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16.05.1986 - 

BMFT öffnet milliardenschweres Füllhorn auch bei kleinen Unternehmen

Geld vom Staat für die Softwareforschung

16.05.1986

Projekte, die für den Bund oder die EG durchgeführt werden, sind förderungswürdig. Doch nur die wenigsten wissen, wie sie an die Staatsgelder für die Softwareforschung herankommen. Einen jeweils eintägigen Informations-Workshop zu diesem Themenkreis veranstaltet die Seminargruppe der COMPUTERWOCHE in Zusammenarbeit mit der Scientific Consultating am 27. und 28. Mai 1980 in Frankfurt beziehungsweise München.

In letzter Zeit wird immer wieder behauptet, mit der Forschungsförderung ginge es bergab. Kleine und mittlere Unternehmen seien benachteiligt. Die klassischen Programme wie der Personalkostenzuschuß laufen auf Drängen der EG-Kommission aus, die hierin eine verbotene Dauersubvention sieht.

Ziele der Forschungs- und Technologiepolitik des Bundes sind die Erweiterung und Vertiefung wissenschaftlicher Erkenntnisse, Ressourcen- und Umweltschonung, menschengerechte Lebens- und Arbeitsbedingungen sowie die Steigerung der wirtschaftlichen Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit. So jedenfalls steht es im letzten Forschungsbericht der Bundesregierung. Ist nun der Forschungsminister mit seinem milliardenschweren Füllhorn ein Mäzen oder nur der Chef eines gewaltigen bürokratischen Umverteilungsapparates, der den Unternehmen das Geld über die Steuer erst wegnimmt, um es ihnen danach wiederzugeben?

Markthemmnisse beseitigen

Vernünftige Forschungs- und Technologiepolitik kann beides nicht sein. Minister Heinz Riesenhuber sagt dazu: "Angesichts der Herausforderungen, denen sich die Bundesrepublik Deutschland im internationalen Wettbewerb gegenübersieht, will die Bundesregierung durch

- das Bekenntnis zur Freiheit der Forschung,

- die Zurückhaltung des Staates gegenüber der Forschung und Entwicklung in der Wirtschaft, insbesondere bei inhaltlichen Vorgaben,

- die Bejahung des technischen Fortschritts und

- die Anerkennung von Leistung und Herausforderung von Spitzenleistungen in Forschung, Entwicklung und Innovation

neue Impulse geben, um die Leistungsfähigkeit von Wissenschaft, Forschung und Entwicklung sowie die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft in der Bundesrepublik Deutschland zu festigen und zu stärken."

Forschungsförderung setzt also dort an, wo die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft gefährdet ist und wo Innovations- und Markthemmnisse zu beseitigen sind. Die Forschungsförderpolitik des Bundes konzentriert sich daher stark auf Hochtechnologiefelder wie Mikroelektronik, Biotechnologie, Nachrichtentechnik, Materialforschung, Energie- und Umwelttechnik.

Im Sinne des Subsidiaritätsprinzips ist der Einsatz öffentlicher Mittel grundsätzlich nur dort vorgesehen, wo eigene staatliche Verantwortung liegt und wo aus übergeordneten gesellschaftlichen oder gesamtwirtschaftlichen Gründen die Forschung und Entwicklung einer Unterstützung bedarf.

Der Bundesminister für Forschung und Technologie (BMFT) setzt im Rahmen dieser Förderung als Instrumente sowohl die direkte Projektförderung als auch indirekt-spezifische Fördermaßnahmen und indirekte Maßnahmen ein.

Eine besondere Variante der neuen Forschungsförderpolitik sind dabei die sogenannten Verbundvorhaben. Jedes Vorhaben muß sich in die vom Bund vorgegebenen "Programme" beziehungsweise "Förderungsschwerpunkte" einordnen.

Die Zuwachsbereiche der Bundesförderung sind Informationstechnik, Biotechnologie, Materialforschung, Umweltforschung und -technik, Klimaforschung, nichtnukleare Energieforschung sowie Weltraumforschung und -technik.

Mit etwa einer halben Milliarde Mark an Fördermitteln setzt der Förderungsschwerpunkt Informationstechnik deutlich Akzente. Diese Zahl spiegelt jedoch nicht das volle Ausmaß der Förderung der Informationstechnik wider. Soft- und Hardwareentwicklungen stecken fast in jedem der anderen Förderschwerpunkte. Fast 1,5 Milliarden Mark fließen in die institutionelle Forschung. Ein großer Teil hiervon wird wiederum für informationstechnische oder informationstechniknahe Vorgaben verwendet. Viel Informationstechnik wird auch im Weltraum benötigt.

CAD/CAM als "Förderspirale"

Mehrere hundert Millionen Mark sind bereits geflossen und fließen noch in die CAD/CAM-Förderung im Programm Fertigungstechnik. Die indirekt-spezifische Maßnahme .,Entwicklung und Einführung von CAD/ CAM" in Unternehmen, die fertigungstechnische Anlagen oder Einrichtungen oder Komponenten hiervon produzieren, hat einen gewaltigen Schub von CAD/CAM-Projekten bewirkt. Mehr als 1500 Unternehmen werden gefördert, und schätzungsweise mindestens die gleiche Zahl an Unternehmen sind durch dieses Programm gezwungen worden, zur Erhaltung ihrer Wettbewerbsfähigkeit ebenfalls in CAD/ CAM zu investieren.

Im März 1984 erschien eine neue Ausschreibung "Menschengerechte Gestaltung von Software", die auch unter dem Stichwort Softwareergonomie bekannt ist. Hierbei geht es um Modellvorhaben in Verwaltung und Industrie, um Musterlösungen für die betriebliche Weiterbildung sowie um die Aus- und Bewertung von Erfahrungen mit den Modellvorhaben.

Bessere Arbeitsbedingungen in Büro und Verwaltung

Folgende Defizite der Softwareforschung sollen durch Fördermaßnahmen im Rahmen des Programms ausgefüllt werden:

- Arbeitswissenschaftliche und informationswissenschaftliche Grundlagen,

- Umsetzung von arbeitswissenschaftlichen Erkenntnissen in

Methoden und Instrumente zur Unterstützung und Gestaltung des Software-Entwicklungsprozesses,

- Umsetzung arbeitswissenschaftlicher Erkenntnisse in Kriterien und Anleitungen für die Gestaltung der Software,

- Gestaltungshinweise für die Benutzerqualifizierung auf der Grundlage von arbeitswissenschaftlichen Erkenntnissen.

Ziel der Vorhaben ist es, Erkenntnisse und Lösungen zu erarbeiten, die der Verbesserung der Arbeitsbedingungen in Büro und Verwaltung dienen.

Inzwischen hat die EG-Förderung derart an Bedeutung gewonnen, daß man bereits von einer Verlagerung der Forschungsförderung von den Einzelstaaten hin zur EG sprechen kann. Die Schwerpunkte der EG-Förderung liegen vor allem auf dem Gebiet der Informationstechnik, der Telekommunikation und auf informationstechniknahen Gebieten. Die wichtigsten hier zu nennenden Programme sind Esprit, Brite, Race und Delta. Gerade in Diskussion befinden sich die neuen IT-Programme Pert und Dime.

Zur Zeit wird die Marschrichtung für das zweite Rahmenprogramm Wissenschaft und Technik festgelegt, das von 1987 bis 1991 laufen soll. Das Programm wird schätzungsweise mehr als zehn Milliarden Ecu kosten. Dieses Programm setzt unter anderem die zusätzlichen Vereinbarungen zu den römischen Verträgen in die Realität um, die im Dezember vorigen Jahres beschlossen wurden.

Mit Software liegen Europäer gut im Rennen

Gerade wurden wieder elf neue Vorhaben für das Programm ,.Esprit" ausgewählt. Alle elf Projekte betreffen den Softwarebereich. Auf diesem Sektor können die Europäer nach Auffassung der Kommission international gut mithalten. Schon der Frühphase von .,Esprit" wurden einige Softwareprojekte gefördert. Um jedoch den wirtschaftlichen Aspekt der europäischen Forschung auf diesem Gebiet zu verstärken, hatte die EG zur Einreichung weiterer Vorschläge aufgefordert. Von 40 Vorschlägen, die jetzt zur Beurteilung vorlagen, wurden von der Kommission beinahe alle als ausgezeichnet eingestuft. Es konnten letztlich aber nur elf berücksichtigt werden, da die vorgesehenen Haushaltsmittel begrenzt sind. Für diese elf Projekte wurden insgesamt 18,9 Millionen Ecu bereitgestellt.

Laufend werden von den Direktoraten der Kommission weitere Programme entwickelt, vorbereitet und durchgeführt. Ihre Vielfalt und Verworrenheit zeichnet sich bereits stellenweise im BMFF ab. Hinzu kommt daß die Direktorate der Europäischen Gemeinschaft, die mit Informationstechnologie befaßt sind, sich zur Zeit noch auf Luxemburg und Brüssel verteilen. Den richtigen Ansprechpartner zu finden ist meist die erste und schwierigste Aufgabe bei der Beantragung eigener Projekte.

Eine weitere Hürde ist die Bürokratie: Länder, Bund und Europäische Gemeinschaft haben unterschiedliche Formalismen und handeln nach unterschiedlichen Regelungen. Lediglich die Europäische Gemeinschaft läßt zu, daß im Bereich der Kostenkalkulation die nationalen Richtlinien angewendet werden.

Staatliche FuE-Förderung, also die Vergabe und die Verwendung öffentlicher Mittel nach haushaltsrechtlichen Bestimmungen, kann aber ganz ohne aussagekräftige Antragsunterlagen, ausführliche Bewilligungsbescheide und -bedingungen, Fortschrittsberichte und sorgfältige Verwendungsnachweise nicht auskommen. Diese belasten Antragsteller und Bewilligungsempfänger, vor allem wenn es sich um Wissenschaftler oder um verwaltungsunerfahrene kleine Unternehmen handelt. Sie binden auch Kräfte und Mittel in der Verwaltung, bei den Projektträgern und beim BMFT. Der damit verbundene Aufwand schmälert die eigentlichen Förderungsmittel.

Zu bevorzugen sind daher Instrumentarien, wie die indirekt-spezifischen Fördermaßnahmen und die indirekte FuE-Förderung. Hier ist der Verwaltungsaufwand relativ gering, das Projekt kann in der Regel begonnen werden nach Vorliegen prüffähiger Antragsunterlagen, und in einigen Fällen, zum Beispiel beim Personalkostenzuschuß, ist sogar eine rückwirkende Beantragung möglich.

Daß einige der Förderprogramme auch heute noch, wo man sich der Wichtigkeit von Software bewußt ist, Softwareentwicklungen explizit von der Förderung ausschließen, ist ein regelrechter Anachronismus. Der Begriff der Softwareindustrie, die komplexe Systeme und Standardsoftware produziert, und der Begriff von Softwarewerkzeugen sowie Entwicklungsumgebungen ist bis in einige Richtlinien noch nicht durchgedrungen. Die Programme der EG sind in dieser Beziehung viel innovativer, als es die einiger Bundesländer sind, insbesondere auch die, die sich der .,High-Tech" verschrieben haben.

*Klaus Richter ist Geschaftsbereichsleiter Informationsverarbeitung bei Scientific Consulting Dr. Schulte-Hillen BDU, Köln. Nähere Informationen zum Informations-Workshop bei

CW/CSE, Herzogstraße 39, 8000 München 40, Telefon: 089/3 81 72-166/-169.