Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

20.12.2002 - 

Corporate Venture Capital unter Druck

Geldgeber arrangieren sich mit der Krise

MÜNCHEN (CW) - Der heimische Markt für Eigenkapitalbeteiligungen liegt am Boden. Selbst die Überlebenden der Krise, die einen finanzkräftigen Konzern im Rücken haben, müssen noch bis Ende 2003 auf Renditen warten. Von CW-Mitarbeiterin Bettina Wirth

"Wir erleben zurzeit ein mittleres bis großes Desaster", lautet die Marktanalyse von Marianne Tümpen, Geschäftsführerin der Daimler-Chrysler Venture GmbH. Neudeutsch heißt es in der Branche: Der VC- sowie der Corporate-VC-(CVC-)Markt befinden sich gegenwärtig in einem "Cyclical Downturn". Teilweise schrieben die Unternehmen bis zu 100 Prozent ihres Portfolios ab, berichten Experten auf der sechsten Venture-Capital-Tagung in München. Außerdem wirke sich die zunehmende Risikoscheu der Banken im Hinblick auf Basel II sowie die zögerliche Förderpolitik der öffentlichen Hand negativ auf die Kapitalgeber aus.

Tatsächlich verringerten sich Anzahl und Umfang der Investments in den letzten zwei Jahren massiv, sagte Dodo zu Knyphausen-Aufseß von der Universität Bamberg. Vor allem die Anzahl der Erstinvestitionen für Startups schrumpfte gewaltig: Gab es im Jahr 2000 noch rund 60 solche Förderungen, strichen die Geldgeber 2001 ihr Engagement auf 25 Positionen zusammen. Mit IPOs oder Management-Buyouts rechnet die Branche auch nicht vor Ende 2003. Selbst bei Expansionsrunden sparen die Investoren: Belief sich die Gesamtsumme der Corporate Investments im Jahr 2000 noch auf rund 500 Millionen Euro, steckten die Kapitalgeber 2001 nur noch 200 Millionen Euro in den Ausbau von Beteiligungen.

Trotz der negativen Vorzeichen waren sich die meisten Referenten einig: Corporate Venturing lohnt sich gerade jetzt, auch wenn erst Ende nächsten Jahres wieder mit einer Rendite zu rechnen ist. Corporate Investors seien die Triebfeder für Innovationen und Wachstum etablierter Unternehmen, argumentiert Tümpen. Dabei ständen nicht die Exit-Strategie und die hohen Renditen im Vordergrund des Interesses, betont auch Knyphausen-Aufseß: CVC sei vielmehr ein wichtiges Element der "Innovationsmaschine" eines Unternehmens.

Für konzernnahe Beteiligungsgesellschaften gilt als oberste Devise, ihr Engagement in die Strategie der Muttergesellschaft einzubetten. Tümpen, die mit Daimler-Chrysler Venture seit 1997 am Markt vertreten ist, verfolgt eigenen Angaben zufolge einen Drei-Stufen-Plan: In den ersten zwei Jahren investierte das Unternehmen in Ausgründungen aus dem Forschungsbereich des Automobilkonzerns. Damals, so Tümpen, wollte der Konzern hauptsächlich Mitarbeiter fördern, die sich mit guten Ideen aus der Forschung und Entwicklung selbständig machen sollten.

Zugang zu Enabling Technologies

In einer zweiten Stufe investierte die Gesellschaft in Gebiete, wo der Konzern bisher nur als Einkäufer oder Technologiepartner auftrat, um sich Zugang zu Enabling Technologies zu verschaffen. Seit Mitte 2001 fördert der Konzern gezielt Technologien etwa aus dem Zulieferbereich und stimmt sich dabei eng mit den Geschäftseinheiten ab. Primärer Nutzen sei es, "First to Market" zu sein, betont Tümpen.

Als Herausforderung sehen die CVC-Experten vor allem die Tatsache, dass an den Entscheidungen über Investments meist mehrere Instanzen mitwirken. Folglich können sie nicht so schnell entscheiden wie private Beteiligungsfirmen. Lutz Schröter von der Autovision GmbH des Volkswagenkonzerns bemängelt zudem die fehlende VC-Orientierung des Topmanagements: "Wenn es um den Kauf von Bugatti oder die Entwicklung des Phaeton geht, sind 100 Millionen Euro kein Problem. Den VCs wird aber bei Investments von 2,5 Millionen Euro der Hahn zugedreht."

Auch Tümpen, deren CVC-Einheit mit Summen zwischen 0,5 und fünf Millionen Euro in Unternehmen einsteigt, leidet unter der Investitionszurückhaltung der Stuttgarter Konzernstrategen: "Manchmal ringen wir um 100000 Euro, damit die Beteiligung nicht Pleite geht." Dabei seien die CVCs noch am beständigsten, zumal zahlreiche Private-Equity-Firmen ihre Aktivitäten inzwischen eingestellt hätten. Die Krise als Chance zu begreifen, rät daher Björn Christensen von Siemens Venture Capital: "Jetzt ist genau die richtige Zeit, ein Unternehmen zu gründen; Personal ist billig, und Möbel aus Firmenpleiten gibt es umsonst."

Abb: Ziele der Corporate-VCs

Für konzernnahe Beteiligungsfirmen ist der strategische Nutzen entscheidend. Quelle: Mackewicz & Partner