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08.10.1999 - 

Multimedia-Standorte: Hamburg

Gelder für Internet-Companies fließen ohne bürokratische Hindernisse

Mit gezielter Förderung für kleine und mittlere Unternehmen will Hamburg seinen Platz in der vordersten Reihe der deutschen Multimedia-Standorte ausbauen. Daß in der Hansestadt Fördermittel und Venture Capital für einschlägige Firmen leicht zu bekommen sind, zeigte vor einigen Wochen eine Informations-Veranstaltung des Electronic Commerce Forum (Eco).

Das sogenannte Hamburger Modell unterstützt ausschließlich kleine und mittelständische Unternehmen, die - im jeweiligen Vorjahresabschluß - mit weniger als 100 Mitarbeitern einen Umsatz von 75 Millionen Mark oder eine Bilanzsumme von 50 Millionen Mark nicht überschritten haben. Weitere Einschränkung: Die Auszahlung der Gelder ist an konkrete Projekte gekoppelt, die sich mit der Entwicklung marktorientierter, innovativer Multimedia-Lösungen beschäftigen. Die Förderung kann bis zu 50 Prozent der Projektkosten, maximal jedoch 100000 Euro betragen. Diese Beihilfe muß grundsätzlich nach drei Jahren zurückerstattet werden. Stellt sich der wirtschaftliche Erfolg nicht ein, kann der Geldgeber auf die Rückzahlung verzichten.

Beispiele gelungener Förderung sind das Internet-Auktionshaus ricardo.de und die Multimedia-Agentur Solve-IT. Deren Geschäftsführer Sören Wollesen hob die unbürokratische Abwicklung und das kooperative Verhalten der Hamburger Wirtschaftsbehörden hervor. So mußte er noch nicht einmal einen Antrag einreichen, sondern lediglich eine Projektskizze, die er zusammen mit dem Geldgeber erstellt hat. Zu seinem Erstaunen sind von der Abgabe der Unterlagen bis zum Eingang der ersten Fördergelder gerade zwei Wochen vergangen.

Damit ist es seinem Unternehmen gelungen, eine Extranet-Lösung im Bereich Web-based Training zu entwickeln, die seiner Agentur zum Durchbruch im Projektgeschäft verhalf, erklärte Wollesen. Daneben mißt er auch den immateriellen Vorteilen eine wesentliche Bedeutung zu. Die Förderung durch die Wirtschaftsbehörde war zugleich Türöffner bei neuen Kunden. Die das Förderprogramm flankierenden Maßnahmen wie PR-Anzeigen zusammen mit NewMediaWork und der Wirtschaftsbehörde in Zeitungen und der Hamburger Multimedia-Broschüre hätten den Bekanntheitsgrad gesteigert und zu Kontakten und Aufträgen geführt, hieß es.

In einer anderen Größenordnung bewegt sich die Finanzierung, wenn Venture Capital ins Spiel kommt. Robert Stein vom internationalen Kapitalgeber 3i legte die Richtlinien seines Unternehmens für die Kapitalvergabe dar. Die britische Firma hat seit ihrer Gründung vor 50 Jahren etwa 32 Milliarden Mark in mehr als 13000 Unternehmen investiert und ist derzeit mit 13 Milliarden Mark an etwa 3000 Firmen aller Branchen beteiligt.

Nach Steins Worten bewegt sich ein Engagement normalerweise im Bereich von mindestens einer bis zu 75 Millionen Mark, für geringere Beteiligungen rechne sich der Aufwand nicht. Dabei gehe 3i in der Regel langfristige Partnerschaften ohne feste Fristen für Ausstieg oder Verkauf ein. Vor dem Engagement steht die Beurteilung von Unternehmen, Management und Business-Plan. Die Erwartungen sind indes hoch: Das Unternehmen muß sich von den Konkurrenten abheben und zumindest in einer Nische oder einem Marktsegment Außergewöhnliches bieten und hier "das Beste, das Erste oder das Größte" sein. Das Geld fließt erst nach erfolgreicher Prüfung. Dann legt 3i zusammen mit dem Management eine langfristige Strategie für das Unternehmen fest, greift aber nicht in das Tagesgeschäft ein.

Solve-IT Geschäftsführer Wollesen hat etwas andere Erfahrungen gemacht: Die von Venture-Capital-Gebern immer wieder formulierten hohen Einstiegshürden seien im Bereich Internet/Multimedia vielfach außer Kraft gesetzt - und alles was "Dot Com" heiße, habe kaum Schwierigkeiten, Kapital zu erhalten. Mit dem Erfolg eines Unternehmens böten eine zunehmende Anzahl von Kapitalgebern ihre Leistungen an. Für eine Alternative hielt er das Angebot einer stillen Beteiligung von Privatpersonen.

Auch Stefan Klein von NewMediaWork, einer Initiative der Stadt und Hamburger Unternehmen, bestätigte die Einschätzung, daß die Kapitalbeschaffung im Internet-Umfeld leichter falle als in anderen Branchen. So bündele eine Hamburger Bank das Kapital engagierter Privatkunden, um es in stillen Beteiligungen bei Internet-Unternehmen zu investieren.