6 Millionen Mark (1975) an die Grenzen ihrer Finanzierungsmöglichkeiten für den Übergang von der weitgehend individuellen Auftragsfertigung auf Produktion und Absatz größerer Stückzahlen von Standard-Produkten. Sie hoffen, mit der CSE eine Lösung für solche Unternehmen gefunden zu haben, denen einerseits nicht die Finanzierungsmöglichkeiten der Großindustrie offenstehen, deren Projekte andererseits aber zu umfangreich sind, als daß beispielsweise die neue "Deutsche Wagnisfinanzierungsgesellschaft" einspringen könnte.

"Es war ein dornenreicher Weg, bis die CSE-Lösung stand und vom Finanzamt akzeptiert war" -berichtet E. Färber. Jetzt bekommt er immer wieder Anfragen von anderen Unternehmen: Sie wollen sich informieren, wie man die werbewirksame Verlustzuweisung zur Technologie-Förderung nutzen kann.