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08.06.1990

Geld regiert die OS2-Welt

Die Weichen für die Anwendung, wie das Programm abläuft, werden zum Teil bereits im Betriebssystem gestellt. Funktionalität geben diesem seine Entwickler mit - oder auch nicht. Mit der heißen Nadel genähten Betriebssystemen merkt man das an.

Anwendungsprogrammierer können ein Lied davon singen. Wehe, sie zeigen mit dem Daumen nach unten. Für OS/2 steht ihr Schiedsspruch noch aus. Oder sollte das Todesurteil insgeheim bereits gefällt worden sein - wir wissen es nur noch nicht? Noch keine Frage von enormer Wichtigkeit: Tatsache ist, daß es erst wenige Anwendungen in der OS/2-Welt gibt. Darauf kann sich jeder seinen eigenen Reim machen. Man komme uns nur nicht damit, wir (die Fachjournalisten) würden OS/2 totschreiben. Bill Gates weiß ganz genau: Es kommt auf die unabhängigen Anwendungsentwickler an, die mit OS/2-Kits arbeiten (siehe: "Daumen"-Urteil), auf die PC-Softwerker bei Lotus, Borland & Co. oder sonstwo - den eigentlichen Benutzer, den Anwender, interessiert die technische Seite des OS/2-Problems herzlich wenig.

Investitionen in Applikations-Software, die von OS/2 unterstützt wird, binden freilich an Microsoft und/oder IBM, von daher bekommt die Betriebssystem-Problematik für mündige Anwender wieder eine nicht zu unterschätzende Bedeutung. Was Microsoft und/oder IBM über OS/2 sagen: geschenkt. Selbstlob stinkt bekanntlich. Andererseits hat Werbung, vor allem wenn sie halbwegs intelligent gemacht ist, durchaus eine selektive Wirkung - aber vermutlich anders, als von den PR-Profis beabsichtigt. Einer Taugt-nichts-Wertung, was bestimmte Kampagnen betrifft, bedarf es nämlich in der Regel gar nicht, weil der Anbieter ganz einfach nach einer gewissen Zeit den Geldhahn zudreht, wenn sich das Produkt, für das Propaganda gemacht wird, als Flop erweist.

Noch werben IBM und Microsoft für OS/2. Microsoft trommelt aber auch für Windows - und nicht zu knapp. Bill Gates ein Kannibale? Da würden wir den Betriebssystem-Guru denn aber doch falsch einschätzen. Nein, Windows hat momentan, was die Entwicklungskapazität und das Marketingbudget betrifft, eindeutig Priorität für Microsoft, weil eben MS-DOS, worauf Windows aufsetzt, nach wie vor äußerst erfolgreich ist - mag das der IBM nun in den Kram passen oder nicht.

Big Blue tut sich schwer, in bezug auf PC- und Workstation-Betriebssysteme den richtigen Kurs zu steuern. In Verbindung mit dem attraktiven RISC-System RS/6000 wirbt IBM eifrig für AIX, sprich: für Unix - und damit indirekt gegen OS/2. John Akers ein Kannibale? Nein, nein, nein - aber vielleicht weiß der IBM- Boß im Gegensatz zu Bill Gates manchmal ja gar nicht, was ihm von seinen Produkt-Managern so vorgesetzt wird.